Hisshi contra COVID-19 … beim 7. Kyu-Cup am 17. Oktober 2020 in Hamburg

Von René Gralla

Die SIEBEN ist mehr als eine schlichte Zahl. Die SIEBEN transportiert Mythen und Sagen, Emotionen und Traumbilder (Das Buch mit den Sieben Siegeln, Die Sieben Weltwunder der Antike pp.), adelt monumentale Leinwandwerke und All Time Greatest – von Akira Kurosawas 黒澤明 epischem Drama „Sieben Samurai“ 七人の侍 …

… über die Adaption jenes modernen Filmklassikers von 1954 im Kult-Western „The Magnificent Seven“ (1960) und dessen Remake 2016 …

… bis hin zur 1978-er Softrock-Ode „Über sieben Brücken musst du gehn“ der einstigen DDR-Band „Karat“.

Da hat es einen unverkennbar symbolischen Wert, wenn dieser Tage bereits der 7. Kyu-Cup in Hamburg ausgetragen wird, und zwar am 17. Oktober 2020 nur wenige Schritte vom Bahnhof Altona entfernt an der Max-Brauer-Allee Nr. 60 im örtlichen Konfuzius-Institut (dessen bisherige Kooperation mit der Uni Hamburg allerdings von der norddeutschen Seite auf Grund der gegenwärtigen politischen Verhältnisse in der Volksrepublik China zwischenzeitig gecancelt worden ist zum Ende des laufenden Jahres).

Die neuerliche Ausrichtung des Turniers, das 2014 seine Premiere gefeiert hat, wird in der aktuellen Saison kein Selbstläufer, vor dem Hintergrund der sich momentan wieder verschärfenden Corona-Pandemie. Entsprechend hat der einladende Uwe Frischmuth für das Fünf-Runden-Rennen am dritten Oktobersonnabend ein strenges Hygienekonzept ausgearbeitet: Maskenpflicht am Brett, und nach Partieschluss werden die benutzten Sets penibel desinfiziert.
Umso ermutigender ist es, dass – im Gegensatz zu Thailand oder China, wo die Hausnummer SIEBEN eher misstrauisch beäugt wird – die ominöse Zahl in Japan als glückverheißend gilt. Im Kaiserreich unter dem Sonnenbanner gehören nämlich die Shichi Fukujin 七福神 aka „Die Sieben Glücksgötter“ zum festen Personal des Volksglaubens. Und erfreuen sich großer Popularität, weil dem Gute Laune-Septett eine ausgesprochene Schwäche für irdische Lustbarkeiten nachgesagt wird: Die fröhlichen Geister sollen gerne feiern und trinken und obendrein – eine spannende Nachricht für alle Aktiven im Shogi – einem flotten Match niemals abgeneigt sein.

Mit den Shichi Fukujin als mächtigen Supportern sollte folgerichtig beim 7. Kyu-Cup 2020 eigentlich nichts mehr schief gehen. Zumal einer der Unsterblichen, das ist der ewig lachende Daikoku-ten 大黒天, …

Daidoku: God of Wealth. Foto by Rudolf Ammann.

… wenigstens mittelbar dem Shogi verbunden ist. Daikoku wird niemals gesehen ohne einen dicken Hammer, der im Bedarfsfall die Dinge robust zum Besseren wendet, und just das genannte fette Werkzeug überzeugte seinerseits Daimyô Toyotomi Hideyoshi 豊臣秀吉(1537-1598), auf den Glücksgott als höchstpersönlichen Beschützer zu setzen. Der geniale Militär, einer der Drei Reichseiniger während der Bürgerkriegsphase im 16. Jahrhundert, war nach übereinstimmenden Quellenberichten ein Liebhaber des Shogi, und folgerichtig wurde denn auch von geschichtsbewussten Hamburger Aktivisten zum Gedenken an den 480. Geburtstag des legendären Feldherrn am 11. März 2017 ein „Toyotomi-Hideyoshi-Shogi-Memorial“ organisiert und wir dürfen zu Recht vermuten, dass auch der spielfreudige Daikoku den historischen Wettkampf aus der parallelen Vierten Dimension voller Wohlwollen beobachtet hat.

