Ôhashi Sôkei I. 初代大橋宗桂 – Der erste Meijin

Ôhashi Sôkei I. 初代大橋宗桂 (1555-06.04.1636) gilt traditionell als erster Meijin im Shôgi und erster Leiter des Shôgi-Dokoro. Außerdem begründete er die Ôhashi-Familie, die wichtigste der drei Shôgi-Schulen der Edo-Zeit (1600-1868). Besondere Bekanntheit erlangte er für seine Komposition von Tsumeproblemen.

Ôhashi war der Sohn eines wohl relativ wohlhabenden Händlers aus Kyôtô, der den Namen Sôya oder Munenari 宗也 trug. Ältere Theorien, dass Sôkei ein Mönch war, gelten im Wesentlichen als widerlegt. Zur Feier des 200ten Todestags von Ôhashi Sôkei I. erstellte Ôhashi Sôkei XI. einen Stammbaum, der die Herkunft der Familie von den Sasaki-Genji 佐々木源氏 ableitete, womit die Familie von Kaiser Uda 宇多天皇 abstamme. Aber das kann getrost in das Reich der Familienmythen verwiesen werden.

宇多天皇 Uda-Tennô (867-931), von dem angeblich die Ôhashi-Familie abstammt.

In seiner Kindheit trug Ôhashi Sôkei I. den Namen Tatsumasa 龍政, änderte ihn dann zu Sôkin 宗金, dann zu Sôkei 宗慶 und schließlich zu Sôkei 宗桂. Es heißt, Sôkei hätte seine Namenskanji geändert, weil er von Oda Nobunaga 織田信長 (1534-1582) für seinen Gebrauch des Springers gelobt wurde. Möglicherweise erhielt er von Toyotomi Hideyoshi 豊臣秀吉 (1537-1598) bereits ein Stipendium als Shôgispieler und wurde von ihm eingeladen, an seinem Hof Shôgi zu spielen. Der bekannte Shôgihistoriker Masukawa Koichi 増川宏一 (1930-) bestreitet allerdings, dass Sôkei unter Nobunaga und unter Toyotomi Hideyoshi gedient habe, daher ist auch die Anekdote, wie Sôkei seine Namenskanji tauschte, als fraglich anzusehen.

1607 spielte Sôkei gegen Hon’inbô Sansa, der zu dieser Zeit wahrscheinlich die Leitung des Go- und Shôgi-Amts innehatte. Dies ist die älteste vollständige Aufzeichnung einer Shôgipartie, die uns überliefert ist. Laut dem Shôgishu sollen Hon’inbô und Sôkei insgesamt 124 Partien gegeneinander gespielt haben. Allein 70 davon sollen die beiden bis 1612 ausgetragen haben. In der Zeit zeigte sich, dass Sôkei der eindeutig bessere Spieler war. Ôhashi Sôkei erhielt 1612 den ersten Titel des Meijin in Shôgi. In diesem Jahr wurde auch das Shôgi-Amt vom Go-Amt unabhängig. Sôkei soll die Leitung übernommen und dafür 50 koku Reis und 5 Diener erhalten haben. Damit wäre das Shôgi-Amt ebenso gut finanziert gewesen, wie das deutlich prestigeträchtigere Go-Amt. Dieses Amt wurde weiterhin, bis zu seinem Tod, von Hon’inbô Sansa gehalten. Masukawa stellte auch hier die These auf, dass dies nicht den historischen Tatsachen entspräche und lediglich eine Konstruktion späterer Zeit auf Grundlage der Verleihung des Meijin-Titels an Sôkei in jenem Jahr gewesen sei.

Am bekanntesten ist Ôhashi Sôkei für seine Tsumesammlung Shôgizôbutsu 象戯造物 (dt. etwa Shôgikreationen). Diese Tsumesammlung gilt als die erste ihrer Art und wurde während der Keichô-Ära (1596-1615) das erste Mal veröffentlicht. 1616, als Ôhashi das Shôgidokoro bereits vier Jahre geleitet haben soll, soll er eine Kopie dieser Sammlung dem Shôgunat übergeben haben. Viele weitere Shôgimeister folgten diesem Beispiel, ihre Tsumesammlungen dem Shôgunat zu präsentieren und so gilt Ôhashi als Begründer dieser Praxis. Ôhashis Tsume wurden als kriegerisch und kraftvoll beschrieben, die sich mit ihren pragmatischen Zügen von den extravaganten Zügen der mittleren Edo-Zeit unterscheiden.

