Kimura Yoshio 木村義雄 – Begründer der modernen Shôgiwelt

Von Fabian Krahe

Kimura Yoshio 木村義雄 (21.02.1905-17.11.1986) wurde 1920 im Alter von 14 Jahren professioneller Shôgispieler als die Shôgiwelt sich anschickte, sich für immer zu wandeln und die Form anzunehmen, in der sie uns heute begegnet. Auf dem Höhepunkt seiner spielerischen Fähigkeiten in den 30er und 40er Jahren war er der beste Shôgispieler seiner Zeit. Als erster erlangte den Meijintitel in einem Turnier und wurde der erste Meijin auf Lebenszeit ohne den Titel ererbt zu haben. Als Präsident des Shôgi Taiseikai 将棋大成会und des Nihon Shôgi Renmei 日本将棋連盟 begründete er die Shôgiwelt, wie wir sie heute kennen.

Kimura Yoshio 木村 義雄 (21.02.1905-17.11.1986) am 27. Januar 1921.

Kimuro war der Sohn eines gut situierten Handwerkers aus Tôkyô. Bereits von klein auf zeigte er ein Talent für Go und Shôgi und konnte es auch mit erfahreneren Spielern aufnehmen. Obgleich sein Vater sich für ihn eine Karriere als Rechtsanwalt oder Diplomat wünschte, erlaubte er ihm auf anraten eines Bekannten den Besuch eines Go-Dojos. Als er das Dojo besuchte, beleidigte er den Hausherren, weil er nicht mehr als zwei Bissen von dessen Gerstenreis essen konnte. Von seiner Familie her war er nämlich weißen Reis gewohnt, den sein Vater für seine Arbeit als Klebstoff benutzte. Sein Vater ärgerte sich so über die Unhöflichkeit seines Sohnes, dass er ihm verbat, am nächsten Tag wieder das Dojo aufzusuchen.

Ein Glück für die Shôgiwelt, denn fortan arbeitete Kimura daran, im Shôgi besser zu werden. 1917 stellte sein Lehrer Sekine Kinjirô 関根金次郎 (1868-1946) Graf Yanagisawa Yasutoshi 柳沢保恵 (1871-1936) den begabten Kimura vor. Yanagisawa war nicht nur Statistiker (er studierte sechs Jahre lang in Deutschland, Österreich und Belgien), Politiker und Geschäftsmann sondern auch ein begeisterter Shôgispieler. Mit seinem Einfluss und seinem Geld unterstützte er zahlreiche aufstrebende Shôgitalente, wie eben Kimura, oder auch Sakata Sankichi 坂田三吉. Wegen seines Engagements wurde er auch „Fürst des Shôgi“ 将棋の殿様 genannt.

Graf Yanagisawa Yasutoshi 柳沢保恵伯爵 (1871-1936), ca. 1931

Im Haus Yanagisawas lernte Kimura unter anderem bei Sakata Sankichi und Ono Gohei 12. Lifetime Meijin. Als Shodan nahm er auch an ersten Turnieren teil. Bereits 1918 verließ er das Haus Yanagisawas wieder, um zu seinen Eltern zurückzukehren. Er begann zu arbeiten und studierte nebenher weiterhin Shôgi, so dass er noch im selben Jahre den zweiten Dan erlangte, 1919 den dritten und 1920, mit 14 Jahren als 4-Dan Profispieler wurde. Im selben Jahr konnte er sich in einem von der Kokuminshinbun 國民新聞 ausgerichteten Wettkampf gegen Kaneko Kingorô 金子金五郎 (1902-1990), ein Schüler Doi Ichitarôs und Iizuka Kan’ichirô 飯塚勘一郎 (1895-1966), ein Schüler Ôsaki Kumaos 大崎熊雄 (1884-1939).

1921 starb Ono Gohei und Kimuras Lehrer Sekine erbte diesen Titel, während Kimura zum 5-Dan aufstieg. Drei Jahre später erfolgte Kimuras Beförderung zum 6-Dan. In diesem Jahr wurde er auch Auftragsautor für die Hôchishinbun 報知新聞, für die er bis 1942 regelmäßig über Shôgi berichtete. In diesem Jahr kam es auch zur Gründung des Tôkyô Shôgi Renmei 東京将棋連盟, die zu einer Spaltung der Shôgiwelt zwischen Kantô und Kansai führte.

Ein Jahr später gelang ihm nicht nur die Beförderung zum 7-Dan, sondern er qualifizierte sich nach den neuen Regeln des Tôkyô Shôgi Renmei auch zur Beförderung zum 8-Dan, welche er jedoch ablehnte. 1925 wurde auch erstmals ein Spiel von ihm mit Hanada Chôtarô 花田長太郎 (1897-1948) im Radio übertragen. Im März des folgenden Jahres qualifizierte er sich erneut zum 8-Dan und nahm die Beförderung endlich an.

Die Beförderung zum 8-Dan mit 22 Jahren war damals eine beispiellose Leistung. Darüber hinaus gelang es Kimura auch noch sämtliche andere 8-Dan Spieler im selben Jahr nach dem damaligen traditionellen Handicap-System 手合い zu schlagen. Kimura hat sich nach eigener Aussage sehr darüber geärgert, dass dieses System kurz darauf abgeschafft wurde.

1931 gewann er in einem Wettkampf aus fünf Spielen vier Partien gegen Doi Ichitarô. Zwei Jahre später konnte einen Wettkampf aus zehn Spielen mit vier gewonnenen Partien in Folge gegen Kaneko Kingorô für sich entscheiden. Der letzte traditionelle Meijin Sekine Kinjirô trat 1935 von seinem Titel zurück und fortan sollte in einem Turniersystem um den Titel des Meijin gespielt werden.