In diesem Zusammenhang verdient ein weiteres Mitglied der Shichi Fukujin besondere Erwähnung: das ist die anmutige Benzai-ten 弁才天 …

… ihres Zeichens enthusiastische Förderin von Musik und Kunst. Und unabhängig davon, dass Shogi selbstverständlich auch den künstlerischen Ausdrucksformen zuzurechnen ist, kann die Lichtgestalt Benzai-ten – in ihrer Funktion als einzige weibliche Gottheit im transzendenten Klub der Shichi Fukujin – nun mit Blick auf den 7. Kyu-Cup vielleicht noch eine Special Mission ausführen: den in der Vergangenheit beklagenswert Testosteron-lastigen Young And Old Boys‘ Club mutig in ein zeitgemäß diverses* Event zu transformieren.
Schließlich brillieren im Shogi auch viele junge und toughe Frauen, und absolutes Role Model ist die 28-jährige Polin Karolina Styczinska, die in Japan sensationell zum Profi aufgestiegen ist.

Da wäre es doch gelacht, wenn es nicht endlich gelingen würde, auch einige der ehrgeizigen Sportlerinnen aus dem deutschen Talent Pool für einen Start in Hamburg zu gewinnen.
Die passende Hymne zur Motivation – und insofern voll auf Linie mit Benzai-ten, die ihre göttliche Aufmerksamkeit eben auch den Kreativen der Tonkunst schenkt – hat die wunderbare Marsha Hunt, eine Ikone der Pop-Kultur in den Roaring Sixties und Seventies, schon 1970 vorgetragen: „Keep The Customer Satisfied“ …

… ein ohne Übertreibung programmatischer Titel, bei dem Shogifans statt „Customer“ bloß „Castle Keeper“, zu Deutsch: „Burgvogt“, mitsummen müssen …
… und letzteres ist außerdem ein prima Tipp für den 7. Kyu-Cup an der Elbe: ein klasse Castle garantiert krasses Punkten!
„Keep The Castle Keeper Satisfied …“ – mit den Shichi Fukujin als schützenden Spirits In The Sky** und der atemberaubenden Marsha Hunt, die uns anfeuert, setzen wir das nervige Virus unerschrocken Matt: HISSHI CONTRA COVID-19!

Marsha Hunt-Follower forever: der Autor René Gralla (hier aufgenommen am Ostersonntag des 14. April 1974 in seiner studentischen Mansarde unter dem Dach des Elternhauses im holsteinischen Elmshorn). Foto: Ingrid Gralla (Reproduktion 2020: Wolfgang Geise).

* Klarstellung zwecks Wahrung der Genderetikette: bei allen Formulierungen, die in diesem Text gegebenenfalls einen Genderbezug haben, sind selbstverständlich alle Möglichkeiten geschlechtlicher Orientierung und Selbstdefinition mitzudenken.
** Reverenz des Autors an den Psychedelic Rocksong und Megahit „Spirit In The Sky“ (1969 vom US-Sänger Norman Greenbaum veröffentlicht)

Wir sind umgezogen: Neue Adresse in neuem Design

Eine neue Adresse mit neuem Design!

Bereits seit Ende letztes Monats haben wir den Umzug begonnen und sind jetzt endlich fertig geworden. Alles sollte jetzt so aussehen und funktionieren wie es soll.

Alle Inhalte unserer alten Seite stehen hier (fast) unverändert zur Verfügung. Im Backend haben wir einige Verbesserungen vorgenommen. So steht für die neue Seite eine moderne SSL/TSL-Verschlüsselung zur Verfügung.

Neben dem neuen Design haben wir auch einige kleinere Verbesserungen vorgenommen. Jeder Artikel ist jetzt eindeutig mit einem oder mehreren Autoren verlinkt. In der Sidebar können auch direkt die Übersichtsseiten der verschiedenen Autoren angewählt werden.
Unter Kontakt haben wir jetzt auch ein Kontaktformular bereitgestellt. Ansonsten hat sich hier im Grunde nichts verändert. Schreibt uns doch gerne an, wenn euch die neue Seite gefällt oder ihr weiteren Verbesserungsbedarf seht.