Hon’inbô Sansa 本因坊算砂 – Lehrer der drei Reichseiniger

Von Fabian Krahe

Hon’inbô Sansa (1559-13.06.1623) zählt zu den stärksten Go- und Shôgispielern der Zeit der streitenden Reiche und der beginnenden Edo-Periode. Obgleich Hon’inbô am bekanntesten für seine Leistung im Go ist, war er doch auch ein bedeutender Shôgi-Spieler. Er war der erste und einzige Leiter des Amtes für Go und Shôgi 碁将棋所.

Hon’inbô Sansa 本因坊算砂 (1559-13.06.1623)

Hon’inbô wurde ursprünglich mit dem Namen Kanô Yosaburô 加納與三郎 in Kyôtô geboren. Bereits im Alter von neun Jahren kam er in ein buddhistisches Kloster und erhielt dort den Dharmanamen 戒名 / 法名 Nikkai 日海. Ein Dharmaname wird entweder beim Eintritt in ein Kloster verliehen oder beim Tot eines besonders frömmigen Menschen. Heutzutage sind Dharmanamen recht stark kommerzialisiert. Als Teil einer Beerdigungszeremonie sind sie für etwa 10000 Yen zu erstehen. Erst etwa 1605 nahm er den Namen Hon’inbô an. Als ein Mönch der Nichiren-Sekte konnte Hon’inbô sich nun dem Go und dem Shôgi widmen und wurde schnell ein hervorragender Go-Spieler und starker Shôgi-Spieler.

Die Zeit von 1467 bis 1615 in Japan wird als Sengoku-Jidai 戦国時代, die Zeit der streitenden Reiche, bezeichnet. Die Macht der Zentralregierung, das sogenannte Ashikaga-Shôgunat 足利幕府, zerfiel durch den Ônin-Krieg 応仁の乱 von 1867-77. Dadurch wurde Japan in einer Zeit konstanten Bürgerkriegs zwischen den lokalen Feudalherren, den Daimyô 大名, gestürzt. Erst in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts konnte sich der Daimyô Oda Nobunaga 織田信長 (1534-82) mit seinem Vasallen Toyotomi Hideyoshi 豊臣秀吉 (1537-1598) und seinem Verbündeten Tokugawa Ieyasu 徳川家康 (1543-1616) gegen die anderen Daimyô durchsetzen und das Land wieder einen. Diese drei werden daher auch als die drei Reichseiniger 三英傑 Japans bezeichnet. Nobunaga gelang es, alle anderen starken Daimyô in Japan zu unterwerfen, indem er eine intelligente Wirtschaftspolitik umsetzte, die ihm ein stehendes Heer erlaubte. Zudem rüstete er als erster Daimyô seine Armee massiv mit europäischen Feuerwaffen aus, und beförderte seine Untergebenen nach Leistung ungeachtet deren Standes. Oda wurde jedoch 1582 von seinem Gefolgsmann Akechi Mitsuhide 明智光秀 (1528-1582), den er einmal im betrunkenen Zustand demütigte, verraten und beging Seppuku 切腹, rituelle japanische Selbsttötung, um ihm nicht in die Hände zu fallen. Nachdem sein Gefolgsmann Toyotomi Akechi nach nur 13 Tagen vernichtend schlug und dieser auf der Flucht getötet wurde, stieg Toyotomi zum Herrscher Japans auf und übernahm später den Titel des Kampaku 関白. Tokugawa, der bereits mit Oda Nobunaga verbündet war, strebte nach Toyotomis Tod die Alleinherrschaft Japans an. 1600 konnte er das Bündnis seiner Gegner in der Schlacht von Sekigahara 関ヶ原の戦い vernichtend schlagen. Er errichtete das Tokugawa-Shôgunat, dass bis 1868 bestehen sollten.

Bereits in der Edo-Zeit wurde die Bedeutung der Reichseiniger betont. Es kam ein Tanka 短歌 in Umlauf, dass sie mit dem Herstellen eines Reiskuchens, Mochi 餅, verglich. Hierbei knetete Oda den Reis, Toyotomi schlug ihn und Tokugawa verzehrte ihn.「織田がつき 羽柴がこねし 天下餅 座して喰らふは 徳の川」
Oben ist eine Darstellung dieses Tanka von Utagawa Yoshitora 歌川芳虎 (aktiv 1836-1882) in Form eines Farbholzschnitts. Er stellte neben Toyotomi auch Akechi Mitsuhide beim Schlagen der Reismasse dar.