Meijinrücktrittszeremonie 将棋名人退就位式 im Februar 1938. L.n.r Sekine Kinjirô 関根金次郎 , Kimura Yoshio木村義雄 und Kosuge Kenosuke 小菅剣之助.

Das Turnier verzögerte sich jedoch durch einen Streit um die Beförderung von Kanda Tatsunosuke 田辰之助 (1893-1943), bekannt als Kanda-Vorfall 神田事件, der zu einer erneuten, allerdings nur kurzfristigen Spaltung der Shôgiwelt zwischen Kansai und Kantô führte.

Kanda Tatsunosuke 田辰之助 (1893-1943), ca. 1939

Die Spaltung nach dem Kanda-Vorfall konnte 1937 mit der Gründung des Shôgi Taiseikai 将棋大成会 überwunden werden. Kanda wurde zum 8-Dan befördert und übernahm die Leitung des Kansaier Zweigs der neuen Shôgiorganisation. Nur Sakata Sankichi aus Kansai verzichtete zunächst auf einen Beitritt zu der neuen Organisation. Erst nach längerer Überzeugungsarbeit konnte dieser Umstand überwunden werden. Zu Ehren der Rückkehr des Volkshelden aus Sakai, organisierte die Yomiuri Shinbun zwei Spiele Sakatas gegen die zwei damals stärksten 8-Dan Spieler Kimura Yoshio und Hanada Chôtarô, die als Entscheidungsspiel im Nanzenji und Entscheidungsspiel im Tenriuji in die Shôgigeschichte eingehen sollten. Kimura konnte Sakata in dem 30-Stunden Spiel klar besiegen.

Im selben Jahr wurde zum allerersten Mal in der Geschichte des Shôgi ein Turnier um den Titel des Meijin gespielt. Kimura konnte dieses Turnier mit 13 Siegen zu zwei Niederlagen gewinnen. Die Bilanz wurde etwas getrübt, das Hanada Chôtarô, den er nach einem Sennichite besiegt hatte, die gleiche Bilanz an Siegen und Niederlagen vorweisen konnte. Zum Gedenken an die Tsumesammlungen, die der traditionelle Meijin in der Edo-Zeit (1600-1868) dem Shôgun überreicht hatte, veröffentlichte er selbst auch ein Tsume, als er am 11. Februar 1938 zum Meijin geweiht wurde. Im gleichen Jahr wurde er auch der Vorsitzende des Shôgi Taiseikai.

Kimura selbst war sehr Stolz auf seine Leistung. Von anderen wurde ehrfurchtsvoll auch Jôshôshôgun 常勝将軍 „immer siegreicher General“ genannt. Sein Motto lautete „überwinde alle Hindernisse für ein siegreiches Shôgi “ 「勝ち将棋を勝て」.

1940 konnte er seinen Meijintitel gegen Doi Ichitarô mit vier Siegen zu einer Niederlage verteidigen. Und zwei Jahre später gegen Kanda Tatsunosuke mit vier Siegen in Folge. Im vierten Meijinturnier 1943 bis 1944 besiegte er alle 8-Dan Spieler in einer Reihe von Vorrundenkämpfen und konnte so seinen Titel erneut verteidigen.

Kimura war stets sehr besorgt über die Spaltungen der Shôgiwelt gewesen und begann kurz nach dem Krieg die Shôgiwelt zu reformieren. Als eine wichtige Ursache sah er die traditionell starke Bindung zwischen Lehrer und Schüler an, die der Bindung zwischen Eltern und Kind ähnelte 師弟関係 / 親子関係 und auf dem neo-konfuzianischen Denken der Edo-Zeit beruhte. Um dem entgegen zu wirken, gründete er die Shinshinkishishôreikai 新進棋士奨励会, in der noch heute Nachwuchsspieler als potentielle Profispieler ausgebildet werden. Im November 1945 schlug er weiterhin der Generalversammlung der Shôgispieler des Shôgi Taiseikai vor, die Dan-Ränge abzuschaffen und moderne Ranglistenturnier einzuführen. Obwohl beides zunächst angenommen wurde, wurde die Abschaffung der Dan-Ränge schnell wieder zurückgenommen und nur die Rangslistenturniere eingeführt. Damit wurde das noch heute benutzte System von Ligen und Dan-Rängen begründet.

Nach dem Krieg studierten die aufstrebenden Profispieler den fast attack reclining silver 急戦腰掛け銀定跡 um Kimura vom Thron zu stoßen. Und tatsächlich verlor Kimura 1947 seinen Meijintitel an Tsukada Masao 塚田正夫 (1914-1977). Kimura entwickelte daraufhin das nach ihm benannte Kimura-Jôseki.

Kimuras Jôseki in der Idealform. Eine kommentierte Version mit Branch-Moves findet sich auf Yet Another Shôgi Site. Das Jôseki hat auch einen englischen Wikipediaeintrag. Außerdem bespricht Tony Hosking es in seinem Buch „The Art von Shogi“ unter „Bishop Exchange Section 1. Reclining Silvers – Kimura’s Joseki“, S. 126-129.

Tsukada Masao 塚田正夫 (1914-1977), 1952

Da der junge Tsukada, der 1947 den Meijintitel von Kimura erspielte, den repräsentativen Anforderungen noch nicht zur Gänze gewachsen war, erhielt Kimura den Titel des Zenmeijin 前名人 (Ex-Meijin), und konnte so seine sozialen Aktivitäten in der Shôgiwelt fortsetzen. Jedoch war diese Zeit für Kimura, der durch diese Situation mit Geldproblemen zu kämpfen hatte, ziemlich schwierig. Im selben Jahr wurde der Shôgi Taiseikai in Nihon Shôgi Renmei 日本将棋連盟 umbenannt und Kimura blieb dessen Präsident.