Solltet ihr eine Website betreiben, auf der ihr auf Shôgi Hamburg verlinkt, müsst ihr die alten Links auf http://www.shogihamburg.bplaced.net/ durch https://www.shogihamburg.de/ ersetzen. Falls ihr auf Unterseiten bzw. Blogposts verweist, reicht es einfach diesen Teil zu ersetzen, da die Permalinkstruktur gleich geblieben ist.

Unser alte Seite bleibt noch bis Ende August online, dann werden wir dort die Lichter ausknipsen und wahrscheinlich lediglich noch einen Hinweis auf die neue Seite stehen lassen.

Wir hoffen, euch gefällt die neue Seite!

Fabian Krahe, Webmaster

Das Buch zum Blog!

Den Blog „Shôgi Hamburg“ gibt es jetzt auch analog. Das Buch mit allen Beiträgen zum Shôgi aus den Jahren 2013-2019 kann jetzt über den Buchhandel bestellt werden.

Shôgi hat in Hamburg eine interessante Entwicklung hinter sich und gezeigt, dass es ein großartiger Kulturvermittler sein kann. Mit diesem Buch wird dies dauerhaft und unabhängig vom Internet dokumentiert.

Shôgi ist die japanische Variante des Schachs. Seit 2013 besteht in Hamburg eine Gruppe von passionierten Japanschachspielern, die regelmäßig Aktionen und Turniere durchführen.
Dieser Sammelband vereint Turnier- und Veranstaltungsberichte dieser Hamburger Gruppe aus den Jahren 2013 bis 2019, die auf dem Blog „Shôgi Hamburg“ erschienen sind.
Dazu enthält der Band vier kurze Essays zur Geschichte und Kultur des Shôgi.

Mit Beiträgen von:
Uwe Frischmuth
René Gralla
Fabian Krahe
Jürgen Woscidlo

Fabian Krahe (Hrsg.): Shôgi Hamburg. Beiträge aus den Jahren 2013 bis 2019. Norderstedt: Books on Demand 2020. 108 Seiten. 15,00 Euro. ISBN-13: 9783751920216.

Das Buch habe ich über Books on Demand in Norderstedt veröffentlicht. D.h. es wird erst nach Bestelleingang gedruckt und die Lieferzeit beträgt dementsprechend vier bis zehn Tage. Das Buch kann direkt über den Buchshop von BoD oder über den stationären Buchhandel bestellt werden. Im BoD Buchshop können auch das Inhaltsverzeichnis und die ersten Seiten eingesehen werden. Bei anderen Internetbuchhändlern wie Amazon oder buecher.de ist das Buch ebenso erhältlich.

Ein Shôgibrett selbst bauen

Von Fabian Krahe

Ich habe mir vor einiger Zeit ein Torishôgi Set gekauft. Die Box mit den Steinen beinhaltete neben den Regeln auch einen Spielplan auf Papier. Das ist ausreichend, aber nicht so schön wie ein eigenes Torishôgibrett. Nach kurzer Recherche musste ich feststellen, dass es so ohne Weiteres keine Torishôgibretter zu kaufen gibt. Also habe ich mir kurzerhand selber zwei gebaut. Ein Klappbrett und ein „Normales“. Dazu braucht es weder viel Zeit noch großes handwerkliches Können. Die Bauanleitung lässt sich natürlich auch auf andere Brettergrößen anwenden.

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Materialien:
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  1. Holz (3-10 Euro)
  2. Schleifpapier (80 Cent bzw. 1,60 Euro für 2 St.)
  3. Geodreieck und langes Lineal
  4. Bleistift
  5. Schwarzer Permanentmarker o.Ä.
  6. Klarlack in einer Sprühdose (5 Euro für den günstigsten auf Epoxidharzbasis, den darf man dann nicht mit bestimmten anderen Farben benutzen, reicht hier aber völlig)
  7. Stoff (ein paar Euro pro laufendem Meter; ich hatte noch Stoff von einem anderen Projekt übrig)
  8. Holzleim (3-5 Euro)
  9. Pinsel

