Hisshi contra COVID-19 … beim 7. Kyu-Cup am 17. Oktober 2020 in Hamburg

Von René Gralla

Die SIEBEN ist mehr als eine schlichte Zahl. Die SIEBEN transportiert Mythen und Sagen, Emotionen und Traumbilder (Das Buch mit den Sieben Siegeln, Die Sieben Weltwunder der Antike pp.), adelt monumentale Leinwandwerke und All Time Greatest – von Akira Kurosawas 黒澤明 epischem Drama „Sieben Samurai“ 七人の侍 …

… über die Adaption jenes modernen Filmklassikers von 1954 im Kult-Western „The Magnificent Seven“ (1960) und dessen Remake 2016 …

… bis hin zur 1978-er Softrock-Ode „Über sieben Brücken musst du gehn“ der einstigen DDR-Band „Karat“.

Da hat es einen unverkennbar symbolischen Wert, wenn dieser Tage bereits der 7. Kyu-Cup in Hamburg ausgetragen wird, und zwar am 17. Oktober 2020 nur wenige Schritte vom Bahnhof Altona entfernt an der Max-Brauer-Allee Nr. 60 im örtlichen Konfuzius-Institut (dessen bisherige Kooperation mit der Uni Hamburg allerdings von der norddeutschen Seite auf Grund der gegenwärtigen politischen Verhältnisse in der Volksrepublik China zwischenzeitig gecancelt worden ist zum Ende des laufenden Jahres).

Die neuerliche Ausrichtung des Turniers, das 2014 seine Premiere gefeiert hat, wird in der aktuellen Saison kein Selbstläufer, vor dem Hintergrund der sich momentan wieder verschärfenden Corona-Pandemie. Entsprechend hat der einladende Uwe Frischmuth für das Fünf-Runden-Rennen am dritten Oktobersonnabend ein strenges Hygienekonzept ausgearbeitet: Maskenpflicht am Brett, und nach Partieschluss werden die benutzten Sets penibel desinfiziert.
Umso ermutigender ist es, dass – im Gegensatz zu Thailand oder China, wo die Hausnummer SIEBEN eher misstrauisch beäugt wird – die ominöse Zahl in Japan als glückverheißend gilt. Im Kaiserreich unter dem Sonnenbanner gehören nämlich die Shichi Fukujin 七福神 aka „Die Sieben Glücksgötter“ zum festen Personal des Volksglaubens. Und erfreuen sich großer Popularität, weil dem Gute Laune-Septett eine ausgesprochene Schwäche für irdische Lustbarkeiten nachgesagt wird: Die fröhlichen Geister sollen gerne feiern und trinken und obendrein – eine spannende Nachricht für alle Aktiven im Shogi – einem flotten Match niemals abgeneigt sein.

Mit den Shichi Fukujin als mächtigen Supportern sollte folgerichtig beim 7. Kyu-Cup 2020 eigentlich nichts mehr schief gehen. Zumal einer der Unsterblichen, das ist der ewig lachende Daikoku-ten 大黒天, …

Daidoku: God of Wealth. Foto by Rudolf Ammann.

… wenigstens mittelbar dem Shogi verbunden ist. Daikoku wird niemals gesehen ohne einen dicken Hammer, der im Bedarfsfall die Dinge robust zum Besseren wendet, und just das genannte fette Werkzeug überzeugte seinerseits Daimyô Toyotomi Hideyoshi 豊臣秀吉(1537-1598), auf den Glücksgott als höchstpersönlichen Beschützer zu setzen. Der geniale Militär, einer der Drei Reichseiniger während der Bürgerkriegsphase im 16. Jahrhundert, war nach übereinstimmenden Quellenberichten ein Liebhaber des Shogi, und folgerichtig wurde denn auch von geschichtsbewussten Hamburger Aktivisten zum Gedenken an den 480. Geburtstag des legendären Feldherrn am 11. März 2017 ein „Toyotomi-Hideyoshi-Shogi-Memorial“ organisiert und wir dürfen zu Recht vermuten, dass auch der spielfreudige Daikoku den historischen Wettkampf aus der parallelen Vierten Dimension voller Wohlwollen beobachtet hat.

In diesem Zusammenhang verdient ein weiteres Mitglied der Shichi Fukujin besondere Erwähnung: das ist die anmutige Benzai-ten 弁才天 …

… ihres Zeichens enthusiastische Förderin von Musik und Kunst. Und unabhängig davon, dass Shogi selbstverständlich auch den künstlerischen Ausdrucksformen zuzurechnen ist, kann die Lichtgestalt Benzai-ten – in ihrer Funktion als einzige weibliche Gottheit im transzendenten Klub der Shichi Fukujin – nun mit Blick auf den 7. Kyu-Cup vielleicht noch eine Special Mission ausführen: den in der Vergangenheit beklagenswert Testosteron-lastigen Young And Old Boys‘ Club mutig in ein zeitgemäß diverses* Event zu transformieren.
Schließlich brillieren im Shogi auch viele junge und toughe Frauen, und absolutes Role Model ist die 28-jährige Polin Karolina Styczinska, die in Japan sensationell zum Profi aufgestiegen ist.

Da wäre es doch gelacht, wenn es nicht endlich gelingen würde, auch einige der ehrgeizigen Sportlerinnen aus dem deutschen Talent Pool für einen Start in Hamburg zu gewinnen.
Die passende Hymne zur Motivation – und insofern voll auf Linie mit Benzai-ten, die ihre göttliche Aufmerksamkeit eben auch den Kreativen der Tonkunst schenkt – hat die wunderbare Marsha Hunt, eine Ikone der Pop-Kultur in den Roaring Sixties und Seventies, schon 1970 vorgetragen: „Keep The Customer Satisfied“ …

… ein ohne Übertreibung programmatischer Titel, bei dem Shogifans statt „Customer“ bloß „Castle Keeper“, zu Deutsch: „Burgvogt“, mitsummen müssen …
… und letzteres ist außerdem ein prima Tipp für den 7. Kyu-Cup an der Elbe: ein klasse Castle garantiert krasses Punkten!
„Keep The Castle Keeper Satisfied …“ – mit den Shichi Fukujin als schützenden Spirits In The Sky** und der atemberaubenden Marsha Hunt, die uns anfeuert, setzen wir das nervige Virus unerschrocken Matt: HISSHI CONTRA COVID-19!

Marsha Hunt-Follower forever: der Autor René Gralla (hier aufgenommen am Ostersonntag des 14. April 1974 in seiner studentischen Mansarde unter dem Dach des Elternhauses im holsteinischen Elmshorn). Foto: Ingrid Gralla (Reproduktion 2020: Wolfgang Geise).

* Klarstellung zwecks Wahrung der Genderetikette: bei allen Formulierungen, die in diesem Text gegebenenfalls einen Genderbezug haben, sind selbstverständlich alle Möglichkeiten geschlechtlicher Orientierung und Selbstdefinition mitzudenken.
** Reverenz des Autors an den Psychedelic Rocksong und Megahit „Spirit In The Sky“ (1969 vom US-Sänger Norman Greenbaum veröffentlicht)

Ein Shôgiturnier unter Coronabedingungen: Erstes Shôgi-Gartenturnier in Bremen

Von Fabian Krahe und René Gralla

Der Coronavirus hat unser Leben dieses Jahr ganz schön durcheinander gebracht. Auch der Schachsport hatte darunter zu leiden. Viele Turniere mussten abgesagt werden. Viele Aktivitäten haben sich ins Internet verlagert. Beim Shôgi, der japanischen Variante des königlichen Spiels, ist das nicht anders. Die Deutsche Meisterschaft, die eigentlich im April 2020 in Hamburg stattfinden sollte, musste abgesagt werden. Das Qualifikationsturnier für das Internationale Shôgi Forum in Japan wurde daher auch ins Internet verlegt und wurde auf der Plattform 81Dojo ausgespielt. Regelmäßige Spieletreffs mussten ebenfalls gecancelt werden.

Mit einem Einladungsturnier im kleinen Kreis und im heimischen Garten der Familie wollte der gebürtige Bremer Fabian Krahe am 29. August 2020 daher ein bisschen Normalität in die norddeutsche Shôgiszene zurückbringen. So machten neben dem Organisator an diesem spätsommerlichen Sonnabend sieben Shôgienthusiasten einen Ausflug an die Lesum. Sechs kamen aus Hamburg und Norderstedt, und einer reiste aus Wolfsburg an. Um das Infektionsrisiko möglichst niedrig zu halten, fand das Turnier komplett im Garten statt. Vor Regen schützten ein mobiler Carport und ein großer Regenschirm, doch alle Befürchtungen ob des Wetters stellten sich als obsolet heraus. Die Shôgigötter waren uns wohl gesonnen, und bei strahlendem Sonnenschein, gegen den versprengte Wanderwolken keine Chance hatten, wurden fleißig Steine geschoben über die Bretter, die die Welt bedeuten.

Das alles war nur möglich dank der großartigen Unterstützung von Uwe und Birgit Krahe, den Eltern des Organisators. Sie stellten nicht nur den wundervollen Garten bereit, in dem das Turnier ausgetragen wurde, sondern bewirteten auch als hervorragende Gastgeber die ambitionierten Mattkünstler.

Die Gastgeber Birgit und Uwe Krahe, die ihren wundervollen Garten für das Turnier bereitstellten.

Das kleine, aber feine Event war gewissermaßen die direkte Folgeveranstaltung jenes Open-Air-Wettkampfes, zu dem vor gut 14 Monaten das Shôgi-begeisterte Ehepaar Ritsuko und Rolf Müller in deren idyllische Grüne Oase in Lübecks südlichem Quartier Sankt Jürgen geladen hatte. Besagtes „Ôhashi Soyo Shôgi Memorial“ in der Trave-Metropole sollte am 22. Juni 2019 daran erinnern, dass vor 150 Jahren in Japan während der Edo-Restauration der Relaunch des professionellen Denksports mit Hausturnieren in den Anwesen seinerzeit dominierender Champions begonnen hatte. Einer der Frontleute damals war der ehrwürdige Meister Ôhashi Soyo (um 1835 – 1891), und der umtriebige Sensei dürfte sich auf seiner Wolke heuer garantiert himmlisch darüber gefreut haben, dass seine epochale Initiative von einst im fernen Europa des digitalen Millenniums nach der Lübecker Premiere 2019 nun bereits die zweite Neuauflage im Bremen dieser Tage erleben würde. 