Während er 1948 keine gute Leistung im Meijin-Turnier zeigte, gewann er 1949 die Spiele der A-Klasse-Liga und stand Tsukada als Herausforderer um den 8. Meijintitel gegenüber. Mit drei Siegen zu zwei Niederlagen konnte er seinen Meijintitel zurückerlangen und seine Spielstärke unter Beweis stellen. 1950 verteidigte er diesen Titel gegen Ôyama Yasuharu 大山康晴 (1923-1992) und 1951 gegen Masuda Kôzô 升田幸三 (1918-1991). Noch Ende desselben Jahres verlor er gegen Masuda mit vier Niederlagen zu einem Sieg das erste Ôsho-Turnier.

Masuda Kôzô 升田幸三 (1918-1991), 1952

Ein Jahr später musste er seinen Meijintitel erneut gegen Ôyama verteidigen. Diesmal ging Kimura alle Brillianz auf dem Brett ab und er konnte bei vier Niederlagen lediglich einen Sieg erringen. Ôyama soll sich am Ende des Titelkampfes tief vor Kimura verbeugt haben.

Ôyama Yasuharu 大山康晴 (1923-1992), 15. Meijin auf Lebenszeit nachdem er seinen ersten Meijintitel 1952 gegen Kimura Yoshio gewann.

Kifu der Partie Ôyama Yasuharu gegen Kimura Yoshio am 14. und 15. Juli 1952. In der 将棋DB2 gibt es eine ganze Reihe von Kifu von Kimura Yoshio.

Das Brett nachdem Ôyama Kimura am 15. Juli 1952 besiegte.

Etwa einen Monat später, am 14. August, verkündete er im Alter von 47 Jahren bei einem Turnier in Tôkyô, auf dem eine Gedenkfeier für verstorbene Shôgispieler abgehalten wurde, seinen Rücktritt. Auch nach seinem Rücktritt nahm er an weiteren Turnieren teil und spielte auch weitere Partien gegen Ôyama und Tsukada.

Nach seinem Rücktritt zog er in die Stadt Chigasaki in der Präfektur Kanagawa. Als erster Shôgispieler erhielt er vom japanischen Staat den Verdienstorden am purpurnen Band 紫綬褒章 und Order of the Rising Sun, Gold Rays with Neck Ribbon 勲三等旭日中綬章.

Kimura Yoshio war nicht nur der stärkste Spieler seiner Zeit, durch sein großes Engagement und sein Charisma hat er die moderne Shôgiwelt nachhaltig geprägt. Ohne ihn würde es den Nihon Shôgi Renmei und die heutige Organisation der Shôgiwelt so nicht geben. Denn er führte die Shôreikai und das Ligasystem ein. Kimura verstarb am 17. November 1986, jenem Tag im Jahr an dem traditionell die Edo-Castle-Spiele vor dem Shôgun gespielt wurden und der noch heute der Tag des Shôgi, der Shôgi-no-hi 将棋の日 ist.

Kimura Yoshio 木村義雄 1949 direkt nachdem er seinen Meijintitel von Tsukada Masao 塚田正夫 zurückeroberte.

Entscheidungsspiel im Nanzenji

Von Fabian Krahe

Zu seinem 150ten Geburtstag habe ich Sakata Sankichi 坂田三吉 (01.07.1870-23.07.1946) bereits mit einem Überblick über sein Leben gewürdigt. Nun möchte ich seine wohl bekannteste Partie vorstellen: Das Entscheidungsspiel im Nanzenji 南禅寺の決戦.

Nanzenji 南禅寺 in Kyoto via wikimedia.

1924 wurde der Tôkyô Shôgi Renmei 東京将棋連盟 gegründet und es kam zu einer organisatorischen Spaltung der Shôgiwelt. Sakata rief sich als Reaktion darauf 1925 selbst zum Meijin aus. Er wurde vom Tôkyô Shôgi Renmei ausgeschlossen und war in der Shôgiwelt weitgehend isoliert. Die Spaltung der Shôgiwelt konnte am 29. Juni 1936 mit der Gründung des Shôgi Taiseikai 将棋大成会, dem direkten Vorläufer des heutigen Nihon Shôgi Renmei, überwunden werden. Mit dem neu gegründeten Shôgi Taiseikai konnte Sakata einen Vergleich schließen, der ihm die Rückkehr in den Verband erlaubte.

Um diese Rückkehr Sakatas gebührend zu würdigen, organisierte die Yomiuri Shinbun ein besonderes Spiel. Sekine Kinjirô 関根金次郎 (23.04.1868-12.03.1946), der 13. Meijin auf Lebenszeit hatte zu diesem Zeitpunkt bereits seinen Rücktritt von diesem Titel angekündigt, was die endgültige Abkehr vom System des ererbten Meijintitels und den Aufbruch in die moderne Organisation des Shôgi markiert. Da fortan um den Meijintitel in einem Turniersystem gespielt werden sollte, entschied man sich, dass die beiden aussichtsreichsten Kandidaten gegen Sakata antreten sollten. Das waren Hanada Chôtarô 花田長太郎 (1897-1948) und Kimura Yoshio 木村義雄 (1905-1986).

Zuerst sollte Sakata im Nanzenji 南禅寺 (ji 寺 = Tempel) in Kyoto gegen Kimura antreten. Die Partie begann am 5. Februar 1937 und war auf sieben Tage bei 30 Stunden Bedenkzeit angesetzt. Das ist eine sehr lange Bedenkzeit. Heute werden die meisten Partien an ein oder zwei Tagen gespielt. Es wurde erwartet, dass Sakata Kimura einen harten Kampf liefern würde.

Die Partie erregte ohnehin schon viel Aufmerksamkeit, aber mit Sakatas erstem Zug wurde es zum Spektakel.