Das Holz kann man im Baumarkt direkt in der richtigen Größe zuschneiden lassen. Ich habe einfaches Leimholz mit einer Stärke von 1,5 cm genommen. Das ist stabil und kostet nicht viel.
Ein Feld auf einem Shôgibrett sollte mindestens eine Größe von 3,3 x 3,5 cm (alternativ auch 3,5 x 3,7) haben. D.h. das Spielfeld eines Torishôgibretts ist 23,1 x 24,5 cm groß. Dazu noch einen Rand rechnen: Ich habe 0,5 cm pro Seite genommen. Im Nachhinein hätte ich doch eher 1 cm oder 1,5 cm genommen, denn auf den breiteren Rand hätte ich noch gut die Zahlen zur Notation schreiben können, aber mit den Maßen 24 x 25,5 cm bin ich absolut zufrieden. Soll ein Klappbrett gebaut werden, ist zu beachten, dass Shôgibretter längsseits gefalltet werden. Hierfür werden also zwei Bretter von 12 x 25,5 cm gebraucht (den einen Millimeter habe ich mir geschenkt).
Zuerst habe ich die Kanten mit einem Sandpapier mit einer 80er Körnung ein klein wenig abgerundet, dann die Oberfläche und Kanten mit einem Schleifpapier mit 240er Körnung abgeschliffen. Anschließend habe ich die Bretter mit Klarlack besprüht, um sie zu versiegeln. Das habe ich 24 Stunden trocknen lassen und dann mit der 240er Körnung vorsichtig geschliffen, um aufgerichtete Holzfasern loszuwerden. Anschließend habe es ein zweites Mal mit Klarlack besprüht. Die Versiegelung der Oberfläche verhindert, dass später die Farbe für die Linien ausfranst, weil sie in das Holz einzieht. Den Klarlack habe ich erneut 24 Stunden trocknen lassen. Der Klarlack sollte nur im Freien aufgetragen werden, außerdem empfehle ich einen Mundschutz zu tragen.
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Im nächsten Schritt habe ich die Linien mit Bleistift vorgezeichnet und mit dem Permanentmarker nachgezogen. Auf der Rückseite habe ich Stoff mit Hilfe von Holzleim angeklebt. Der Stoff fungiert beim Klappbrett als Scharnier, so liegt das Klappbrett plan auf dem Tisch auf, anders als wenn ich ein Metallscharnier auf die Rückseite geschraubt hätte ohne es zu versenken, wie dies bei billigen Shôgibrettern der Fall ist. Ich empfehle, den Holzleim mithilfe eines Pinsels und verdünnt mit etwas Wasser auf der Rückseite zu verteilen. Trocknen lassen. Fertig.
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Und das sechste Pferd ging an: Chung Man Chan! Bericht vom Shôgi Kyu Cup Hamburg 2019

Er läuft und läuft … zum sechsten Mal nun schon wurde der Shôgi Kyu Cup am 9. November 2019 in Hamburg ausgespielt.
Ein Erfolgsgeheimnis dürfte die anregende Mischung aus vorwiegend lokalen Spielern und weiter Angereisten sein. Obgleich das Turnier sein Stammpublikum hat, tauchen beileibe nicht immer dieselben Teilnehmer auf. Trotzdem kamen wir auch dieses Jahr auf 14 Teilnehmer, davon im strengen Sinne 4 Jugendspieler. Die haben sich dieses Mal sogar ohne ihren angestammten Mentor, den Harburger Schachlehrer Jürgen Woscidlo, angemeldet, um ihre Spielkünste zu verbessern. Alle Achtung.
Was ist vom Gesamt-Turniergeschehen erwähnenswert?

René Gralla (li.) und Rolf Müller.
Rolf Müller (re.) und René Gralla.

Zum Einen die Anmeldung von Rolf Müller aus Lübeck. Hatte er doch in seinem Haus und Garten im Sommer 2019 ein eigenes Lübecker Turnier ins Leben gerufen, welches fabelhaft bei den Teilnehmern ankam. Rolf ließ sich von seinen – schon fast ‚konstant spärlich‘ zu nennenden Erfolgserlebnissen am Brett – nicht beirren und meldete sich wieder zum Shôgi Kyu Cup an! Selbst von einem Unfall, der die Autobahn stundenlang blockierte, ließ er sich nicht dauerhaft aufhalten, weshalb er zwei Runden verpasste. Ein wichtiger Zusatzgrund für diesen Einsatz wurde sogleich von ihm auf den Tisch gestellt – reichlich Kuchen für die Teilnehmer, welche sich nicht zweimal bitten ließen, … „Das Turnier“ belohnte ihn dafür auf seine Weise: er wurde nicht Letzter!
Wolfgang Reher, der sich nach seinem zweiten Platz beim Kyu Cup 2015 offensichtlich nach neuen Herausforderungen abseits des Shôgi-Bretts umschaut, flanierte wieder einmal als helfender Beobachter durch den Turniersaal.
Ingo Köhler, Vorjahressieger, wollte sich auf seinen Lorbeeren nicht ausruhen und suchte erneut die Herausforderung; die dieses Jahr härter ausfiel. Seinem Kyu Pferd zuhause war das sicherlich egal.