Durch die informelle und freundschaftliche Atmosphäre war es möglich, an einem einzigen Tag ein Round-Robin-Turnier mit acht Spielern durchzuziehen, das heißt, jeder spielte insgesamt sieben Partien mit 30 Minuten + 30 Sekunden Byôyômi Bedenkzeit. Eine starke Leistung aller Turnierteilnehmer. So wurde dann auch manch denkwürdige Partie ausgefochten. In der Begegnung René Gralla gegen Fabian Krahe wogte das Gefecht hin und her. Im Endspiel gelang es Fabian zunächst, René in die Ecke seines Minogakoi zu treiben, doch ein tödlicher Schlag blieb aus. Das nutzte René, um zu einer waghalsigen Mattkombination anzusetzen mit dem Plan, Fabians König aus dessen Hidariminogakoi zu treiben und auszuknocken. Fast gelang das dem René auch, doch im Eifer des Gefechts verwechselte er das Pferd mit dem Drachen und übersah den entscheidenden Zug. Diese unverhoffte Atempause wiederum reichte Fabian, das Match komplett zu drehen und nun seinerseits den René per Blitz-Matt auf die virtuelle Matte zu schicken.

Ein Partieausgang, der René zu Recht frustrierte. Schließlich hatte er sofort nach Ausführung eines albernen Dummie-Moves – der vermeintlich die Sackgasse, in die Fabians König geflüchtet war, endgültig abriegeln sollte, leider aber bei rollender Attacke das Tempo selbstmörderisch drosselte, so dass Gote dankbar ein flottes Tsume exekutieren durfte – den alternativ möglichen und zugleich alternativlosen Coup de grâce erkannt. Der wäre robust und trocken gewesen: Die schwarze Lanze 3c rückt schnöde auf 3b vor, promoviert schulmäßig und triggert im gleichen Atemzug ein krachendes Abzugsschach, und zwar im engen Gefechtsverbund mit dem schwarzen Horse, das aus dem äußersten Winkel des weißen Lagers dem zernierten Gyokusho aka „Juwelengeneral“ stante pede einen Hammer-Huftritt serviert. „Als ich das Malheur bemerkte, poppte in mir der wilde und wütende Impuls auf, blitzschnell und kackenfrech das Ding zurückzunehmen“, wie René hinterher gestand. Ein notorischer Taschenspielertrick, den der Co-Autor dieses Berichts gelernt haben will während Rauch- und Sliwowitz-geschwängerter nächtlicher Sessions im Kreis von Schachkumpels, die stolz sind auf ihre verwandtschaftlichen Beziehungen zur Balkanregion, wo harte Bandagen oft mehr Respekt verschaffen als wohlfeile Moralpredigten. Aber das internalisierte sportliche Über-Ich rief den René doch wieder streng zur Ordnung, abgesehen davon, dass dem Trottel der Saison ein verzweifelter Griff nach der (ohnehin verbotenen) Zocker-Notbremse unter Punktspielbedingungen nichts mehr genützt und auf die maximale Peinlichkeit des vergeigten Games höchstens noch anderthalbe draufgesetzt hätte.

Wer zu spät kommt, den bestraft bekanntlich das Leben. Wegen überraschender Terminprobleme am frühen Samstagmorgen schlug René erst eine gute Stunde nach Anpfiff der ersten Runde in Krahes Garten auf und musste per Aufholsprint den Anschluss an das Feld suchen. Das zerrte natürlich an den Nerven, mit dem Risiko derber Aussetzer – die René während seiner Spiele prompt auch gemein und beinahe regelmäßig aus der Bahn warfen.

Beim Kansôsen der Partie René gegen Fabian zeigte sich schnell, dass René nur die beförderte Lanze auf 3b hätte ziehen müssen, um zu gewinnen. Schade, denn es wäre tatsächlich ein ziemlich cooles 11-Zügiges Matt gewesen. Foto: Fabian Krahe.

Einen Überraschungssieg durfte Jürgen Woscidlo feiern, als Uwe Frischmuth im beiderseitigen wilden Handgemenge in eine Mattfalle stolperte. Damit ging unser Schachlehrer aus Harburg mit einem dicken Achtungspunkt nach Hause, war Uwe doch als 3 Kyu der nominell zweitstärkste Spieler des Turniers.

Martin Wolff gegn Jürgen Woscidlo. Im Hintergrund Ingo Köhler gegen Fabian Krahe. Foto: Alexandra Bumagina.

Auch Martin Wolff konnte sich einen Punkt erspielen, und zwar gegen Jürgen, sodass niemand ohne Sieg das Turnier beendete. Mit jeweils einem Punkt teilten sich beide dann allerdings auch die undankbare Rote Laterne. Schlanke zwei Zähler in der Schlussbilanz bedeuteten Rang sechs für René, der nicht nur im Treffen gegen Fabian quasi frei stehend vor dem Shôgi-Tor den Ball über die Latte semmelte, sondern auch mit einem ärgerlichen Nifu bei besserer Stellung gegen Ingo Köhler patzte. Es war definitiv nicht Renés Tag. Aber so ging immerhin der fünfte Platz an unseren Spieler aus Wolfsburg. Ingo errang drei Siege und fuhr – mit seiner Leistung zufrieden – total gechillt und lächelnd zurück in die Autostadt.

Uwe Frischmuth gegen Ingo Köhler. Ingo sicherte den fünften Platz für die Autostadt Wolfsburg. Foto: Fabian Krahe.

Den vierten Platz belegte der Gastgeber und Organisator Fabian Krahe mit insgesamt vier Punkten. Er war sichtlich zufrieden. Nicht nur mit seiner Spielleistung, sondern auch mit dem reibungslosen und erfolgreichen Ablauf des Turniers.

Der Turnierorganisator Fabian Krahe (re.) traf gleich in der ersten Partie auf Uwe Frischmuth und musst direkt eine deutliche Niederlage einstecken. Da half selbst angestrengtes Nachdenken nicht mehr. Foto: Alexandra Bumagina.

Ein großer Dank geht an dieser Stelle aber auch ausdrücklich an die selbstlos engagierte Alexandra Bumagina. Die Mutter unseres 15-jährigen Supertalents Anton Borysov schoss stimmungsvolle Fotos und bereicherte den Tag durch ihre freundliche und offene Art.

Uwe Frischmuth und das Nachwuchstalent Anton Borysov holten jeweils fünf Punkte und teilten sich den zweiten respektive dritten Rang. Da aber Anton im direkten Vergleich gegen Uwe eine Niederlage einkassierte, setzte der Organisator in der Endauswertung Uwe auf Platz zwei und Holsteins Rising Star Anton auf Platz drei. Eine Entscheidung bloß für die Stringenz der Tabelle, weil ansonsten beide eine derart herausragende Leistung bewiesen haben, dass sie eigentlich Silber im Doppelpack verdient hätten.

Anton Brysov im Spiel gegen den Turniersieger Yuki Nagahori. Foto: Alexandra Bumagina.

Beim bislang letzten Hamburger Kyu-Cup 2019 musste Yuki Nagahori, der in Chiba nahe Tokio aufgewachsen ist, noch einen Punkt an Anton abgeben. Diesmal blieb der 31-jährige jedoch ungeschlagen und durfte als souveräner Sieger den Pokal mit nach Hause nehmen. Damit kam der Gewinner des historisch ersten Shôgiturniers auf Bremer Boden aus der ewigen Konkurrenzstadt an der Elbe. Aber darüber konnten sich auch die Bremer Gastgeber freuen. Denn Yuki hat hervorragend gespielt und noch wichtiger: mit viel Spaß und Freude. Und genau das ist es, was Shôgi ausmacht.

Es bleibt zu wünschen, dass das erste Bremer Shôgi-Gartenturnier sich bald wiederholen möge. Aber vielleicht kann ja – selbstverständlich unter gewissenhafter Beachtung aller behördlichen Auflagen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie – in diesem Jahr trotzdem wieder in Hamburg das Kyu-Cup-Open ausgetragen werden. Insider munkeln, dass schon intensiv über einen entsprechenden Termin im Oktober 2020 nachgedacht wird. Dem Shôgisport und seinen Fans wäre das von Herzen zu wünschen.

Shôgi-Gartenturnier Bremen 2020; Bremen, Germany, 2020-08-29

NrNameNatGradeELO1234567Pts+/-
1NagahoriYukiJP2 Kyu1720 5+3+7+8+4+6+2+7+15
2FrischmuthUweDE3 Kyu1340 4+7+6+3+8-5+1-5+28
3BorysovAntonUA5 Kyu1356 8+1-5+2-6+4+7+5+40
4KraheFabianDE5 Kyu1294 2-6+8+7+1-3-5+4+31
5KöhlerIngoDE5 Kyu1285 1-8+3-6+7+2-4-3+6
6GrallaRenéDE5 Kyu1297 7+4-2-5-3-1-8+2-19
7WolffMartinDE8 Kyu1022 6-2-1-4-5-8+3-1+21
8WoscidloJürgenDE10 Kyu1005 3-5-4-1-2+7-6-1+68

Promoting Borysov Anton to 4 Kyu
Promoting Woscidlo Jürgen to 8 Kyu

Thailand’s Most Glamorous Chess Fan Yingluck Shinawatra Celebrates 53rd Birthday

By René Gralla

She is one of the most brilliant and attractive chess fans these days: Yingluck Shinawatra who became Thailand’s first female Prime Minister on August 5th, 2011, after a landslide victory of her Pheu Thai Party as the result of the general elections on July 3rd, 2011, by conquering 265 of the 500 seats in The House of Representatives at Bangkok. The younger sister of elder brother Thaksin Shinawatra who ran „Prathet Thai“, translation: „Land Of The Free“, as being its Prime Minister from 2001 to 2006 – until he was toppled and forced into exile by a military coup on September 19th, 2006 – has celebrated her 53rd Birthday on June 21st, 2020. Though Yingluck Shinawatra’s schedule uses to be busy and challenging, the tough and charming career woman regularly finds the time for some relaxing moments to chill out at the board of 64 squares. Whilst shaping politics at the beginning of the second decade of the third millennium, Thailand’s most glamorous Head of Government supported the renowned Bangkok Chess Club, and she helped to bring new attention to Siam’s traditional chess variant „Makruk“ by closely working together with Kittirat Na-Ranong who was Deputy Prime Minister in her cabinet apart from having been elected President of the Thailand Chess Association in 2013.