Alle drei Reichseiniger wurden von Hon’inbô Sansa im Go unterwiesen und er wurde dafür sehr geschätzt. Über ihre Fähigkeiten soll er gesagt haben, dass alle drei „fünf-Rang“-Spieler 五子 waren, was nach heutigen Maßstäben wohl guten Amateur-Spielern entspräche. Aber es ist anzunehmen, dass bei seiner Bewertung der drei Reichseiniger Diplomatie eine entscheidende Rolle gespielt hat.

Bereits 1579 erhielt er im Alter von nur 20 Jahren von Oda Nobunaga als erster den Titel des Meijin im Go. 1587 wurde ihm von Toyotomi eine offizielle Stelle als Go-Spieler gegeben. Außerdem erhielt er vier koku Reis pro Jahr für seinen Tempel und es wurde ein jährliches Turnier angesetzt, dass er ausrichten sollte. Als Tokugawa 1603 vom Tennô zum Shôgun ernannt wurde, gab Hon’inbô auf dessen Anweisung seine priesterlichen Aufgaben an seinen jüngeren Bruder ab, und wurde der Leiter des Go-Dokoro 碁所, einer Art Amt für Go-Angelegenheiten, die bis zum Ende der Edo-Zeit bestehen sollte. Zum Wahrnehmen seiner Aufgaben erhielt er 50 koku Reis jährlich und fünf Diener. Zu den Aufgaben als Leiter zählten unter anderem die Unterweisung des Shôguns im Go, die Zustimmung zur Beförderung von Spielern und zu den Bedingungen von Herausforderungsspielen. Nicht zuletzt ware der Leiter ein Mediator zwischen den vier großen Go-Schulen und musste dafür sorgen, dass alles in der Go-Welt lief, wie es sollte. Hon’inbô Sansa gründete auch die größter der vier Go-Schulen, dessen Vorsitz er innehatte. Die Künste jener Zeit, neben Go und Shôgi auch Teezeremonie, Ikebana oder Martial-Arts, waren nach dem sogenannten Iemoto-System 家元 organisiert. Die Shôgi-Welt wurde damals in zunächst zwei, kurze Zeit später drei Schulen bzw. Familien aufgeteilten. Innerhalb jeder Schulen werden Praktiken und Wissen zu weitergegeben. Die Schulen überwachten damit, wer dieses Wissen erlangen konnte und vergaben Lizenzen, die zum Teil kostenpflichtig zu erstehen waren, damit die Schüler ihrerseits in der Schule aufsteigen und ihr Wissen weitergehen durften. Das Ieomoto-System wurde zu Recht als teuer, nepotistisch, autoritär und undemokratisch beschrieben und kritisiert. Alle drei Shôgi-Familien lösten sich in der Meiji-Zeit (1868-1912) auf. Die entsprechenden vier großen Go-Familien lösten sich ebenso auf.

Es ist davon auszugehen, das Hon’inbô zunächst sowohl für Go und Shôgi zuständig war. Erst 1612 wurde ein unbhängiges Shôgi-Dokoro 将棋所 gegründet, dem Ôhashi Sokei I. 初代大橋宗桂, ein Händler aus Kyôtô, vorstand, der Hon’inbô in den Jahren zuvor deutlich im Shôgi überflügelt hatte. Beide sollen laut dem Shôgishu insgesamt 124 Mal gegeneinander gespielt haben. 70 Mal inoffiziell vor 1612 und 54 Mal zwischen 1612 und 1615, doch sind heute nur noch einige Kifu erhalten geblieben. Ein Wettkampf von sieben Partien 1610-1611 in der Burg von Edo soll Sokei mit zwei zu fünf gewonnen haben. Eine Partie von den beiden aus dem Jahr 1607 ist die älteste überlieferte Shôgipartie.