Sakata mit Weiß spielte auf ☗76 ☖94. Das ist als „Sakatas Vorstoß mit Bauern am Rand“ 「坂田の端歩突き」bekannt. In der damaligen Shôgiwelt wurde dieser Zug allgemein als schlecht angesehen und kam einem Zugverlust gleich. Aber in diesem Fall galt er als Ausdruck des rebellischen Geistes von Sakata gegenüber Tokyo und besonders die Kansaier Shôgispieler waren begeistert.

Auch sein Gegner Kimura Yoshio, der ein gradliniges Shôgi bevorzugte und unorthodoxe Züge und Tricks für unter seiner Würde hielt, schrieb später er sei „beeindruckt von diesem Zug“ gewesen, sich gleichzeitig aber auch über den Fehler freute. Tatsächlich konnte Kimura nach 95 Zügen einen recht eindeutigen Sieg über Sakata für sich verbuchen. Kaum verwunderlich, hatte der 66-jährige Sakata den Zenit seines Könnens bereits zwanzig Jahre zuvor überschritten, während der 32-jährige Kimura zum Zeitpunkt der Partie der stärkste Shôgispieler war und seinen Zenit gerade erreichte. Dass jedoch gerade Kimura gegen Sakata zu dessen Rückkehr antrat, zeigt auch den Prestige, den Sakata noch in der Shôgiwelt genoss.

Sakata Sankichis Enkel Naitô Kunio 内藤國雄, 9-Dan (*15.11.1939-) via wikimedia.

Ob der Entscheidungskampf im Nanzenji wirklich die größte Partie in der damals 370-jährigen Geschichte des Shôgi war, wie Sakatas Enkel Naitô Kunio 内藤國雄, 9-Dan (*15.11.1939-) 1979 in seinem Buch Sakata Sankichi Meikichi Meikyushu 阪田三吉名局集 schrieb, sei einmal dahingestellt. Fest steht, dass die Partie damals ein sehr großes Medienecho hervorrief und zu den bekanntesten Shôgipartien überhaupt zählt.

Hanada Chôtarô 花田長太郎 (1897-1948)

Im März 1937 spielt Sakata dann gegen Hanada Chôtarô im Tenryuji. Diese Partie ist als „Entscheidungsspiel im Tenryuji“ 天龍寺の決戦 bekannt und Sakata verlor sie nach 169 Zügen.

Partie: Ingo Iwasaki vs. Fabian Krahe am 09. November 2019 auf dem 6. Shôgi Kyu Cup Hamburg

先手 (Schwarz): Ingo Iwasaki (7k)
後手 (Weiß): Fabian Krahe (6k)
Datum: 2019-11-09
Ergebnis: 0-1
Anzahl Züge: 76

Die Partie habe ich in der dritten Runde des 6. Shôgi Kyu Cup Hamburg gegen Ingo Iwasaki gespielt. Nachdem ich letztes Mal nicht teilnehmen konnte und Ingo zum zweiten Mal beim Kyu Cup mitgespielt hat, war dies unsere erste Partie.

Ingo hat zunächst defensiv gespielt und begonnen ein Yagura zu bauen, während ich mit einem Ibisha in Kombination mit einem Funagakoi recht eher offensiv gespielt habe. Mit (a) ☖5三銀☗5八飛 haben wir nach zwanzig Zügen recht einvernehmlich entschieden, dass wir um die Mitte kämpfen werden. (b) Hier wäre ☖6六歩 ☗6二銀成☖6七歩成☗5二成銀☖7八と☗同玉 wohl besser gewesen. (c) Der Zug war nicht gut. Hier steht Weiß auf gewinn. Schwarz hätte besser mit dem Bauern ☗5三歩成 angegriffen. Entweder schlägt Weiß mit dem Turm und es komm zum Abtausch mit ☖同飛☗同飛成☖同金 oder Weiß schlägt mit dem Gold ☖同金 und danach folgt ☗5四銀. (d) Dieser Zug war vlt. nicht der Bestmöglichste. Die Idee war offensichtlich eine Gabel, die den König und den Gold bedroht. Gleichzeitig sollte der Turm als Anker dienen um weiter Druck auf den König aufrecht zu erhalten. Der angebotene Turmtausch mit ☗6六飛 entweder für den Läufer oder halt den Turm war nicht gut. Ein Bauer ☗6六歩 wäre besser gewesen, um den Angriff zu blockieren und nach ☖4五飛☗5六銀 hätte Schwarz den weißen Turm erobert.

☗7六歩☖8四歩☗6八銀☖8五歩☗7七銀☖3四歩☗7八金☖4二玉☗6六歩☖3二玉☗2六歩☖5二金右☗5八金☖6二銀☗5六歩☖3三角☗6七金右☖5四歩☗7九角(a)☖5三銀☗5八飛
☖4四銀☗4八銀☖7四歩☗6九玉☖4二銀☗1六歩☖5三銀上☗4六角☖5五歩☗同歩☖6四銀☗5四歩☖5五銀右

☗6八角☖6四歩☗7九玉☖7三桂☗5七銀☖6五歩☗4六銀☖6二飛☗5五銀☖同銀☗5三銀 (b)

☖6三飛☗5二銀成☖同金☗4五金☖6六銀☗同金☖同歩☗5六銀 (c)

☖6七銀☗5七飛☖7八銀成☗同玉☖6七銀☗同銀☖同歩成☗同飛☖同飛成☗同玉☖6五飛 (d)

☗6六飛☖同角☗同銀☖4五飛☗4六歩☖5五歩☗4五歩☖5六銀☗7八玉☖6七金☗7九玉☖7八金打まで76手で後手の勝ち

Zum Nachspielen der Partie am Computer, stelle ich hier die Partie als kif-Datei zur Verfügung.

Alle Grafiken habe ich mit BCM Shogi von Bernard C. März erstellt. Die Analyse habe ich mit ShogiGUI und der GPSfish 検討用 Engine vorgenommen.