Prime Minister Yingluck Shinawatra (right) meets Bangkok Chess Club Chairman Kai Tuorila (left) on the occasion of the 12th Bangkok Chess Club Open in April 2012 (at the center in the background: Deputy Prime Minister Kittirat Na-Ranong – who will be elected President of the Thailand Chess Association one year later).

After having got to the helm of chess sports in The Kingdom of Smiles,  Kittirat Na-Ranong not only has focused on International Chess but has started to intensively promote Makruk as well. His most spectacular stroke of genius in that respect: He has taught the rules of Makruk to former World Chess Champion Garry Kasparov  when the latter paid a visit to Bangkok in December 2013.

Former World Champion Garry Kasparov (left) discusses Makruk with Kittirat Na-Ranong (right), President of the Thailand Chess Association, at Bangkok in December 2013.
Quelle: http://www.chessasiapacific.com/kasparov-sees-chess-of-all-kinds-in-thailand/

Siam’s own brand of The Game of Games is very popular throughout Thailand, therefore it is a quite surprising fact that there can not be purchased any downsized magnetic sets of Makruk. That is deplorable because Makruk editions en miniature would be very helpful in view of the current restrictions on social life worldwide that have been taken  in order to fight the Corona pandemic. Magnetic Makruk would enable aficionadas and aficionados to comfortably play on the lawn of a park or on the beach. That obvious deficiency has motivated Hamburg-based author René Gralla to tinker a little bit in his quiet closet. The result: René Gralla has transformed a miniaturized set of International Chess …

Portable edition of International Chess (photograph by: Bernd-Jürgen Fischer).

… into a corresponding prototype of magnetic Makruk. 

Handmade prototype of magnetic Makruk that has been fabricated by René Gralla (photograph by: Bernd-Jürgen Fischer). Please pay attention to the four elephants that are actually waiting on those positions that are occupied by „Bishops“ in International Chess (the elephants en miniature have been purchased at the specialized shop for Asian handicrafts „Om Shankari“ at Hamburg, Germany, in the street Hahnenkamp No. 12 close to the railway station Hamburg-Altona). Talking of several markups on some squares of the playground: these hotspots are the legacy of the ancient Indian game Ashtapada. Those special zones had been „castles“ where pieces were safe from being captured. Later Chaturanga, the prototype of chess that has been created in India sometimes during the 5th century A.D., has been played on the board of Ashtapada as well – with the initial protective function of the old „fort“-style sections having been abolished, therefore the obsolete strongholds only used to fullfill decorative purposes from now on. Since Makruk is that very living variant of chess that actually is closest to the original Indian edition Chaturanga, therefore the traditional design of the board of Chaturanga – the typical ornaments of Ashtapada including – has been used to transform a set of International Chess into Makruk. That shall underline the strong cultural links between India’s Chaturanga and Thailand’s Makruk.

The simple trick: now the well-known starting out positions of „The Bishops“ in the battle formation of International Chess are occupied by exotic elephants – thus playing the part of noblemen (in Thai language: „Khon“) in the theatre of Makruk because daring noblemen were supposed to mount imposing pachyderms before storming into real battles. Plus: the so-called „Met“ of Makruk that is the counterpart of the notorious „“Queen“ of mainstream chess will be represented by a former „Bishop“ figurine piece that finds itself in a new and more prestigious role by serving the commander in chief of either the white or black army (the technical term in the world of Makruk: „Khun“) as being the close advisor of His Lordship on the board. The foregoing concept works and is real fun: that is the conclusion that has unanimously been made by Weeraphon Junrasatpanich, the winner of „The King Naresuan The Great Makruk Memorial 2015“ at Hamburg, Germany, and René Gralla after a friendly game at the rustic pub „Thämer’s“ at Hamburg’s scenic town square Großneumarkt on June 13th, 2020. Therefore René Gralla, the creator of magnetic Makruk, and Weeraphon Junrasatpanich have dedicated that innovation to Yingluck Shinawatra who is the one and only female pop star of Thai Chess.  René Gralla and Weeraphon Junrasatpanich hope for having the chance to hand over that belated birthday present to Yingluck Shinawatra sometimes and somewhere on this planet. But that will probably take a while for Yingluck Shinawatra had to flee Thailand after a cold coup d’état: she was removed from office by the Constitutional Court on May 7th, 2014, and that was the prelude to one more putsch by the Royal Thai Armed Forces on May 22nd, 2014. Today Yingluck Shinawatra is rumoured to hold a UK passport and to be in London – apart from having been granted citizenship by the government of Serbia …

Belated birthday greetings to Thailand’s former Prime Minister and chess supporter Yingluck Shinawatra: Weeraphon Junrasatpanich (left) and René Gralla with a magnetic set of Makruk that has been created by René Gralla and that has been dedicated to Yingluck Shinawatra. The photo has been taken on Saturday, June 13th, 2020, at Hamburg, Germany, in front of the Pub „Thämer’s“ (photograph by: Chatchawan Thongmi).

Um die Ehre der Ratte … in Zeiten von Corona …

Von René Gralla

Momentan regieren uns kosmische Kräfte unter dem Zeichen der Ratte, nach dem chinesischen Horoskop. Eine Erkenntnis, die während der aktuellen Corona-Pandemie, deren erstes Aufflackern im Dezember 2019 aus dem chinesischen Wuhan berichtet worden ist, nicht ernsthaft für gute Laune sorgt. Zumindest in der westlichen Hemisphäre leidet die Ratte unter einem denkbar miesen Image; das ist geschuldet einer kollektiven Erinnerung an die Pest, die von 1346 bis 1353 auf dem Alten Kontinent wütete und rund 25 Millionen Opfer forderte, das war ein Drittel der damaligen Bevölkerung Europas. Der Schwarze Tod hatte seine Schreckensreise in Zentralasien begonnen und war von Rattenflöhen verbreitet worden.

Resultat: die verheerendste Seuche der Weltgeschichte. Und daher wäre es allen echten Freunden der großartigen Kultur aus dem Reich der Mitte deutlich lieber gewesen, der Büffel – laut Kalender erst ab dem 12. Februar 2021 das astrologische Leittier der Folgesaison – hätte sich zwischendurch bereits auf die Hinterbeine gestellt und der Ratte robust bedeutet, sie solle sich vorsorglich in eines ihrer Löcher kuscheln und uns nicht bis Ende 2020 die Laune vermiesen. Eine putzige, wenngleich natürlich völlig irreale Vorstellung, zumal zwischen Beijing und Hongkong niemand ernsthaft nachvollziehen kann, welche negativen Reflexe der suboptimal beleumundete Nager bei historisch bewanderten Langnasen auslöst.

In China nämlich genießt das besagte Tierkreiszeichen einen exzellenten Ruf. Personen, die im Jahr der Ratte geboren werden, sollen ehrenhaft und ehrlich sein, und obendrein werden die Betreffenden im Freundeskreis als großzügig in finanziellen Fragen geschätzt. Ein unzweifelhaft positives Profil, und dazu passt wiederum, dass Ratten im Tierreich als High Performer gelten. Sie sind sozial und intelligent, und außergewöhnlich gelehrige Exemplare der Gambia-Riesenratte werden mittlerweile sogar für die Minenräumung trainiert, das berichtete Sinstorfs Schachkulturbotschafter Jürgen Woscidlo per E-Mail dem Verfasser dieser Zeilen.

Außerdem teilte Norddeutschlands Mister Multi-Kulti-Chess eine weitere staunenswerte Beobachtung zum Verhalten der neugierigen und geselligen Tiere mit: „Ich hatte 1983 das Vergnügen, in einer Tagesstätte für Körperbehinderte ein Praktikum zu absolvieren. Der dort tätige Musiktherapeut Harald Melchior intonierte jeden Dienstag und Donnerstag in seinem Raum verschiedene Stücke von Beethoven und Mozart auf der Querflöte. Und regelmäßig stellten sich dann Ratten und Mäuse als Publikum ein, die still der Musik lauschten!“

In der Konsequenz ist es dringend an der Zeit gewesen, in diesen irren Tagen und Wochen, die manchen den letzten Nerv rauben und andere in raunende Verschwörungstheoretiker verwandeln, wenigstens in Bezug auf die Ratte einen symbolischen Akt der Ehrenrettung zu wagen – bevor womöglich noch total durchgeknallte Hate Speaker auf die idiotische Idee verfallen wären, nach der Pest hätten die Ratten vielleicht auch etwas mit Corona zu tun (haben sie natürlich nicht, Stupid!).

Umgesetzt wurde das ambitionierte Projekt mit einer augenzwinkernden Reverenz an eine uralte Tradition: Gottesurteile durch Zweikampf, denen wir wahlweise fasziniert und schockiert in der spannenden TV-Fantasy-Serie „Game of Thrones“ virtuell beigewohnt haben.

Selbstverständlich haben wir uns insofern für eine zivilisierte, weil weniger blutrünstige Variante entschieden: in der Form eines mentalen Duells, dem sich eine autorisierte Vertrauensperson der stolzen Nation cleverer Spürnasen stellen sollte, und zwar am Schachbrett. Auf diese Weise ist die zauberhafte Göttin Caissa um eine Entscheidung angerufen worden – damit es künftig kein Ignorant mehr wagen dürfte, den Namen der Ratte in den Dreck zu ziehen.

Die Schachgöttin Caissa auf einer Briefmarke von Paraguay.

Die schöne Caissa war konkurrenzlos kompetent für einen derart brisanten Ratschluss. Schließlich zählt sie, wie der italienische Humanist und Dichter Marcus Hieronymus Vida (1485-1566) in seinem lyrischen Epos „Scachia Ludus“ referiert hat, zur Familie der Nymphen und ist nach griechischer und römischer Mythologie eines jener weiblichen Geistwesen, die in Bäumen, Grotten oder an stillen Wassern wohnen. Um Flora und Fauna zu beschützen – und folgerichtig auch die Ratte, die ihren unverzichtbaren Part im Orchester der Natur spielt.