Hon’inbôs Beitrag zur Entwicklung des Go mag bedeutender sein als für das Shôgi. Doch sollte hierbei bedacht werden, dass das Go eine deutlich längere Tradition in Japan aufweisen kann. Es kam bereits im 8. Jh. mit dem chinesischen Kulturimport nach Japan und erlebte bereits ein frühe Blüte am kaiserlichen Hof in einer Zeit, von der wir noch nicht einmal mit Sicherheit sagen können, ob und wie Shôgi gespielt wurde. Die ältesten erhaltenen Shôgisteine stammen aus dem 11. Jh. und die Regeln des heutigen Shôgi nahmen erst Mitte des 16. Jh. gestalt an, obgleich sie in Details bezogen auf Wettkämpfe noch bis in die späte Neuzeit im Fluss blieben. Es ist sicherlich nicht verkehrt davon auszugehen, dass diese Verbindung von Go und Shôgi in der Person von Hon’inbô Sansa – es war damals im Übrigen nicht unüblichen, dass ein Go-Spieler ebenfalls Shôgi spielte und umgekehrt – mit zur Etablierung des Shôgi zu Beginn der Tokugawa-Zeit beigetragen hat.

In Tony Hosking: Classic Shogi. Games Collection, Tintagel 2006, S. 1-7, finden sich zwei kommentierte Partien von Hon’inbô. Die Erste ist von 1607 gegen Ôhashi Sokei I. und die Zweite von 1619 gegen Ôhashi Sôko 二代大橋宗古 (1576-1654), ein Sohn Ôhashi Sokeis I.

Partien von Hon’inbô Sansa in der 将棋DB2 Database.

Gedenkstele an Hon’inbô Sansa am Jakkoji 寂光寺 in Kyôtô via Wikimedia. Errichtet 1822.

Kimura Yoshio 木村義雄 – Begründer der modernen Shôgiwelt

Von Fabian Krahe

Kimura Yoshio 木村義雄 (21.02.1905-17.11.1986) wurde 1920 im Alter von 14 Jahren professioneller Shôgispieler als die Shôgiwelt sich anschickte, sich für immer zu wandeln und die Form anzunehmen, in der sie uns heute begegnet. Auf dem Höhepunkt seiner spielerischen Fähigkeiten in den 30er und 40er Jahren war er der beste Shôgispieler seiner Zeit. Als erster erlangte den Meijintitel in einem Turnier und wurde der erste Meijin auf Lebenszeit ohne den Titel ererbt zu haben. Als Präsident des Shôgi Taiseikai 将棋大成会und des Nihon Shôgi Renmei 日本将棋連盟 begründete er die Shôgiwelt, wie wir sie heute kennen.

Kimura Yoshio 木村 義雄 (21.02.1905-17.11.1986) am 27. Januar 1921.

Kimuro war der Sohn eines gut situierten Handwerkers aus Tôkyô. Bereits von klein auf zeigte er ein Talent für Go und Shôgi und konnte es auch mit erfahreneren Spielern aufnehmen. Obgleich sein Vater sich für ihn eine Karriere als Rechtsanwalt oder Diplomat wünschte, erlaubte er ihm auf anraten eines Bekannten den Besuch eines Go-Dojos. Als er das Dojo besuchte, beleidigte er den Hausherren, weil er nicht mehr als zwei Bissen von dessen Gerstenreis essen konnte. Von seiner Familie her war er nämlich weißen Reis gewohnt, den sein Vater für seine Arbeit als Klebstoff benutzte. Sein Vater ärgerte sich so über die Unhöflichkeit seines Sohnes, dass er ihm verbat, am nächsten Tag wieder das Dojo aufzusuchen.

Ein Glück für die Shôgiwelt, denn fortan arbeitete Kimura daran, im Shôgi besser zu werden. 1917 stellte sein Lehrer Sekine Kinjirô 関根金次郎 (1868-1946) Graf Yanagisawa Yasutoshi 柳沢保恵 (1871-1936) den begabten Kimura vor. Yanagisawa war nicht nur Statistiker (er studierte sechs Jahre lang in Deutschland, Österreich und Belgien), Politiker und Geschäftsmann sondern auch ein begeisterter Shôgispieler. Mit seinem Einfluss und seinem Geld unterstützte er zahlreiche aufstrebende Shôgitalente, wie eben Kimura, oder auch Sakata Sankichi 坂田三吉. Wegen seines Engagements wurde er auch „Fürst des Shôgi“ 将棋の殿様 genannt.