Ingo Köhler (re.) im Spiel vertieft gegen Uwe Frischmuth.
Ingo Köhler (re.) im Spiel vertieft gegen Uwe Frischmuth.

Besondere Freude musste Ingo Iwasaki empfunden haben. Hatte er letztes Jahr noch leicht geknickt den Spielsaal wegen seines persönlichen Turnierverlaufs verlassen– so lieferte er dieses Mal eine ihm entsprechende Leistung ab. Geht doch!

Ingo Iwasaki (re.) gegen Ian Meinköhn.
Ingo Iwasaki (re.) gegen Niels Meinköhn.

Die hohe Leistungsdichte zeigte sich dieses Jahr besonders deutlich. Neben den beiden ersten Turnierplätzen erreichten gleich 6 von 14 Teilnehmern 3 Punkte, welche sich auf die Plätze 3-8 verteilten. Anton Borysov, 14 Jahre alt, hatte bereits bei seinem Sieg gegen Yuki Nagahori eine besonders starke Duftmarke gesetzt, die er mit einem Sieg gegen Uwe Frischmuth noch verstärkte. Da ihm in sehr aussichtsreicher Stellung gegen René Gralla dann doch die Puste ausging, blieb ihm „nur“ der dritte Platz in der Abschlusswertung. Andernfalls hätte er um den Turniersieg mitgespielt. Trotzdem eine Riesenleistung, Anton!

Bester Hamburger Jugendspieler: Anton Borysov.
Bester Hamburger Jugendspieler: Anton Borysov.

Auch der viertplatzierte René Gralla schien mit seiner Leistung versöhnt, ist er doch Anton Borysov in letzter Sekunde trickreich von der Schippe gesprungen. Das Hamburger Urgestein Fabian Krahe landete als vorgewerteter 7ter auf dem 5ten Platz – welches für ihn zufriedenstellend sein dürfte.

Niels, Ian und Sven Meinköhn zusammen mit dem Turniersieger Chung Man Chan.
Niels, Ian und Sven Meinköhn zusammen mit dem Turniersieger Chung Man Chan.

Die hinteren Platzierungen sind allesamt mit einem zählbaren Punkt nach Hause gegangen. Darunter die drei Meinköhn-Brüder Niels, Ian und Sven, die sich weiterhin im Turniersaal blicken lassen.
Martin Wolff hatte mit 2 Punkten ein wohl durchwachsenes Ergebnis. Aber als Teilnehmer der gerade beendeten diesjährigen Janggi Weltmeisterschaft in China konnte er seine positiven Erinnerungen daran wohl beim Shôgi doch nicht ganz abschalten.

Martin Wolff (re.) gegen Niels Meinköhn.
Martin Wolff (re.) gegen Niels Meinköhn.

Unser Gründervater Masaomi Ishii hatte diesmal etwas mehr Erfolg als beim letztmaligen Alster Cup im April 2019, auf den wir an dieser Stelle aufmerksam machen wollen.

Masaomi Ishii (dritte v. re.)
Masaomi Ishii (dritte v. re.)

Das wichtigste zuletzt: auch seine Anmeldung als erster Spieler – unmittelbar nach der Siegerehrung zum Kyu Cup 2018 – hat in Chung Man Chan wohl die Kräfte freigesetzt, die es zu einem Turniersieg braucht. Er wollte es wissen. Formell an zweiter Stelle der Teilnehmerliste gesetzt, wollte er den missglückten Versuch im letzten Jahr ungeschehen machen. Der Turnierverlauf machte es Chung Man Chan auch diese Jahr nicht einfach – verlor er doch ausgerechnet gegen Yuki Nagahori – Neu-Hamburger und Sieger von Lübeck 2019.