Was allerdings hat eine gute Fee wie Caissa eigentlich mit Schach zu tun?! Während antike Quellen dazu schweigen, imaginierte Erfolgsautor Vida – sein 1527 publiziertes „Scachia Ludus“ war ein Bestseller im 16. Jahrhundert – ein amouröses Szenario in transzendenter Dimension: Die aus den Wäldern Thrakiens stammende Caissa habe das Herz des Kriegsgottes Ares gebrochen. Schnöde ließ die elfengleiche Schönheit den flirtwilligen Schlachtenlenker abblitzen, und der Verschmähte weinte sich bitterlich beim Co-Olympier Apollon aus. Dem unsterblichen Kollegen kam plötzlich ein Geistesblitz: Apollon kreierte Schach, als fein gestrickte Liebesgabe, die der Ares seiner spröden Angebeteten darbringen sollte.

Unzählige Generationen nach der legendären Pleite des Ares bei Caissa sollte heuer nun eine veritable Partie des Millenniums – zwecks Wahrung der lädierten Reputation der Ratte – am 16. Mai 2020 im Hamburger Lokal „Rheinischer Hafen“ steigen. Im Rahmen dieses denkwürdigen Sonnabends galten die Regeln der thailändischen Schachversion Makruk, und zwar aus einem speziellen Grund, der sich am außergewöhnlichen Spirit des Events orientierte: Siams Vintage Chess ähnelt beinahe deckungsgleich dem Proto-Schach, das Chaturanga hieß und vor gut anderthalb Jahrtausenden in Indien erfunden wurde, und dürfte deswegen aus höherer Sicht quasi eine Replik des Game of Games aus der Werkstatt des Apollon repräsentieren.

Die Partei, die der Ratte die Hölle heiß machen sollte, führte frohgemut die weißen (!) Steine (Attention, Weiß gilt als Farbe der Unschuld!), und Leitwolf der Unbefleckten war Meister Weeraphon Junrasatpanich, der am 13. Juni 2015 das „PTT King Naresuan The Great Makruk Memorial“ im Asien-Afrika-Institut der Universität Hamburg souverän gewonnen hatte. Der Autor und Rechtsanwalt Dr. René Gralla übernahm den schwierigen Job, im Auftrag der Ratte die schwarze Seite zu verteidigen (wie es üblicherweise sonst auch zum Berufsverständnis eines Advokaten gehört), und symbolträchtig wurde die Figur des Black King gegen eine Porzellanplastik des wieseligen Kleinvierbeiners ausgetauscht.

Corona-gerecht maskiert am Start zum freundschaftlichen Rattenrennen in der Mini-Makruk-Arena der 64 Felder unter dem Banner des Königreiches Siam im Hamburger Kölsch-Lokal „Rheinischer Hafen“ : Dr. René Gralla (re.), Prozessbevollmächtigter und Spielführer der gemein und oft geschmähten Nager (eine Ratte im Miniaturformat aus dem Sortiment von „Hegrat`s Asien-Haus“ in Hamburg besetzt am rechten unteren Bildrand in der Ausgangsposition vor Matchbeginn das Feld des schwarzen Monarchen) versus Weeraphon Junrasatpanich (li.) als Kommandeur der Weißen. Foto: Chatchawan Thongmi (c) 2020.

Und so konnte das epochale Match beginnen … das nach wechselhaftem Ringen mit einem versöhnlichen Ergebnis endete: Die Gegner einigten sich – unter gewissenhafter Beachtung der regierungsamtlichen Vorgaben zur Pandemiebekämpfung – per Jens-Spahn-Style-Ellenbogencheck auf Unentschieden.

Ein gerechtes Resultat, das an notorische Aluhutträgerinnen und -träger eine klare Botschaft sendet: Die schlaue Ratte aus dem chinesischen Horoskop hat nichts und NADA mit all` den Herausforderungen zu tun, die uns seit Beginn des Jahres 2020 beschäftigen. Das ist das Urteil der unbestechlichen Caissa.

Freuen wir uns deswegen auf den weiteren Verlauf des Jahres der Ratte: Wer die charmante Caissa an seiner Seite weiß, kann nur gewinnen!

Mattjagd mit Makruk – wer die schöne Göttin Caissa an seiner Seite weiß und ein leichtes Getränk in Händen hält, dem kann eigentlich nicht bange werden (der Autor René Gralla als Gelegenheits-Model für eine kultige Jägermeister-Kampagne in den 1970-er Jahren; das Foto wurde aufgenommen am 13. Dezember 1977 in einem Studio in Düsseldorf und veröffentlicht von der TV-Zeitschrift „Gong“ in der Programmwoche 29.9. – 5.10.1979). Reproduktion des Bildes: Bernd-Jürgen Fischer, Hamburg 2020.

Checkmate Corona – チェックメイトコロナ

Alle Wettkämpfe bis auf Weiteres gestrichen und ein Ende der Krise noch nicht in Sicht: Die Covid-19-Pandemie hat auch den Turnierbetrieb im Shôgi abrupt ausgebremst. So dass viele Leute inzwischen zu fragen beginnen: Muss das wirklich sein? Wann dürfen wir endlich wieder gemeinsam am Brett sitzen?! Leider scheinen Vorsicht und Social Distancing momentan aber noch der beste Plan zu sein, schließlich kann das fiese Coronavirus überall und nirgends lauern und unverhofft sogar in vordergründig harmlosen Alltagssituationen zuschlagen …

Beware of the Virus: ein Corona-style Lampenschirm konfrontiert den Autor René Gralla mit einem überraschenden „Close Encounter of the Third Kind“ (Mr. Steven Spielberg, bitte übernehmen Sie!). Foto: Agnieszka Skrentny.

… um so wichtiger ist es, cool zu bleiben und das Virus clever auszutricksen. Mit einer smarten digitalen Gegenstrategie, die von Shogi Deutschland e.v. jetzt gefahren wird: Nach der vom 11. bis 19. April 2020 ausgespielten Corona-Krone auf 81Dojo.com bietet die selbe Plattform in Kürze die super Chance, sich dort für das diesjährige International Shogi Forum in Tokio (23.-25.10.2020) zu qualifizieren. Die K.o-Runden starten am 15. Mai 2020 (Anmeldeschluss ist am 13. Mai 17:00 Uhr), und wer bis zum 14. Juni 2020 noch immer nicht – virtuell – zu Boden gegangen ist, räumt das Japan-plus-Shôgi-as-Shôgi-can-Ticket ab, und zwar absolut FOR FREE! Checkmate CORONA – setzen wir gemeinsam das Virus matt! Und rocken ganz lässig den Lockdown!

René Gralla

Cool bleiben und digital das Virus mattsetzen: Das lässt Corona keine Chance, meint Shôgi-Altrocker René Gralla (hier in einer historischen Aufnahme vom 18. März 1994, reproduziert von Wolfgang Geise).

1200 Jahre nach den ersten Großmeistern: Das echte Schach aus Tausendundeiner Nacht bei Hamburgs Arabischen Kulturwochen 2019

Von René Gralla

Die Schachwelt schaute in der ersten Häfte des Novembermonats 2019 gebannt nach Hamburg, wo das dritte Grand Prix-Turnier im aktuellen FIDE-Wettkampfzyklus gastierte. Doch wohl keinem der 16 Megachamps, die zwei Wochen lang in der zukunftsorientierten HafenCity an der Elbe um wertvolle WM-Qualifikationspunkte zockten, dürfte bewusst gewesen sein, dass sie auf diese Weise nicht nur dem unverkennbar maritimen Genius Loci des Austragungsortes ihre Reverenz erwiesen, sondern zugleich auch eine weit in die Vergangenheit reichende Traditionslinie, deren Ausgangspunkt vor 1200 Jahren und viele tausend Meilen weiter in südöstlicher Richtung gesetzt worden ist, aufgenommen und für die Zukunft fortgeschrieben haben.

Haben in Hamburg eine Tradtionslinie fortgeschrieben, die vor 1200 Jahren in Bagdad begründet worden ist: Turniersieger Alexander Grischuk (li.) aus Russland und der Zweitplatzierte Jan-Krzysztof Duda (re.) aus Polen beim FIDE-Grand Prix 2019 in Deutschlands nördlicher Hafenmetropole.

Was bisher höchstens Spezialisten wussten: Der organisierte Mindsport markierte bereits im Jahr 819 der nachchristlichen Zeitrechnung einen gewaltigen Sprung nach vorn. Dank einer überraschenden Intervention des Kalifen al-Ma’mun (regierte von 813 bis 833): Der Gebieter der Gläubigen erhob die damals vier unbestrittenen Superstars der Strategiekunst in den Rang von „Aliyat“ – was nach Spielstärke und Prestige den modernen Großmeistern entsprochen hat.

Hat vor 1200 Jahren den Titel des Schachgroßmeisters kreiert: Kalif al-Ma’mun ernannte 819 die vier besten Shatranj-Spieler zu „Aliyat“.

Die Leidenschaft des Kalifen für die symbolischen Gladiatorenkämpfe in den Miniarenen der 64 Felder war familiär bedingt. Sein unvergessener Vater, der in die Märchenbücher eingegangene Harun ar-Raschid (763-809), schätzte ebenfalls das virtuelle Spiel um Triumph und Tod kriegerischer Herrscherfiguren und nahm deswegen eine 802 geführte Korrespondenz mit dem byzantinischen Kaiser Nikephoros I. (760-811) zum willkommenen Anlass, die Diskussion diplomatischer Fragen mit einem privaten Exkurs aufzulockern und von den Talenten einer seiner flotten Servicefachkräfte zu schwärmen – weil die besagte junge Dame nicht nur äußerst attraktiv war, sondern überdies feine und wunderbar fiese Intrigen am Brett zu spinnen wusste.

Die Schönheit der Mattkunst: Besucherinnen des Tunesientages 2018, in dessen Rahmen das zweite Shatranj-Turnier (nach der Premiere 2016) an der Universität Hamburg ausgetragen wurde. Foto: Bernd-Jürgen Fischer.
Die Schönheit der Mattkunst: Besucherinnen des Tunesientages 2018, in dessen Rahmen das zweite Shatranj-Turnier (nach der Premiere 2016) an der Universität Hamburg ausgetragen wurde. Foto: Bernd-Jürgen Fischer.