Graf Yanagisawa Yasutoshi 柳沢保恵伯爵 (1871-1936), ca. 1931

Im Haus Yanagisawas lernte Kimura unter anderem bei Sakata Sankichi und Ono Gohei 12. Lifetime Meijin. Als Shodan nahm er auch an ersten Turnieren teil. Bereits 1918 verließ er das Haus Yanagisawas wieder, um zu seinen Eltern zurückzukehren. Er begann zu arbeiten und studierte nebenher weiterhin Shôgi, so dass er noch im selben Jahre den zweiten Dan erlangte, 1919 den dritten und 1920, mit 14 Jahren als 4-Dan Profispieler wurde. Im selben Jahr konnte er sich in einem von der Kokuminshinbun 國民新聞 ausgerichteten Wettkampf gegen Kaneko Kingorô 金子金五郎 (1902-1990), ein Schüler Doi Ichitarôs und Iizuka Kan’ichirô 飯塚勘一郎 (1895-1966), ein Schüler Ôsaki Kumaos 大崎熊雄 (1884-1939).

1921 starb Ono Gohei und Kimuras Lehrer Sekine erbte diesen Titel, während Kimura zum 5-Dan aufstieg. Drei Jahre später erfolgte Kimuras Beförderung zum 6-Dan. In diesem Jahr wurde er auch Auftragsautor für die Hôchishinbun 報知新聞, für die er bis 1942 regelmäßig über Shôgi berichtete. In diesem Jahr kam es auch zur Gründung des Tôkyô Shôgi Renmei 東京将棋連盟, die zu einer Spaltung der Shôgiwelt zwischen Kantô und Kansai führte.

Ein Jahr später gelang ihm nicht nur die Beförderung zum 7-Dan, sondern er qualifizierte sich nach den neuen Regeln des Tôkyô Shôgi Renmei auch zur Beförderung zum 8-Dan, welche er jedoch ablehnte. 1925 wurde auch erstmals ein Spiel von ihm mit Hanada Chôtarô 花田長太郎 (1897-1948) im Radio übertragen. Im März des folgenden Jahres qualifizierte er sich erneut zum 8-Dan und nahm die Beförderung endlich an.

Die Beförderung zum 8-Dan mit 22 Jahren war damals eine beispiellose Leistung. Darüber hinaus gelang es Kimura auch noch sämtliche andere 8-Dan Spieler im selben Jahr nach dem damaligen traditionellen Handicap-System 手合い zu schlagen. Kimura hat sich nach eigener Aussage sehr darüber geärgert, dass dieses System kurz darauf abgeschafft wurde.

1931 gewann er in einem Wettkampf aus fünf Spielen vier Partien gegen Doi Ichitarô. Zwei Jahre später konnte einen Wettkampf aus zehn Spielen mit vier gewonnenen Partien in Folge gegen Kaneko Kingorô für sich entscheiden. Der letzte traditionelle Meijin Sekine Kinjirô trat 1935 von seinem Titel zurück und fortan sollte in einem Turniersystem um den Titel des Meijin gespielt werden.

Meijinrücktrittszeremonie 将棋名人退就位式 im Februar 1938. L.n.r Sekine Kinjirô 関根金次郎 , Kimura Yoshio木村義雄 und Kosuge Kenosuke 小菅剣之助.

Das Turnier verzögerte sich jedoch durch einen Streit um die Beförderung von Kanda Tatsunosuke 田辰之助 (1893-1943), bekannt als Kanda-Vorfall 神田事件, der zu einer erneuten, allerdings nur kurzfristigen Spaltung der Shôgiwelt zwischen Kansai und Kantô führte.

Kanda Tatsunosuke 田辰之助 (1893-1943), ca. 1939

Die Spaltung nach dem Kanda-Vorfall konnte 1937 mit der Gründung des Shôgi Taiseikai 将棋大成会 überwunden werden. Kanda wurde zum 8-Dan befördert und übernahm die Leitung des Kansaier Zweigs der neuen Shôgiorganisation. Nur Sakata Sankichi aus Kansai verzichtete zunächst auf einen Beitritt zu der neuen Organisation. Erst nach längerer Überzeugungsarbeit konnte dieser Umstand überwunden werden. Zu Ehren der Rückkehr des Volkshelden aus Sakai, organisierte die Yomiuri Shinbun zwei Spiele Sakatas gegen die zwei damals stärksten 8-Dan Spieler Kimura Yoshio und Hanada Chôtarô, die als Entscheidungsspiel im Nanzenji und Entscheidungsspiel im Tenriuji in die Shôgigeschichte eingehen sollten. Kimura konnte Sakata in dem 30-Stunden Spiel klar besiegen.