In eigener Sache: Shôgi Hamburg hat nun einen YouTube-Kanal

Liebe Shôgi-Enthusiasten,

ich habe heute einen YouTube-Kanal eingerichtet. Ich hoffe, dort auch in Zukunft Videos von Shôgi-Partien, -Turnieren und Veranstaltungen, sowie von Veranstaltungen anderer Schachvarianten in Hamburg zu veröffentlichen.

Das erste Video ist eine Aufnahme vom Blitz um Platz 1 beim gestrigen 6. Shôgi Kyu Cup Hamburg:

6. Shôgi Kyu Cup Hamburg, 9. November 2019
Blitzpartie um Platz 1
Schwarz: Yuki Nagahori (-/1698 Elo*) vs.
Weiß: Chung Man Chan (2 Kyu/1596 Elo)
Ergebnis: 0-1

Die kif-Datei zum Download und nachspielen der Partie.

*vorläufige Elo-Zahl

Fabian Krahe

Partie: Yuki Nagahori vs. Fabian Krahe am 22. Juni 2019 auf dem Ôhashi Shôgi Memorial 2019

先手 (Schwarz): Yuki Nagahori (N.N.)
後手 (Weiß): Fabian Krahe (6k)
Datum: 2019-06-22
Ergebnis: 1-0
Anzahl Züge: 93

Dieses Spiel war de facto das Finale unseres Round-Robin Turniers in Lübeck im Juni. Yuki und ich hatten bereits jeweils vier Siege errungen, bevor wir in der fünften Runde des Turniers aufeinander trafen. Für Yuki war es das erste Shôgi-Turnier hier in Deutschland und er hatte mit seinen Siegen über René und Uwe bereits gut vorgelegt. Der Sieger dieses Spiel würde also den ersten Platz erringen.

☗歩7f ☖歩3d ☗歩6f ☖歩8d ☗飛6h ☖歩8e ☗角7g. Gegen den ranging rook von Schwarz spiele ich mit weiß einen static rook.

2019-06-22 Krahe - Nagahori 0-1 neu_0007

Wir beginnen beide zu castlen mit ☖王4b ☗玉4h ☖金5b↖ ☗玉3h ☖王3b ☗歩1f ☖歩1d ☗玉2h ☖歩5d ☗銀7h ☖銀4b ☗銀3h ☖銀6b ☗金5h↗ Yuki baut ein Mino castle gegen das ich zunächst ein Boat castle baue.

2019-06-22 Krahe - Nagahori 0-1 neu_0021

und mit ☖銀5c↗ starte ich meine Rapid Attack. Mit ☗歩6e öffnet Yuki die Läuferdiagonale. Mit ☖歩7d ignoriere ich das Angebot zum Läufertausch und Yuki stärkt mit ☗歩4f den Schwachpunkt seines Mino castles. Mit ☖歩4d schließe ich die Läuferdiagonale wieder, vor allem um ihm den Vanguard Pawn ☗歩4e zu verwehren. So erwidert Yuki mit ☗歩3f und beginnt sein castle in ein High Mino castle umzubauen, während ich ebenso mein castle weiter stärke mit ☖金4c ☗桂3g ☖桂3c ☗銀6g ☖銀7c ☗金4g

2019-06-22 Krahe - Nagahori 0-1 neu_0033

Mit ☖角3a versuche ich meinen Läufer zur Unterstützung meines Angriffs wieder ins Spiel zu bringen, während Yuki mit ☗飛7h ebenfalls seinen Angriff vorbereitet. ☖歩6d ☗歩6d ☖銀6d↗. Mit ☗歩4e macht Yuki einen für mich unerwarteten Angriff, den ich mit ☖銀5e abzuwehren versuche.

2019-06-22 Krahe - Nagahori 0-1 neu_0040

Der Zug war schlecht, schließlich hätte Yuki einfach mit ☗歩5f meinen Silber angreifen können, gedeckt durch den Gold auf 4g, hätte ich mich mit meinem Silber zurückziehen müssen. Doch Yuki entscheidet sich mit ☗歩4d anzugreifen. Mit ☖銀4d nehme ich den Bauern und nach ☗銀5f gehe ich mit ☖銀5c wieder in Deckung.

2019-06-22 Krahe - Nagahori 0-1 neu_0044

Mit ☗飛6h beginnt Yuki seine schweren Geschütze aufzufahren. ☖歩6d ☗桂4e lässt mich unachtsamerweise dazu verleiten mit ☖桂4e meine Läuferdiagonale zu öffnen, was ich auch gleich bitter zu bezahlen habe mit ☗馬1a. Ich biete meinen Läufer zum tausch ☖角2b ☗馬2b und nehme mit meinem König ☖王2b.

2019-06-22 Krahe - Nagahori 0-1 neu_0052

Die Stellung ist ohne Frage hervorragend für Yuki. Mit ☗銀4e staubt er auch noch gleich meinen Springer mit ab. ☖角5e ist hier richtig, bedroht er doch den schwarzen König und die schwarze Lanze auf 9h während er gleichzeitig meinem König weitere Deckung gibt. Doch beginnt Yuki langsam, seinen Vorsprung wieder aus der Hand zu geben. Statt Yukis ☗香4f wäre ☗桂4f besser gewesen, um einen Angriff mit ☗銀3d zu unterstützen. Mit ☗香4f zielt er zwar auf meine beiden Gold, aber ich blocke des Angriff relativ einfach mit ☖歩4d ab. Auch sein Angriff ☗歩5f auf meinen Läufer ist nicht von großem Erfolg gekrönt, da ich einfach mit ☖馬9i die Lanze nehme und weiterhin meinen Bauern auf 4d decke.