Allerdings folgte jene Schachversion, die einen veritablen Kalifen auf die Idee brachte, die Besten der Besten als „Aliyat“ zu feiern, noch ihrem eigenen und sehr spezifischen Rhythmus. Im seinerzeit verwendeten Spielmaterial fehlten die aktuell standardmäßigen „Läufer“ und „Damen“; stattdessen kamen im Aktionsradius massiv eingeschränkte „Elefanten“ plus „Wesire“ zum Einsatz. Der Denksport, für den im arabischen Raum die Bezeichnung „Shatranj“ üblich wurde, orientierte sich eben noch peinlich genau am klassischen Vorbild, das unbekannte Tüftler unter dem Namen „Chaturanga“ wohl in der Boomphase des indischen Gupta-Reiches zwischen fünftem und sechstem Jahrhundert gebastelt hatten. Während der Schachsport, den wir aus allfälligen Medienberichten oder eigener Spielpraxis kennen, im Grunde bloß eine jüngere und ziemlich respektlose Abwandlung des Originals ist: eine radikale Revision, die spanische und italienische Aktivisten vor einem guten halben Millennium forcierten, um die zuvor oft gemächlich dahin plätschernden Wettkampfpartien spürbar zu beschleunigen.
Den epochalen Beitrag, mit dem sich Kalif al-Ma’mun deutlich früher in die Annalen eingeschrieben hat – die Erfindung und Vergabe des Titels Aliyat aka Großmeister – , würdigt am 30. November 2019 ein Gedenkturnier am Asien-Afrika-Institut (AAI) der Universität Hamburg ab 12:00 Uhr im Rahmen eines Tunesientages. Das Kalif Al-Ma’mun-Memorial, einer der Höhepunkte im Programm der diesjährigen Arabischen Kulturwochen, ist angesetzt auf vier Runden im flotten Rapid Chess-Modus (15 Minuten pro Partei und Match) und holt das gewissermaßen echte Schach aus Tausendundeiner Nacht zurück ins Heute. Bei diesem Leistungsvergleich gelten – das ist Ehrensache! – allein die Regeln, die einst schon für Aliyat aka Großmeister in der Goldenen Ära Bagdads verbindlich waren.
Prominente Schirmherrin des Events ist Ihre Exzellenz Frau Konsulin Sonia Ben Amor, Chefin der diplomatischen Vertretung Tunesiens in der Hansestadt. Gesponsert wird die Veranstaltung von der Deutsch-Tunesischen Gesellschaft (DTG); Gabriele Kamensky, die Hamburg-Beauftragte der DTG, supportet Wiederentdeckung und Pflege des Shatranj aus persönlicher Überzeugung.

Prominente Supporterin des Hamburger Shatranj-Revivals ist Tunesiens Konsulin Sonia Ben Amor (Bildmitte; hier auf dem Tunesientag 2018 mit Gabriele Kamensky von der Deutsch-Tunesischen Gesellschaft, li., und Autor René Gralla, re.).
Prominente Supporterin des Hamburger Shatranj-Revivals ist Tunesiens Konsulin Sonia Ben Amor (Bildmitte; hier auf dem Tunesientag 2018 mit Gabriele Kamensky von der Deutsch-Tunesischen Gesellschaft, li., und Autor René Gralla, re.).

Back to the roots: Das Lieblingsspiel vom Hof der Kalifen wird der Vergessenheit entrissen und entpuppt sich als quicklebendig. Das aktuelle Shatranj-Turnier am Sonnabend vor dem Ersten Advent 2019 ist schon die dritte Auflage, nach einer sensationellen Premiere 2016, und vor drei Jahren ebenfalls in den heiligen Hallen von Hammonias Alma Mater. A SECOND COMING – AGAINST ALL ODDS … und eng verbunden mit zwei lokalen Enthusiasten: Schachlehrer Jürgen Woscidlo und der Hamburger Journalist und Rechtsanwalt René Gralla.
Der Sinstorfer Jürgen Woscidlo kümmert sich um die Organisation des Kalif al-Ma’mun-Memorials. In der Rolle eines Beraters agiert der Autor René Gralla, der in einer Reihe von Publikationen dafür plädiert hat, dem Protoschach Shatranj wieder einen gebührenden Platz im Turnierbetrieb einzuräumen.
Eine Initiative, an deren Realismus man zweifeln mag, die mittlerweile aber sogar in der Scientific Community erste Wellen geschlagen hat. Denn der erfolgreiche Startschuss für Shatranj 2016 führte – manchen Zweiflern zum Trotz – tatsächlich zu einer ersten Wiederholung am 27. Oktober 2018 in Hamburgs Asien-Afrika-Institut, und prominente Gäste der Eröffnungsfeier waren keine Geringeren als Professorin Trisilpa Boonkhachorn, die an Bangkoks Chulalongkorn University lehrt, im Zweierteam mit dem Kollegen Professor Volker Grabowsky, Dekan des Fachbereichs Thaiistik an der Universität Hamburg.
Schließlich schlägt das Thema Strategisches Spiel eine faszinierende Brücke zwischen arabischem Kulturraum und Südostasien: In Thailand und Kambodscha äußerst populär sind die regionalen Schachvarianten Makruk respektive Ouk Chatrang, die wie in einem Zeitlabor ihrerseits den Kanon des Shatranj fast deckungsgleich – abgesehen von minderen Modifikationen – widerspiegeln und entsprechend auch im 21. Jahrhundert pflegen.
Folgerichtig hat Professor Grabowsky mehrere Makruk-Turniere als quasi interaktive historische Workshops in seinem Fachbereich angeregt und unterstützt. Und die thailändische Naresuan University in Phitsanulok, mit der Hamburgs Wissenschaftler kooperieren, richtet Meisterschaften im Siamschach aus: ein Projekt, das anlässlich des Besuchs einer Delegation aus dem Königreich des Lächelns auf den Weg gebracht worden ist (wobei last not least auch Shatranj-Aficionado René Gralla die Strippen zog).

Jahrhunderte altes Boardgaming begeistert auch die Kids von heute: junger Fan, der im Spielsaal des zweiten Hamburger Shatranj-Turniers 2018 das thailändische Gegenstück "Makruk" ausprobiert. Das in Südostasien äußerst populäre Siamschach weist deutliche Parallelen zum traditionellen arabischen Shatranj auf. Foto: Bernd-Jürgen Fischer.
Jahrhunderte altes Boardgaming begeistert auch die Kids von heute: junger Fan, der im Spielsaal des zweiten Hamburger Shatranj-Turniers 2018 das thailändische Gegenstück „Makruk“ ausprobiert. Das in Südostasien äußerst populäre Siamschach weist deutliche Parallelen zum traditionellen arabischen Shatranj auf. Foto: Bernd-Jürgen Fischer.

ANCIENT CHESS RULES! Und gerade auch Frauen mischen mit – auf den Spuren legendärer Meisterinnen des Shatranj.

Maurische Frauen beim Shatranj: Miniatur aus dem 1283 veröffentlichten „Libro de los juegos“, eine Spielesammlung, die dem kastilischen König Alfons X., genannt „El Sabio“ (übersetzt: „der Weise“), zugeschrieben wird.

Arabische Chronisten rühmten die brillanten Schwestern Safi’a, A’isha und ‚Ubaida, und nicht von ungefähr ist eine geheimnisvolle Mitstreiterin, die schöne Dilaram, verewigt worden in einer seit unzähligen Generationen diskutierten und analysierten Problemkomposition, deren geschmeidige Brutalität – das „Matt der Dilaram“ – bis in die Gegenwart nicht verblasst ist. Und die kleinen Schwestern der mythischen Heldin Dilaram frustrierten während der zweiten Hamburger Shatranj-Jamboree 2018 die Ambitionen vieler männlicher Kandidaten. In der Sonderwertung für weibliche Teilnehmerinnen platzierte sich am Ende die 17-jährige Mariam Khalifa vor ihrer fünf Jahre jüngeren Schwester Mona, was Vater Mohammed Khalifa stolz strahlen ließ. Der gebürtige Ägypter brachte 2003 die ersten Arabischen Kulturwochen auf den Weg und ist seitdem Mastermind der renommierten Veranstaltungsreihe.

Inspiriert von der legendären Meisterspielerin Dilaram: Mariam Khalifa (re.), beste weibliche Teilnehmerin beim zweiten Hamburger Shatranj-Turnier 2018 (hier im Match gegen den späteren Drittplatzierten Martin Wolff, li.). Foto: Bernd-Jürgen Fischer.
Inspiriert von der legendären Meisterspielerin Dilaram: Mariam Khalifa (re.), beste weibliche Teilnehmerin beim zweiten Hamburger Shatranj-Turnier 2018 (hier im Match gegen den späteren Drittplatzierten Martin Wolff, li.). Foto: Bernd-Jürgen Fischer.

Gegenüber dem Standardschach, das sich in den handelsüblichen Sammeleditionen findet, weist Shatranj einen unschlagbaren Vorteil auf: Es ist absolut anfängerfreundlich. Der Grund: Im Arsenal fehlen, wie schon erwähnt, sowohl die hyperdominanten Damen als auch hektische Läufer, die megaschnellen Roadrunnern nacheifern. In der Konsequenz können selbst Neueinsteiger ins Shatranj aus der Eröffnung heraus nicht überrumpelt werden, sondern haben die reale Chance, sich in das Spielszenario quasi reinzufummeln, eigene Pläne zu entwickeln und erfahrenen Kontrahenten auf Augenhöhe zu trotzen.

Glückwunsch für den besten  Newcomer beim 2. Hamburger Shatranj-Turnier 2018: Navid Nikzad (vorne re.); sein Sonderpreis war die Reproduktion des Rembrandt-Gemäldes "Mann in Rüstung" (links daneben Turniersieger René Gralla; hinten stehend: Turnierdirektor Jürgen Woscidlo). Foto: Bernd-Jürgen Fischer.
Glückwunsch für den besten Newcomer beim 2. Hamburger Shatranj-Turnier 2018: Navid Nikzad (vorne re.); sein Sonderpreis war die Reproduktion des Rembrandt-Gemäldes „Mann in Rüstung“ (links daneben Turniersieger René Gralla; hinten stehend: Turnierdirektor Jürgen Woscidlo). Foto: Bernd-Jürgen Fischer.