Im selben Jahr wurde zum allerersten Mal in der Geschichte des Shôgi ein Turnier um den Titel des Meijin gespielt. Kimura konnte dieses Turnier mit 13 Siegen zu zwei Niederlagen gewinnen. Die Bilanz wurde etwas getrübt, das Hanada Chôtarô, den er nach einem Sennichite besiegt hatte, die gleiche Bilanz an Siegen und Niederlagen vorweisen konnte. Zum Gedenken an die Tsumesammlungen, die der traditionelle Meijin in der Edo-Zeit (1600-1868) dem Shôgun überreicht hatte, veröffentlichte er selbst auch ein Tsume, als er am 11. Februar 1938 zum Meijin geweiht wurde. Im gleichen Jahr wurde er auch der Vorsitzende des Shôgi Taiseikai.

Kimura selbst war sehr Stolz auf seine Leistung. Von anderen wurde ehrfurchtsvoll auch Jôshôshôgun 常勝将軍 „immer siegreicher General“ genannt. Sein Motto lautete „überwinde alle Hindernisse für ein siegreiches Shôgi “ 「勝ち将棋を勝て」.

1940 konnte er seinen Meijintitel gegen Doi Ichitarô mit vier Siegen zu einer Niederlage verteidigen. Und zwei Jahre später gegen Kanda Tatsunosuke mit vier Siegen in Folge. Im vierten Meijinturnier 1943 bis 1944 besiegte er alle 8-Dan Spieler in einer Reihe von Vorrundenkämpfen und konnte so seinen Titel erneut verteidigen.

Kimura war stets sehr besorgt über die Spaltungen der Shôgiwelt gewesen und begann kurz nach dem Krieg die Shôgiwelt zu reformieren. Als eine wichtige Ursache sah er die traditionell starke Bindung zwischen Lehrer und Schüler an, die der Bindung zwischen Eltern und Kind ähnelte 師弟関係 / 親子関係 und auf dem neo-konfuzianischen Denken der Edo-Zeit beruhte. Um dem entgegen zu wirken, gründete er die Shinshinkishishôreikai 新進棋士奨励会, in der noch heute Nachwuchsspieler als potentielle Profispieler ausgebildet werden. Im November 1945 schlug er weiterhin der Generalversammlung der Shôgispieler des Shôgi Taiseikai vor, die Dan-Ränge abzuschaffen und moderne Ranglistenturnier einzuführen. Obwohl beides zunächst angenommen wurde, wurde die Abschaffung der Dan-Ränge schnell wieder zurückgenommen und nur die Rangslistenturniere eingeführt. Damit wurde das noch heute benutzte System von Ligen und Dan-Rängen begründet.

Nach dem Krieg studierten die aufstrebenden Profispieler den fast attack reclining silver 急戦腰掛け銀定跡 um Kimura vom Thron zu stoßen. Und tatsächlich verlor Kimura 1947 seinen Meijintitel an Tsukada Masao 塚田正夫 (1914-1977). Kimura entwickelte daraufhin das nach ihm benannte Kimura-Jôseki.

Kimuras Jôseki in der Idealform. Eine kommentierte Version mit Branch-Moves findet sich auf Yet Another Shôgi Site. Das Jôseki hat auch einen englischen Wikipediaeintrag. Außerdem bespricht Tony Hosking es in seinem Buch „The Art von Shogi“ unter „Bishop Exchange Section 1. Reclining Silvers – Kimura’s Joseki“, S. 126-129.

Tsukada Masao 塚田正夫 (1914-1977), 1952

Da der junge Tsukada, der 1947 den Meijintitel von Kimura erspielte, den repräsentativen Anforderungen noch nicht zur Gänze gewachsen war, erhielt Kimura den Titel des Zenmeijin 前名人 (Ex-Meijin), und konnte so seine sozialen Aktivitäten in der Shôgiwelt fortsetzen. Jedoch war diese Zeit für Kimura, der durch diese Situation mit Geldproblemen zu kämpfen hatte, ziemlich schwierig. Im selben Jahr wurde der Shôgi Taiseikai in Nihon Shôgi Renmei 日本将棋連盟 umbenannt und Kimura blieb dessen Präsident.