Chung Man Chan (li.) gegen Yuki Nagahori in der vierten Runde.
Chung Man Chan (li.) gegen Yuki Nagahori in der vierten Runde.

Da Yuki seine Partie gegen das Hamburger Shôgitalent Anton Borysov in den Sand setze, ergab sich nach der 5ten und letzten Runde die Notwendigkeit zu einem Tiebreak – gemäß der Tradition des Shôgi Kyu Cups Hamburg. Bei Punktegleichheit werden die direkten Ergebnisse nicht gezählt – es wird in einem Tiebreak ausgeblitzt. Hier konnte sich Chung Man gegen Yuki durchsetzen. Herzlichen Glückwunsch!

René Gralla wies auf einen interessanten Umstand hin: seit Jahren werden unsere Shôgi Aktivitäten vom „chinesischen“ Konfuzius Institut massiv unterstützt; so auch diesmal. Shôgi erfreut sich auch in China seit Jahren wachsender Beliebtheit und Spielstärke. Insofern hatte der diesjährige Gewinner chinesischer Herkunft gegen einen Zweitplatzierten aus Japan so eine Art Heimvorteil, den dieser zu nutzen verstand …

Nach dem Ende dieses wieder in sehr freundschaftlicher Atmosphäre durchgeführten Turniers freuen wir uns schon auf den 18. April 2020: Dann findet das „Shôgi Open Hamburg“ statt. Der vormalige „Alster Cup“ wurde in „Shôgi Open Hamburg“ umbenannt, um klarer zum Ausdruck zu bringen, dass dieses Turnier offen für alle Teilnehmer ist – im Gegensatz zum „Shôgi Kyu Cup Hamburg“.

Uwe Frischmuth & René Gralla
Shôgi Hamburg

Die Teilnehmer des 6. Shôgi Kyu Cup.
Die Teilnehmer des 6. Shôgi Kyu Cup, und die Verantwortlichen des Konfuzius-Instituts (2. R. li.)

6. Shôgi Kyu Cup Hamburg 2019, 2019-11-09, Ergebnisse

Nr Name Nat Grade ELO 1 2 3 4 5 Pts +/-
1 Chan Chung Man HK 2 Kyu 1596 7+ 4+ 3+ 2- 5+ 4 6
2 Nagahori Yuki JAP 1720* 5+ 3- 6+ 1+ 4+ 4
3 Borysov Anton UKR 5 Kyu 1257 10+ 2+ 1- 4- 6+ 3 99
4 Gralla René DE 5 Kyu 1261 11+ 1- 9+ 3+ 2- 3 36
5 Krahe Fabian DE 6 Kyu 1257 2- 13+ 7+ 8+ 1- 3 37
6 Frischmuth Uwe DE 3 Kyu 1340 14+ 8+ 2- 10+ 3- 3 0
7 Iwasaki Ingo DE 7 Kyu 1181 1- 11+ 5- 13+ 9+ 3 16
8 Köhler Ingo DE 5 Kyu 1292 9+ 6- 13+ 5- 10+ 3 -7
9 Wolff Martin DE 9 Kyu 991 8- 14+ 4- 11+ 7- 2 31
10 Ishii Masaomi JAP 11 Kyu 762 3- 0+ 14+ 6- 8- 2 71
11 Meinköhn Niels DE 11 Kyu 860 4- 7- 12+ 9- 14+ 2 45
12 Müller Rolf DE 14 Kyu 538 0- 0- 11- 14- 13+ 1 24
13 Meinköhn Sven DE 1* 0+ 5- 8- 7- 12- 1
14 Meinköhn Ian DE 8 Kyu 1070 6- 9- 10- 12+ 11- 1 -52

Promoting Nagahori Yuki to 2 Kyu
Promoting Krahe Fabian to 5 Kyu
Promoting Iwasaki Ingo to 6 Kyu
Promoting Wolff Martin to 8 Kyu
Promoting Meinköhn Niels to 10 Kyu

In eigener Sache: Shôgi Hamburg hat nun einen YouTube-Kanal

Liebe Shôgi-Enthusiasten,

ich habe heute einen YouTube-Kanal eingerichtet. Ich hoffe, dort auch in Zukunft Videos von Shôgi-Partien, -Turnieren und Veranstaltungen, sowie von Veranstaltungen anderer Schachvarianten in Hamburg zu veröffentlichen.