Als bester Newcomer des zweiten Hamburger Shatranj-Turniers 2018 wurde Navid Nikzad ausgezeichnet, der spontan den Tunesientag besucht hatte und begeistert ins Rennen ging, als er die aufgebauten Spielbretter mit den putzigen Shatranj-Elefanten sah. Sein Sonderpreis: ein gerahmter Nachdruck des 1655 entstandenen Rembrandt-Gemäldes „Mann in Rüstung“ aus dem Elmshorner Nachlass der 2017 verstorbenen Schachkulturförderin Ingrid Gralla.

War Liebhaberin und Kennerin der Schachkultur in allen Facetten: die Elmshornerin Ingrid Gralla (1930-2017), aufgenommen am 24.12.1997 während eines Aufenthalts in Rom (aus Ingrid Grallas Nachlass wurde der Sonderpeis für das 2. Hamburger Shatranj-Turnier 2018 gestiftet). Foto: René Gralla.
War Liebhaberin und Kennerin der Schachkultur in allen Facetten: die Elmshornerin Ingrid Gralla (1930-2017), aufgenommen am 24.12.1997 während eines Aufenthalts in Rom, hier im Ristorante „Quo Vadis“ an der Via Appia Antica (aus Ingrid Grallas Nachlass wurde der Sonderpeis für das 2. Hamburger Shatranj-Turnier 2018 gestiftet). Foto: René Gralla.

Die Jugendkonkurrenz 2018 gewann Leith Aroui; der zehnjährige Hamburger vertrat zugleich die Farben Tunesiens, aus dem ein Teil seiner Familie stammt. Und knapp den Titelgewinn verpasste Uwe Frischmuth: Mit hauchdünnem Vorsprung wiederholte Shatranj-Lobbyist René Gralla auch 2018 seinen Überraschungserfolg von 2016.
Und nun dürfen wir uns auf die dritte Runde des Shatranj-Revivals freuen – beim Kalif al-Ma’mun-Revival am letzten Tag des Novembers 2019 in Hamburg. Und da mit Musik alles besser läuft, lässt sich motivierender Begleitsound bei Youtube runterladen: „Amar Beirut“, komponiert – wen wundert’s?! – vom Barmstedter Jazzmusiker und Schachsportler Rainer Schnelle (Text und Produktion: Shantranj-Nerd René Gralla).

Die Hymne auf Beirut – eine atemberaubende kosmopolitische Metropole und legitime Nachfolgerin des einst prächtigen Bagdad der Kalifen, die Kultur und Shatranj förderten – wird gesungen von der libanesischen Supergruppe „The 4 Cats“, die bei ihren Konzerten regelmäßig die Massen zum Rasen bringen.

„The 4 Cats“ singen „Amar Beirut“, letzteres eine Gemeinschaftsarbeit des Jazzmusikers und Schachspielers Rainer Schnelle (Komposition) und des Shatranj-Promoters René Gralla (Text).

„Amar Beirut“, übersetzt: „Cool Moon of Beirut“: Nach dem dritten Hamburger Shatranj-Turnier 2019 wäre es eigentlich ziemlich cool, das Folgeturnier 2020 in Beirut auszurichten. Natürlich mit den unglaublichen „4 Cats“ als Opening Act.


Infos zum „Kalif Al-Ma’mun SHATRANJ-Memorial Hamburg 2019“ am 30.11.2019: Universität Hamburg, Edmund-Siemers-Allee 1 (nahe Bahnhof Dammtor), Asien-Afrika-Institut (AAI), Flügel Westraum, Raum 222; Beginn: 12:00 Uhr; 4 Runden Schweizer System (15 Minuten pro Partei und Partie); Anmeldungen vor Ort am Turniertag spätestens bis 11:45 Uhr; Anmeldungen vorab per Email an: jwoscidlo[at]msn.com

Und das sechste Pferd ging an: Chung Man Chan! Bericht vom Shôgi Kyu Cup Hamburg 2019

Er läuft und läuft … zum sechsten Mal nun schon wurde der Shôgi Kyu Cup am 9. November 2019 in Hamburg ausgespielt.
Ein Erfolgsgeheimnis dürfte die anregende Mischung aus vorwiegend lokalen Spielern und weiter Angereisten sein. Obgleich das Turnier sein Stammpublikum hat, tauchen beileibe nicht immer dieselben Teilnehmer auf. Trotzdem kamen wir auch dieses Jahr auf 14 Teilnehmer, davon im strengen Sinne 4 Jugendspieler. Die haben sich dieses Mal sogar ohne ihren angestammten Mentor, den Harburger Schachlehrer Jürgen Woscidlo, angemeldet, um ihre Spielkünste zu verbessern. Alle Achtung.
Was ist vom Gesamt-Turniergeschehen erwähnenswert?

René Gralla (li.) und Rolf Müller.
Rolf Müller (re.) und René Gralla.

Zum Einen die Anmeldung von Rolf Müller aus Lübeck. Hatte er doch in seinem Haus und Garten im Sommer 2019 ein eigenes Lübecker Turnier ins Leben gerufen, welches fabelhaft bei den Teilnehmern ankam. Rolf ließ sich von seinen – schon fast ‚konstant spärlich‘ zu nennenden Erfolgserlebnissen am Brett – nicht beirren und meldete sich wieder zum Shôgi Kyu Cup an! Selbst von einem Unfall, der die Autobahn stundenlang blockierte, ließ er sich nicht dauerhaft aufhalten, weshalb er zwei Runden verpasste. Ein wichtiger Zusatzgrund für diesen Einsatz wurde sogleich von ihm auf den Tisch gestellt – reichlich Kuchen für die Teilnehmer, welche sich nicht zweimal bitten ließen, … „Das Turnier“ belohnte ihn dafür auf seine Weise: er wurde nicht Letzter!
Wolfgang Reher, der sich nach seinem zweiten Platz beim Kyu Cup 2015 offensichtlich nach neuen Herausforderungen abseits des Shôgi-Bretts umschaut, flanierte wieder einmal als helfender Beobachter durch den Turniersaal.
Ingo Köhler, Vorjahressieger, wollte sich auf seinen Lorbeeren nicht ausruhen und suchte erneut die Herausforderung; die dieses Jahr härter ausfiel. Seinem Kyu Pferd zuhause war das sicherlich egal.

Ingo Köhler (re.) im Spiel vertieft gegen Uwe Frischmuth.
Ingo Köhler (re.) im Spiel vertieft gegen Uwe Frischmuth.

Besondere Freude musste Ingo Iwasaki empfunden haben. Hatte er letztes Jahr noch leicht geknickt den Spielsaal wegen seines persönlichen Turnierverlaufs verlassen– so lieferte er dieses Mal eine ihm entsprechende Leistung ab. Geht doch!

Ingo Iwasaki (re.) gegen Ian Meinköhn.
Ingo Iwasaki (re.) gegen Niels Meinköhn.

Die hohe Leistungsdichte zeigte sich dieses Jahr besonders deutlich. Neben den beiden ersten Turnierplätzen erreichten gleich 6 von 14 Teilnehmern 3 Punkte, welche sich auf die Plätze 3-8 verteilten. Anton Borysov, 14 Jahre alt, hatte bereits bei seinem Sieg gegen Yuki Nagahori eine besonders starke Duftmarke gesetzt, die er mit einem Sieg gegen Uwe Frischmuth noch verstärkte. Da ihm in sehr aussichtsreicher Stellung gegen René Gralla dann doch die Puste ausging, blieb ihm „nur“ der dritte Platz in der Abschlusswertung. Andernfalls hätte er um den Turniersieg mitgespielt. Trotzdem eine Riesenleistung, Anton!

Bester Hamburger Jugendspieler: Anton Borysov.
Bester Hamburger Jugendspieler: Anton Borysov.

Auch der viertplatzierte René Gralla schien mit seiner Leistung versöhnt, ist er doch Anton Borysov in letzter Sekunde trickreich von der Schippe gesprungen. Das Hamburger Urgestein Fabian Krahe landete als vorgewerteter 7ter auf dem 5ten Platz – welches für ihn zufriedenstellend sein dürfte.

Niels, Ian und Sven Meinköhn zusammen mit dem Turniersieger Chung Man Chan.
Niels, Ian und Sven Meinköhn zusammen mit dem Turniersieger Chung Man Chan.

Die hinteren Platzierungen sind allesamt mit einem zählbaren Punkt nach Hause gegangen. Darunter die drei Meinköhn-Brüder Niels, Ian und Sven, die sich weiterhin im Turniersaal blicken lassen.
Martin Wolff hatte mit 2 Punkten ein wohl durchwachsenes Ergebnis. Aber als Teilnehmer der gerade beendeten diesjährigen Janggi Weltmeisterschaft in China konnte er seine positiven Erinnerungen daran wohl beim Shôgi doch nicht ganz abschalten.

Martin Wolff (re.) gegen Niels Meinköhn.
Martin Wolff (re.) gegen Niels Meinköhn.

Unser Gründervater Masaomi Ishii hatte diesmal etwas mehr Erfolg als beim letztmaligen Alster Cup im April 2019, auf den wir an dieser Stelle aufmerksam machen wollen.

Masaomi Ishii (dritte v. re.)
Masaomi Ishii (dritte v. re.)

Das wichtigste zuletzt: auch seine Anmeldung als erster Spieler – unmittelbar nach der Siegerehrung zum Kyu Cup 2018 – hat in Chung Man Chan wohl die Kräfte freigesetzt, die es zu einem Turniersieg braucht. Er wollte es wissen. Formell an zweiter Stelle der Teilnehmerliste gesetzt, wollte er den missglückten Versuch im letzten Jahr ungeschehen machen. Der Turnierverlauf machte es Chung Man Chan auch diese Jahr nicht einfach – verlor er doch ausgerechnet gegen Yuki Nagahori – Neu-Hamburger und Sieger von Lübeck 2019.

Chung Man Chan (li.) gegen Yuki Nagahori in der vierten Runde.
Chung Man Chan (li.) gegen Yuki Nagahori in der vierten Runde.

Da Yuki seine Partie gegen das Hamburger Shôgitalent Anton Borysov in den Sand setze, ergab sich nach der 5ten und letzten Runde die Notwendigkeit zu einem Tiebreak – gemäß der Tradition des Shôgi Kyu Cups Hamburg. Bei Punktegleichheit werden die direkten Ergebnisse nicht gezählt – es wird in einem Tiebreak ausgeblitzt. Hier konnte sich Chung Man gegen Yuki durchsetzen. Herzlichen Glückwunsch!