2019-06-22 Krahe - Nagahori 0-1 neu_0058

Yukis Tauschgebot ☗角7g ☖馬7g ☗桂7g akzeptiere ich und versuche meinen König mit ☖金3b wieder etwas besser zu schützen. Yuki testet mit ☗歩6e ☖飛6b meine Konzentrationsreserven und versucht es dann über die Flanke mit ☗歩1e ☖歩1e ☗歩1d.

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Da Yuki nur noch einen Springer und einen Läufer zum einsetzen hat, nehme ich mir erstmal mit ☖歩4e seinen Silber, ohne weiter gegen den Flankenangriff zu verteidigen. Mit ☗角6f greift Yuki wieder meinen König an. Hier wäre wohl ☗角1c besser gewesen, auch wegen der Möglichkeit später auf 4f den Läufer zu befördern. Ich blocke nun mit ☖歩5e ☗香4e ☖歩4d ☗角5e ☖金5d und Yuki opfert seinen Läufer ☗角4d ☖銀4d.

2019-06-22 Krahe - Nagahori 0-1 neu_0076

Yuki nimmt mit ☗香4d und ich blocke mit ☖香4c, da ich keinen Bauern mehr auf der Hand habe und verhindern möchte, dass Yuki in mein Lager eindringt. An dieser Stelle wäre ein Angriff z.B. mit ☖桂1f nicht fehl am Platz gewesen, aber mein castle erschien mir einfach zu schwach, um dieses Risiko tatsächlich schon einzugehen. Yuki greift mit ☗歩5e an und ich bin mit ☖金4d zu gierig, sodass die Gabel ☗銀5c geradezu unvermeidlich kommt.

2019-06-22 Krahe - Nagahori 0-1 neu_0081

Ich entscheide, dass meine Stellung so gut ist, dass ich meinen Turm geben kann mit ☖金5e ☗全6b ☖銀6b. Yuki opfert mit ☗歩4d einen Bauern, damit durch ☖香4d meine Lanze nicht länger mit meinem Gold verbunden ist. Und es folgt der Drop ☗飛4a, der auf meine Lanze zielt und den Fluchtweg meines Königs abschneidet. Ich decke meine Lanze mit ☖銀5c und Yuki bereitet mit ☗桂2e eine Wiederaufnahme seines Flankenangriffs vor. Die Mattdrohung – ich bin zu dem Zeitpunkt schon längst im 30 Sekunden Byoyomi – übersehen ich leider vollkommen. Daher greife ich endlich mit ☖桂1f an, statt mit ☖金4b→ oder ☖金3a* zu verteidigen. Es folgt ☗香1f und ich übersehe mit ☖歩1f immer noch das Matt ☗と1c ☖Tsumi

2019-06-22 Krahe - Nagahori 0-1 neu_0094

Fazit: Wir haben beide eher defensiv und langsam gespielt, wahrscheinlich weil es die letzte Runde war, und wir beide schon einen Gutteil unserer Kräfte in vorherigen Spielen verbraucht hatten. Während das Spiel die ersten 30 bis 40 Züge annähernd ausgeglichen war, konnte sich Yuki dann einen starken Vorteil herauspielen. Diesen konnte er auch relativ gut über die nächsten 20 Züge halten, bis er diesen durch einige zweifelhafte Züge wieder abgab. Zu diesem Zeitpunkt gelang es mir sogar das Spiel zu meinem Vorteil zu drehen, jedoch war ich zu übervorsichtig, meinen leichten Stellungs- und Materialvorteil auch für einen Angriff auszunutzen. So konnte sich Yuki wieder ins Spiel bringen. Als ich mich endlich zum Angriff entschied, hatte ich bereits meine Zeit- und Kraftreserven erschöpft, sodass ich völlig blind das Matt ☗と1c übersah.

Zum Nachspielen der Partie am Computer, stelle ich hier die Partie als usf-Datei und als kif-Datei zur Verfügung.

Alle Grafiken habe ich mit BCM Shogi von Bernard C. März erstellt. Die Analyse habe ich mit ShogiGUI und der GPSfish 検討用 Engine vorgenommen.

Partie: Uwe Frischmuth vs. Fabian Krahe am 22. Juni 2019 auf dem Ôhashi Shôgi Memorial 2019

Von Fabian Krahe

先手 (Schwarz): Uwe Frischmuth (3k)
後手 (Weiß): Fabian Krahe (6k)
Datum: 2019-06-22
Ergebnis: 0-1
Anzahl Züge: 64

Das zweite Spiel, welches ich gerne vorstellen möchte, habe ich gegen Uwe Frischmuth in der dritten Runde des Ôhashi Soyo Shôgi Memorial gespielt. Zunächst noch einigermaßen ausgeglichen, hat Uwe im Verlauf des Spiels sich einen recht deutlichen Vorteil rausgespielt, jedoch fand das Spiel ein von uns beiden unerwartetes Ende.

Uwe hat mit ☗歩5f eröffnet und damit ziemlich klar angezeigt, dass er einen central rook spielen möchte. Da ich nicht wirklich einen Plan habe, wie ich gegen central rook zu spielen habe, versuche ich ihm mit ☖歩5d die Kontrolle über das Zentrum zu verwehren. Es folgt der central rook ☗飛5h und ich lege mich mit ☖金5b↖ früh auf einen static rook fest.

Wir spielen beide noch defensive und beginnen zu castlen mit ☗玉4h ☖歩3d ☗銀3h ☖王4b ☗歩9f ☖王3b ☗玉3i. Hier beginne ich in die Offensive zu gehen mit ☖歩8d ☗玉2h und ☖歩8e. Ich drohe mit einem Angriff auf den Kopf von Uwes Läufer. Da Uwe bisher nicht ☗歩7f gespielt hat, entscheidet er sich zur Verteidigung mit ☗銀7h. Der Zug ist eher zweifelhaft, der er mir noch immer erlaubt meinen Angriff fortzusetzen.