Während er 1948 keine gute Leistung im Meijin-Turnier zeigte, gewann er 1949 die Spiele der A-Klasse-Liga und stand Tsukada als Herausforderer um den 8. Meijintitel gegenüber. Mit drei Siegen zu zwei Niederlagen konnte er seinen Meijintitel zurückerlangen und seine Spielstärke unter Beweis stellen. 1950 verteidigte er diesen Titel gegen Ôyama Yasuharu 大山康晴 (1923-1992) und 1951 gegen Masuda Kôzô 升田幸三 (1918-1991). Noch Ende desselben Jahres verlor er gegen Masuda mit vier Niederlagen zu einem Sieg das erste Ôsho-Turnier.

Masuda Kôzô 升田幸三 (1918-1991), 1952

Ein Jahr später musste er seinen Meijintitel erneut gegen Ôyama verteidigen. Diesmal ging Kimura alle Brillianz auf dem Brett ab und er konnte bei vier Niederlagen lediglich einen Sieg erringen. Ôyama soll sich am Ende des Titelkampfes tief vor Kimura verbeugt haben.

Ôyama Yasuharu 大山康晴 (1923-1992), 15. Meijin auf Lebenszeit nachdem er seinen ersten Meijintitel 1952 gegen Kimura Yoshio gewann.

Kifu der Partie Ôyama Yasuharu gegen Kimura Yoshio am 14. und 15. Juli 1952. In der 将棋DB2 gibt es eine ganze Reihe von Kifu von Kimura Yoshio.

Das Brett nachdem Ôyama Kimura am 15. Juli 1952 besiegte.

Etwa einen Monat später, am 14. August, verkündete er im Alter von 47 Jahren bei einem Turnier in Tôkyô, auf dem eine Gedenkfeier für verstorbene Shôgispieler abgehalten wurde, seinen Rücktritt. Auch nach seinem Rücktritt nahm er an weiteren Turnieren teil und spielte auch weitere Partien gegen Ôyama und Tsukada.

Nach seinem Rücktritt zog er in die Stadt Chigasaki in der Präfektur Kanagawa. Als erster Shôgispieler erhielt er vom japanischen Staat den Verdienstorden am purpurnen Band 紫綬褒章 und Order of the Rising Sun, Gold Rays with Neck Ribbon 勲三等旭日中綬章.

Kimura Yoshio war nicht nur der stärkste Spieler seiner Zeit, durch sein großes Engagement und sein Charisma hat er die moderne Shôgiwelt nachhaltig geprägt. Ohne ihn würde es den Nihon Shôgi Renmei und die heutige Organisation der Shôgiwelt so nicht geben. Denn er führte die Shôreikai und das Ligasystem ein. Kimura verstarb am 17. November 1986, jenem Tag im Jahr an dem traditionell die Edo-Castle-Spiele vor dem Shôgun gespielt wurden und der noch heute der Tag des Shôgi, der Shôgi-no-hi 将棋の日 ist.

Kimura Yoshio 木村義雄 1949 direkt nachdem er seinen Meijintitel von Tsukada Masao 塚田正夫 zurückeroberte.

Shôgiquiz für Anfänger

Quizes machen Spaß. Deswegen gibt’s jetzt ein kleines Shôgiquiz. Falls das gut ankommt, wird’s in Zukunft auch noch mehr davon hier auf der Seite geben.

Viel Spaß damit.
Fabian

1. Für den Anfang eine ganz einfache Frage:
Wer zieht im Shôgi zuerst?

 
 

2. Wie werden Schwarz und Weiß im Shôgi auf Japanisch bezeichnet?

 
 

3. Wieviele Felder hat ein Shôgibrett?

 
 
 
 

4. Wann dürfen Steine befördert werden?

 
 
 
 

5. Wodurch kann man eine Partie verlieren? (mehrere Antworten möglich)

 
 
 
 

6. Was ist Nifu?

 
 
 
 

7. Was ist Sennichite?

 
 
 
 

8. Wie beginnt man ein Spiel?

 
 
 
 

9. Wie beendet man ein Spiel, wenn man verloren hat?

 
 
 
 

10. Was ist Kansôsen?

 
 
 
 

Question 1 of 10