René Gralla wies auf einen interessanten Umstand hin: seit Jahren werden unsere Shôgi Aktivitäten vom „chinesischen“ Konfuzius Institut massiv unterstützt; so auch diesmal. Shôgi erfreut sich auch in China seit Jahren wachsender Beliebtheit und Spielstärke. Insofern hatte der diesjährige Gewinner chinesischer Herkunft gegen einen Zweitplatzierten aus Japan so eine Art Heimvorteil, den dieser zu nutzen verstand …

Nach dem Ende dieses wieder in sehr freundschaftlicher Atmosphäre durchgeführten Turniers freuen wir uns schon auf den 18. April 2020: Dann findet das „Shôgi Open Hamburg“ statt. Der vormalige „Alster Cup“ wurde in „Shôgi Open Hamburg“ umbenannt, um klarer zum Ausdruck zu bringen, dass dieses Turnier offen für alle Teilnehmer ist – im Gegensatz zum „Shôgi Kyu Cup Hamburg“.

Uwe Frischmuth & René Gralla
Shôgi Hamburg

Die Teilnehmer des 6. Shôgi Kyu Cup.
Die Teilnehmer des 6. Shôgi Kyu Cup, und die Verantwortlichen des Konfuzius-Instituts (2. R. li.)

6. Shôgi Kyu Cup Hamburg 2019, 2019-11-09, Ergebnisse

Nr Name Nat Grade ELO 1 2 3 4 5 Pts +/-
1 Chan Chung Man HK 2 Kyu 1596 7+ 4+ 3+ 2- 5+ 4 6
2 Nagahori Yuki JAP 1720* 5+ 3- 6+ 1+ 4+ 4
3 Borysov Anton UKR 5 Kyu 1257 10+ 2+ 1- 4- 6+ 3 99
4 Gralla René DE 5 Kyu 1261 11+ 1- 9+ 3+ 2- 3 36
5 Krahe Fabian DE 6 Kyu 1257 2- 13+ 7+ 8+ 1- 3 37
6 Frischmuth Uwe DE 3 Kyu 1340 14+ 8+ 2- 10+ 3- 3 0
7 Iwasaki Ingo DE 7 Kyu 1181 1- 11+ 5- 13+ 9+ 3 16
8 Köhler Ingo DE 5 Kyu 1292 9+ 6- 13+ 5- 10+ 3 -7
9 Wolff Martin DE 9 Kyu 991 8- 14+ 4- 11+ 7- 2 31
10 Ishii Masaomi JAP 11 Kyu 762 3- 0+ 14+ 6- 8- 2 71
11 Meinköhn Niels DE 11 Kyu 860 4- 7- 12+ 9- 14+ 2 45
12 Müller Rolf DE 14 Kyu 538 0- 0- 11- 14- 13+ 1 24
13 Meinköhn Sven DE 1* 0+ 5- 8- 7- 12- 1
14 Meinköhn Ian DE 8 Kyu 1070 6- 9- 10- 12+ 11- 1 -52

Promoting Nagahori Yuki to 2 Kyu
Promoting Krahe Fabian to 5 Kyu
Promoting Iwasaki Ingo to 6 Kyu
Promoting Wolff Martin to 8 Kyu
Promoting Meinköhn Niels to 10 Kyu

Anton stürmt Europas Spitze

Ein Riesenerfolg für Norddeutschlands Supertalent Anton Borysov: Der 14-jährige Shooting Star, der bei Wettkämpfen für die Ukraine antritt, schloss die diesjährigen Jugendeuropameisterschaften vom 28. bis 30. Juni 2019 im polnischen Wroclaw in der U-15-Konkurrenz als Dritter ab und holte Bronze hinter dem Erstplatzierten Denis Titov (Russland) und dem Silbermedaillengewinner Michal Mordarski (Polen). Das dürfte den nächsten Sprung in der Ratingtabelle bedeuten! Go, Anton, go!

René Gralla

Schon ganz vorne unter Europas Rising Shogi-Stars: Anton Borysov (1. Reihe, 2. v. re.).
Schon ganz vorne unter Europas Rising Shogi-Stars: Anton Borysov (1. Reihe, 2. v. re.).

Shôgi in Müllers Garten: Zum Gedenken an den Wiederaufbau des professionellen Shôgi vor 150 Jahren in Japan – Das „Ôhashi Soyo Shôgi Memorial 2019“ in Lübeck

Von René Gralla

Zum Turnierergebnis unten

Bunte Fahnen vor blauem Sommerhimmel. Eine Holzkonstruktion, von der lange weiße Tücher als Sichtblenden und Schattenspender hängen, rahmt die Terrasse. Wo auf Tischen helle Bretter warten, über deren Planquadrate sich fünfeckige Plättchen verteilen, die markiert sind mit asiatischen Schriftzeichen.
Eine Szene wie aus einem Samuraifilm. Und tatsächlich wird hier in einem idyllischen Lübecker Garten fernöstliche Art of War vom Feinsten zelebriert. Und niemand würde sich wohl wundern, wenn Tokugawa Ieyasu himself gleich um die Ecke gebogen käme, um den ihm gebührenden Platz auf dem Feldherrnhügel einzunehmen. Schließlich hat der legendäre Shôgun, der die Nation nach langen Bürgerkriegswirren 1600 befriedete, gerne und häufig das Schach seiner Samurai gezockt.

Ôhashi Soyo Shôgi Memorial 2019 008
Eine gute Zeit mit Shôgi: Turniergastgeberin Ritsuko Müller (hinten re. stehend) mit Supporterin Mayumi Kamaguchi (hinten li. stehend); an den Brettern der spätere Turniersieger Yuki Nagahori (li. vorne sitzend), der Zweitplatzierte Fabian Krahe (re. vorne sitzend), der Drittplatzierte Uwe Frischmuth (hinten sitzend als zweiter von li.) und Hamburgs Shôgi-Urgestein Masaomi Ishii (hinten sitzend als zweiter von re.). Foto: Rolf Müller

Und deswegen ist es natürlich Ehrensache, dass die Mattkunst aus dem Reich des Tennô auch im traditionsbewussten deutsch-japanischen Haushalt der Müllers ihren festen Platz einnimmt. „Shôgi führt Ausländer spielerisch an Japans faszinierende Kultur heran“, schwärmt der 55-jährige Rolf Müller, im Hauptberuf ein diplomierter Maschinenbauingenieur. Folgerichtig veranstalteten Ritsuko Müller und Ehemann Rolf bereits Ende Februar 2016 im Katharineum einen ersten Shôgi-Wettkampf im einstigen Epizentrum des Kaufmannsbundes Hanse (und der damals neunjährige Filius Markus Müller schnappte sich locker den Cup in der Jugendkonkurrenz). Im Juli 2017 baten die Japanschach-Enthusiasten zu einem Workshop mit lecker Grillen in ihre Grüne Oase in Lübecks Quartier St. Jürgen. Und nun am 22. Juni 2019 der dritte Streich, dazu in einem nicht alltäglichen Format: ein Hausturnier bei Müllers an der Ratzeburger Allee.

Die stolzen Gastgeber des Ôhashi Soyo Shôgi Memorial 2019: Ritsuko und Rolf Müller
Die stolzen Gastgeber des Ôhashi Soyo Shôgi Memorial 2019: Ritsuko und Rolf Müller

Vor einem besonderen historischen Hintergrund: Japans organisiertes Shôgi trudelte 1869 in eine schwere Krise, als Kollateralschaden radikaler Reformen, mit denen Tokio damals Anschluss an die Moderne suchte. Der energische Meister Ôhashi Soyo, 7 Dan, wollte nicht tatenlos zugucken: Der improvisationsbegabte Mann startete vor genau 150 Jahren eine Serie von Matches in seinem privaten Anwesen, das sich auf diese Weise zur Geburtsstätte des neuformierten Shôgisports auf den Inseln unter dem Sonnenbanner mauserte.
Eine epochale Initiative, die gewürdigt worden war in einem Artikel, den das (längst eingestellte) englischsprachige Magazin „Shôgi“ im November 1984 veröffentlicht hatte.

Zum Artikel
John Fairbairn, The Sound of Silence, in: Shogi 52, Nov 1984, S. 13-14.

Besagte Publikation grub der Autor René Gralla per Zufall in einem Hamburger Antiquariat aus und leitete den Fund weiter an das Shôgiteam Müller. Und das wiederum hat jetzt die Aktivisten Ritsuko und Rolf zu einem stilgerechten eigenen Event inspiriert: ein würdiges „Ôhashi Soyo Shôgi Memorial 2019“ in intimer Atmosphäre an einem lauschig-warmen Samstagnachmittag, gut gelaunt und chillig und trotzdem rockend mit Herz und Schweiß, zur Freude der Schlachtenbummler aus Lübecks Nippon-affiner Community.

Ôhashi Soyo Shôgi Memorial 2019 010
Shôgi makes Friends! Gastgeberin Ritsuko Müller (re.) von der Ohashi-Soyo-Shôgi-Memorial-Orga mit Supporterin Mayumi Kamaguchi (2.v.re.), Schlachtenbummler Dietrich Bollmann (2.v.li.), Schiedsrichter Wolfgang Reher (4.v.li.) sowie den Turnierteilnehmern Masaomi Ishii (li.), Yuki Nagahori (3.v.li.), Fabian Krahe (4.v.li.) und Uwe Frischmuth (3.v.re.). Foto: Rolf Müller

„Im ersten Moment wirkt das Spielgeschehen etwas verwirrend“, meint der 53-jährige Informatiker Dietrich Bollmann, lässt sich alsbald jedoch vom Shôgivirus infizieren und fiebert mit bis zum Finale. Desgleichen die Dermatologin Mayumi Kamaguchi: „Super, dass auch Deutsche unser Shôgi lieben! Das hätte ich nicht erwartet.“ Die promovierte Wissenschaftlerin aus Sapporo forscht momentan an der Uni Lübeck.