Es folgt ☖歩8f ☗歩8f ☖飛8f ☗角9g ☖飛8b ☗歩8f ☖銀4b ☗銀8g und Weiß steht leicht besser.

Statt beherzt weiter anzugreifen, bereite ich mich langsam weiter vor mit ☖銀6b während Uwe jetzt in den Gegenangriff übergeht mit ☗銀7f ☖銀5c↗ ☗歩8e ☖歩9d ☗角7e und ich zwinge den Läufer mit ☖歩7d ☗角4h zum Rückzug.

Hier hätte ich jetzt mit ☖歩7e den Silber angreifen können. Nimmt er mit dem Silber oder zieht sich mit ihm zurück, kann ich den Bauern auf 8e mit meinem Turm nehmen. Nimmt er mit dem Läufer greife ich mit ☖銀6d weiter an. Mache ich nur leider nicht, sondern baue langsam meine Stellung weiter aus und gebe so meinen Vorteil aus der Hand. ☖銀7c ☗飛8h ☖歩8c ☗歩3f ☖歩1d ☗歩1f ☖銀6d↗. Der Zug war nicht besonders gut, da mich Uwe mit ☗歩6f ☖銀5c einfach wieder zuücktreibt.

☗金6h Jetzt verliere ich die Nerven und versuche mit ☖角1c ☗金5g ☖歩2d Druck aufzubauen, was Uwe aber nur einen Seitenangriff ☗歩1e ermöglicht. Statt mit ☖歩1e zu nehmen und eine Verteidigung gegen den Angriff zu versuchen, nehme ich ihn einfach mit ☖歩2e hin, um weiter Druck aufzubauen. Unzweifelhat ein schlechter Zug. Es folgt ☗歩1d

und ich muss mich mit ☖角2d zurückziehen. Der Bauer am Kopf meines Läufers ist nun völlig ungeschützt und Uwe greift mit ☗桂3g an. Ich bringe mit ☖銀4d meinen Silber zur Verteidigung hinzu. ☗金4f Mit ☖桂3c will ich meinen Bauern auf 2e schützen, erlaube dadurch aber, das Uwe mit ☗と1c bei mir einbricht. Der Zug war eher schlecht. Die Position ist nun wieder einigermaßen ausgeglichen.

Ich wehre mich mit ☖香1c ☗歩1d ☖香1d ☗香1d ☖歩1c und die Position bleibt ausgegelichen.

Uwes Angriff mit ☗桂2e ist eher zweifelhaft. Besser wäre es gewesen, wenn er mit ☗香1c seinen Angriff fortgesetzt hätte. So erhalte ich mit ☖桂2e nicht nur einen Materialvorteil, sondern auch eine vorteilhafte Stellung. Mit ☗歩2f greift Uwe meinen Springer an. Besser wär ☗香1h gewesen, um einen Springer drop auf 1f zu verhindern und gleichzeitig den Seitenangriff wieder aufzunehmen.

Ich ignoriere den Angriff und nehme mit ☖角4f Uwes Gold. Er ist zu gierig, übersieht die Mattdrohung und nimmt mit ☗歩4f ☖桂1f ☗Resign

Fazit: Ein sehr interessantes Spiel. Uwe drohte, mich mit seinem Seitenangriff zu überwältigen. Obwohl ich zu dem Zeitpunkt die Nerven verloren hatte, konnte ich mich durch zwei schlechte Züge von Uwe wieder ins Spiel bringen und tatsächlich noch gewinnen.

Zum Nachspielen der Partie am Computer, stelle ich hier die Partie als kif-Datei und als usf-Datei zur Verfügung.

Alle Grafiken habe ich mit BCM Shogi von Bernard C. März erstellt. Die Analyse habe ich mit ShogiGUI und der GPSfish 検討用 Engine vorgenommen.

Partie: Fabian Krahe vs. René Gralla am 22. Juni 2019 auf dem Ôhashi Shôgi Memorial 2019

Von Fabian Krahe

Ich habe mir vorgenommen, in Zukunft meine Partien mitzuschreiben und zu analysieren. Die Ergebnisse werde ich z.T. hier veröffentlichen. Die erste Partie, die ich hier veröffentlichen möchte, habe ich gegen René auf einem Einladungsturnier in Lübeck, dem Ôhashi Soyo Shôgi Memorial 2019 gespielt. Die Partie halte ich insofern für bemerkenswert, dass wir uns beide relativ einig waren, Yamadas Jôseki zu spielen, das Hidetchi auf seinem YouTube-Kanal vorgestellt hat. Nicht, dass wir uns wirklich an die vorgeschlagenen Züge gehalten hätten, aber wir hatten beide ungefähr denselben Plan, wo es hingehen sollte.

先手 (Schwarz): Fabian Krahe (6k)
後手 (Weiß): René Gralla (5k)
Datum: 2019-06-22
Ergebnis: 1-0
Anzahl Züge: 65

Ich zeige mit ☗歩2f an, dass ich einen static rook spielen möchte. René geht mit ☖歩3d darauf ein. Es folgen ☗歩7f ☖歩4d ☗歩2e ☖角3c ☗玉6h ☖銀3b. Mit ☗金5h↖ bereite ich mein Boat castle vor, während sich René mit ☖飛4b für einen fourth file rook entscheidet.

☗玉7h ☖王6b ☗銀4h ☖王7b ☗銀6h ☖王8b. Mit ☗歩5f mache ich den Weg für meine beiden Silber frei und ermögliche 4f zu verteidigen.

Während René mit ☖銀7b und ☖金5b↗ sein Mino castle vervollständigt, bereite ich mit ☗銀5g↗ und ☗歩3f meinen Angriff vor. Dieser Angriff nennt sich Yamada’s Jôseki, Oblique Climbing Silver. Die Idee ist einen Bauerntausch auf der dritten Linie zu forcieren und anschließend mit dem Silber dort und nachfolgend auf der zweiten Linie durchzubrechen.