Shôgi is fun! Turniersieger Yuki Nagahori (2.v.li.) mit Hamburgs unverwüstlichem Masaomi Ishii (3.v.li.) sowie Gastgeber Rolf Müller (re.), Zuschauer Dietrich Bollmann (2.v.re.) sowie Shôgi-Autor René Gralla (li.). Foto: Ritsuko Müller
Shôgi is Fun! Turniersieger Yuki Nagahori (2.v.li.) mit Hamburgs unverwüstlichem Masaomi Ishii (3.v.li.) sowie Gastgeber Rolf Müller (re.), Zuschauer Dietrich Bollmann (2.v.re.) sowie Shôgi-Autor René Gralla (li.). Foto: Ritsuko Müller

Sechs Kandidaten messen sich im Round Robin-Modus, als Schiedsrichter agiert der Segeberger Haudegen Wolfgang Reher, 4 Kyu, gewohnt kompromisslos und meinungsstark.

Nicht nur als Referee aktiv, sondern in den Pausen auch ein engagierter Shôgi-Lehrer: Schiedsrichter Wolfgang Reher (hinten re.) brieft die neuen Fans Mayumi Kamaguchi (vorne li.) und Dietrich Bollmann (vorne re.), Hausherrin Ritsuko Müller von der Turnier-Orga sekundiert (hinten li.). Foto: Rolf Müller
Nicht nur als Referee aktiv, sondern in den Pausen auch ein engagierter Shôgi-Lehrer: Schiedsrichter Wolfgang Reher (hinten re.) brieft die neuen Fans Mayumi Kamaguchi (vorne li.) und Dietrich Bollmann (vorne re.), Hausherrin Ritsuko Müller von der Turnier-Orga sekundiert (hinten li.). Foto: Rolf Müller

Überraschend entwickeln sich dagegen die Rundenkämpfe: Topfavorit Uwe Frischmuth, 3 Kyu, muss zwei herbe Klatschen einstecken, eine davon verabreicht von Shôgi-Hamburg-Webmaster Fabian Krahe, 6 Kyu, der in der Travemetropole ein sensationelles Comeback feiert.

Holt respektlos den Knüppel raus: Fabian Krahe (hinten li., teilweise verdeckt) feilt an einem gemeinen Plan, gegen den Uwe Frischmuth (hinten re.) kein Rezept finden wird; im Vordergrund das Duell der japanischen Expatriates Masaomi Ishii (li.) gegen Yuki Nagahori (re.). Foto: Ritsuko Müller
Holt respektlos den Knüppel raus: Fabian Krahe (hinten li., teilweise verdeckt) feilt an einem gemeinen Plan, gegen den Uwe Frischmuth (hinten re.) kein Rezept finden wird; im Vordergrund das Duell der japanischen Expatriates Masaomi Ishii (li.) gegen Yuki Nagahori (re.). Foto: Ritsuko Müller

Am Ende triumphiert freilich ein Native Player: der 30-jährige Yuki Nagahori, aufgewachsen in Chiba nahe Tokio und aktuell Sales-Planer bei einem Norderstedter Unternehmen.

Ôhashi Soyo Shôgi Memorial 2019 011
Der Gewinner des Ohashi Soyo-Shôgi-Memorial-Pokals Yuki Nagahori (re.) nach souveränem Durchmarsch mit Shôgi-Autor René Gralla (li.) bei der Siegerehrung. Foto: Rolf Müller

Die Ehre der Ausrichterstadt Lübeck wird tapfer verteidigt von Rolf Müller, der unverdrossen die Stellung hält auf dem sechsten Rang und sich als Lohn freuen darf auf die avisierte Beförderung zum 14. Kyu.

Das Erinnerungsfoto zum Abschluss des "Ohashi Soyo Shôgi-Memorial 2019": in der ersten Reihe Turniersieger Yuki Nagahori (Mitte), der Zweitplatzierte Fabian Krahe (re.) und der Drittplatzierte Uwe Frischmuth (li.); in der hinteren Reihe (von li. nach re.) Lübecks Vertreter und Gastgeber Rolf Müller (Rang 6 und Promotion zum 14. Kyu), Gastgeberin Ritsuko Müller, Shôgi-Autor René Gralla (4. Platz), Masaomi Ishii (5. Platz und Promotion zum 11. Kyu), Schiedsrichter Wolfgang Reher.
Das Erinnerungsfoto zum Abschluss des „Ôhashi Soyo Shôgi Memorial 2019“: in der ersten Reihe Turniersieger Yuki Nagahori (Mitte), der Zweitplatzierte Fabian Krahe (re.) und der Drittplatzierte Uwe Frischmuth (li.); in der hinteren Reihe (von li. nach re.) Lübecks Vertreter und Gastgeber Rolf Müller (Rang 6 und Promotion zum 14. Kyu), Gastgeberin Ritsuko Müller, Shôgi-Autor René Gralla (4. Platz), Masaomi Ishii (5. Platz und Promotion zum 11. Kyu), Schiedsrichter Wolfgang Reher.

Ein hoch verdienter Schritt nach vorn, der passend unterstrichen wird durch einen Special Award, den René Gralla bei der Siegerehrung an die gastgebenden Ritsuko und Rolf Müller überreicht: eine von Gralla in Studententagen angefertigte Farbstiftzeichnung, die er entdeckt hat im Nachlass seiner 2017 verstorbenen Mutter Ingrid Gralla, die stets eine begeisterte Förderin der Schachkultur war.

Schachkulturliebhaberin Ingrid Gralla (1930 - 2017; hier auf einem Bild, das im August 1991 aufgenommen wurde auf der Wanderdüne Rubjerg Knude nördlich von Lökken in Jütland, Dänemark), aus deren Nachlass zum Lübecker Shogi-Event 2019 der Special Award beigesteuert worden ist für Ritsuko und Rolf Müller, die das "Ohashi Soyo-Memorial"-Turnier perfekt organisiert haben. Reproduktion des Fotos: Wolfgang Geise
Schachkulturliebhaberin Ingrid Gralla (1930 – 2017; hier auf einem Bild, das im August 1991 aufgenommen wurde auf der Wanderdüne Rubjerg Knude nördlich von Lökken in Jütland, Dänemark), aus deren Nachlass zum Lübecker Shogi-Event 2019 der Special Award beigesteuert worden ist für Ritsuko und Rolf Müller, die das „Ôhashi Soyo Memorial“-Turnier perfekt organisiert haben. Reproduktion des Fotos: Wolfgang Geise

Das Motiv der Komposition – eine Hommage an die berühmten Steinfiguren von der Osterinsel, die auf dem pazifischen Eiland entschlossen in die Ferne schauen – bringt die ehrgeizigen Pläne von Ritsuko und Rolf Müller optisch auf den Punkt: Lübeck soll endlich fit gemacht werden für Shôgi. Dem unvergessenen Ôhashi Soyo (um 1835 – 1881) würde das gewiss gefallen …

Der Special Award für Ritsuko und Rolf Müller: eine von Shôgi-Autor René Gralla mit Farbstiften geschaffene Zeichnung aus den frühen 1970-er Jahren, die nicht ganz zufällig an die Osterinsel erinnert … . Foto: Rolf Müller
Der Special Award für Ritsuko und Rolf Müller: eine von Shôgi-Autor René Gralla mit Farbstiften geschaffene Zeichnung aus den frühen 1970-er Jahren, die nicht ganz zufällig an die Osterinsel erinnert … . Foto: Rolf Müller

… während es vom gestrengen Sensei garantiert Schelte gesetzt hätte für den Verfasser dieses Textes. Denn René Gralla war offenbar die Genugtuung darüber, das Ôhashi Soyo Shôgi Memorial 2019 mitverantwortlich auf den Weg gebracht zu haben, dermaßen zu Kopf gestiegen, dass er in Serie lächerlich patzte und Partien derbe versemmelte.

Da ahnt er noch nicht, dass er auch diese Partie in die Tonne treten wird: René Gralla (li.) rumpelt in seine dritte Pleite (gegen Uwe Frischmuth, re.). Foto: Rolf Müller
Da ahnt er noch nicht, dass er auch diese Partie in die Tonne treten wird: René Gralla (li.) rumpelt in seine dritte Pleite (gegen Uwe Frischmuth, re.). Foto: Rolf Müller

So dass sich inzwischen ernsthaft die Frage stellt, ob der Autor im schönen Shôgisport vielleicht doch schon sein Pulver verschossen hat.

Das persönliche Limit ausgereizt?! Womöglich hat sich die total erschlaffte Atmosphäre auf diesem Bild aus einer frühen Phase seiner Biographie, als Shôgi-Autor René Gralla dienstverpflichtet war zu einer intellektuell kaum fordernden, dafür aber handfesten Version der Martial Arts (ein Schnappschuss während des Grundwehrdienstes im Juli 1973 in der Liliencron-Kaserne Kellinghusen), viereinhalb Jahrzehnte später als nachgerade prophetisch herausgestellt: THE DUDE RULES … . Reproduktion des Fotos: Wolfgang Geise
Das persönliche Limit ausgereizt?! Womöglich hat sich die total erschlaffte Atmosphäre auf diesem Bild aus einer frühen Phase seiner Biographie, als Shôgi Autor René Gralla dienstverpflichtet war zu einer intellektuell kaum fordernden, dafür aber handfesten Version der Martial Arts (ein Schnappschuss während des Grundwehrdienstes im Juli 1973 in der Liliencron-Kaserne Kellinghusen), viereinhalb Jahrzehnte später als nachgerade prophetisch herausgestellt: THE DUDE RULES … . Reproduktion des Fotos: Wolfgang Geise


Ohashi Soyo-Shogi-Memorial 2019, Lübeck, Germany : 2019-06-22 Result

Nr Name Vorname Nat Grade ELO 1 2 3 4 5 Pts +/-
1 Nagahori Yuki JP NN 1698* 4+ 3+ 5+ 6+ 2+ 5 *
2 Krahe Fabian DE 6 Kyu 1178 6+ 4+ 3+ 5+ 1- 4 79
3 Frischmuth Uwe DE 3 Kyu 1443 5+ -1 -2 4+ 6+ 3 -17
4 Gralla René DE 5 Kyu 1274 -1 -2 6+ -3 5+ 2 -13
5 Ishii Masaomi JP 12 Kyu 731 -3 6+ -1 -2 4- 1 31
6 Müller Rolf DE 15 Kyu 515 -2 -5 -4 -1 3- 0 23

Promoting Ishii Masaomi to 11 Kyu
Promoting Müller Rolf to 14 Kyu