René entscheidet sich zunächst dazu, mit ☖歩9d seinem König einen Fluchtweg aufzumachen. Ich erwidere mit ☗歩9f und vervollständige mein Boat castle. Mit ☖歩6d verstärkt René den Schwachpunkt des Mino castles. ☖歩7c wird auch King’s Temple genannt und stellt einen Schwachpunkt des Mino dar. Mit ☗歩3e gehe ich endlich zum Angriff über. René nimmt mit ☖歩3e meinen Bauern und ich setze mit ☗銀4f nach. René spielt ☖歩3f um seinen Bauern zu behalten. Der übliche Zug an dieser Stelle wäre eher ☖歩4e gewesen, um gleichzeitig meinen Silber und meinen Läufer anzugreifen.

Hier zeigt sich aber dennoch, warum es wichtig ist mit dem linken Silber statt dem Rechten anzugreifen. Mein Silber auf 4h verhindert ☖歩3g+, während ich mit ☗銀3e beherzt Renés Verteidigung angreifen kann. Es droht ☗歩3d und damit ein Angriff auf ☖角3c, was bei der aktuellen Position des Turms einen Rückzug auf ☖角2b bedeuten würde, und mir einen Durchbruch mit ☗歩2d ermöglichen würde. Statt 3d mit ☖銀4c zu verteidigen, entscheidet sich René mit ☖歩4e seine Läuferdiagonale zu öffnen. Ich akzeptiere den Läufertausch ☗馬3c ☖銀3c und da ich keinen Bauern auf der Hand habe, greife ich mit ☗歩2d weiter an. René kann nicht erlauben, dass ich seinen Bauern auf 2c nehme, da ein tokin zu mächtig wäre. Also nimmt er mit ☖歩2d und es folgt ein Silbertausch ☗銀2d ☖銀2d ☗飛2d.

Es droht ☗飛2a+. René entscheidet sich mit ☖角3c meinen Turm und meine Lanze zu bedrohen. Hier wäre wohl ☖銀2b oder ☖歩2b besser gewesen. Ich ignoriere also die Drohung und spiele ☗竜2a. René bietet mit ☖飛2b einen Turmtausch, auf den ich mit ☗竜2b eingehe und biete meinerseits nach ☖角2b mit ☗角7g einen Läufertausch. Es folgt ☖馬7g ☗桂7g und René bringt so schnell wie möglich wieder seinen Turm ins Spiel mit ☖飛2g.

Ich entscheide mich die Drohung auf meinen Springer zu ignorieren. Mit ☗桂4d greife ich an. Mit ☖金6c ermöglicht mir René mit ☗銀5b eine Gabel, die auch tatsächlich meine Idee mit dem Angriff gewesen ist. René nimmt den Silber mit ☖金5b und ich gebe mit ☗圭5b meinen Springer durch ☖竜2i. Mit ☗金6b erhalte ich nicht nur den Druck aufrecht, sondern drohe auch mit ☗角7a ☖王9b ☗金9c ☖桂9c ☗金8b#. Es folgt ☖金6b ☗圭6b und die Drohung bleibt bestehen.

René entscheidet sich hier nicht weiter zu verteidigen, sondern versucht mich vorher Matt zu setzen mit ☖銀8i ☗玉6h ☖金7h. Hier wäre wohl ☖角2d besser gewesen, um mir den Fluchtweg nach 5g abzuschneiden. Ich schlage mit ☗金7h ☖全7h und fliehe tatsächlich mit ☗玉5g. Hier besiegelt René mit ☖全7g endgültig sein Schicksal. Da er mir nicht länger Schach gibt, erlaubt er mir ☗角7a und es folgt ☖王9b ☗金9c ☖Resign.

Fazit: Ein relativ ausgeglichenes Spiel. René und ich haben uns jeweils kleinere Unachtsamkeiten erlaubt, woraus aber keiner einer wirklich entscheidenden Vorteil ziehen konnte. Es durch meine Gabel ☗銀5b erhielt ich einen deutlicheren Vorteil, den ich schließlich auch einigermaßen auspielen konnte. Hätte René allerdings ☗角7a mit einer Verteidigung verhindert, hätte er mir das Lebens ganz schön schwierig machen können. Auch wenn ich gegen Ende etwas besser stand, ging jedoch meine Zeit langsam zur Neige. Mir wäre dann sicherlich noch der ein oder andere Patzer passiert, aus dem er hätte Kapital schlagen können.

Persönliche Blianz von René: Aber ob Weiß wirklich noch hätte die Partie drehen können?! Das dürfte wohl höchstens ein theoretisch denkbarer alternativer Ausgang gewesen sein … weil nach meinem pomadigen Patzer ☖金6c – als völlig lächerliche „Antwort“ auf den Drop ☗桂4d – die Partie in höherem Sinn bereits verloren war. Und nachdem ich als Ergebnis meiner finalen Bluff-Attacke endgültig mein Pulver verschossen hatte, war es dann bloß konsequent, mit dem völlig vertrottelten ☖全7g zur Mattsetzung einzuladen …

… bleibt nur zu hoffen, dass diese fiese Klatsche nicht ein Indiz dafür ist, dass ich im schönen Shogisport überhaupt schon meine letzten Reserven an Pulver verballert habe …

Zum Nachspielen der Partie am Computer, stelle ich hier die Partie als kifu-Datei und als usf-Datei zur Verfügung.

Alle Grafiken habe ich mit BCM Shogi von Bernard C. März erstellt. Die Analyse habe ich ebenfalls mit dem Programm vorgenommen, sowie mit Hidetchis YouTube-Kanal.