Das erste Video ist eine Aufnahme vom Blitz um Platz 1 beim gestrigen 6. Shôgi Kyu Cup Hamburg:

6. Shôgi Kyu Cup Hamburg, 9. November 2019
Blitzpartie um Platz 1
Schwarz: Yuki Nagahori (-/1698 Elo*) vs.
Weiß: Chung Man Chan (2 Kyu/1596 Elo)
Ergebnis: 0-1

Die kif-Datei zum Download und nachspielen der Partie.

*vorläufige Elo-Zahl

Fabian Krahe

Shôgi im Japanischen Teehaus 2019

Die Verfechter der schönsten aller Schachvarianten haben auch in diesem Sommer wieder den Japanischen Garten in Planten un Blomen unsicher gemacht. An drei Sonntagen kamen zahlreiche Besucher und lernten das königliche Spiel Japans näher kennen. Wie so oft waren nicht nur zahlreiche Hamburger interessiert, auch viele Touristen, die nur zufällig vorbeikamen, blieben gerne für ein halbes Stündchen, um sich die Regeln erklären zu lassen. So wird das Japanschach nicht nur in Hamburg immer bekannter, sondern auch in Dänemark, Spanien oder der Ukraine. Hamburg ist und bleibt das Tor zur Welt – auch in Sachen Shôgi.

2019-06-02 Shôgi Jap Teehaus_005

2019-06-02 Shôgi Jap Teehaus_002

2019-07-07 Shôgi Jap Teehaus_003

Wir freuen uns auch darüber, dass in diesem Jahr abermals in Deutschland residierende Japaner vorbeikamen, um mit uns eine Partie Shôgi zu spielen.

2019-08-04 Shôgi Jap Teehaus_009

Wir danken allen, die diese Sonntage wieder zu einem vollen Erfolg gemacht haben. Darunter Ishii Masaomi, Rolf Müller, Anton Borysov, Alexandra Bumagina, Nagahori Yuki, Wolfgang Reher, René Gralla und Fabian Krahe. Unser Dank geht auch an die zahlreichen Gô-Spieler, allen voran und stellvertretend Peter Splettstößer, mit denen es wie immer ein Vergnügen war, die Nachmittage zu verbringen. Außerdem danken wir Planten un Blomen, dass sie uns wieder die Möglichkeit gaben, an diesem wundervollen Ort das japanische Schach zu präsentieren.

Bis im nächsten Jahr
Fabian Krahe
2019-08-04 Shôgi Jap Teehaus_007

Postscriptum von René Gralla

… übrigens kam während des Auftakts der Sommersaison 2019 für abgezockte Strategen im Japanischen Teehaus am ersten Junisonntag (2.6.2019) neben Shogi und Go sogar noch ein weiteres fernöstliches Boardgame zum Einsatz, nämlich das „Xiangqi“ aus dem Reich der Mitte …

Spaß beim Mattsetzen nach jenem Regelwerk, das schon Chinas hochverehrter Kong Fu Zi aka Meister Konfuzius (ca. 551 - 479 v. Chr.) empfohlen hat: Liang Peiyun (vorne rechts) mit René Gralla (li. stehend) und Xiangqi-Brett (links neben Liang Peiyun auf der Bank). Foto: Rolf Müller.
Spaß beim Mattsetzen nach jenem Regelwerk, das schon Chinas hochverehrter Kong Fu Zi aka Meister Konfuzius (ca. 551 – 479 v. Chr.) empfohlen hat: Liang Peiyun (vorne rechts) mit René Gralla (li. stehend) und Xiangqi-Brett (links neben Liang Peiyun auf der Bank). Foto: Rolf Müller.

… eine spontane Erweiterung des Angebots aus der Schatztruhe asiatischer Kombinationskunst und zugleich ein schönes Beispiel dafür, dass gemeinsames Spiel auch angeblich unüberwindbare kulturelle Antagonismen locker auflösen kann.

Sind auch in diesem Shogi-Sommer wieder die unverzichtbaren Stützen des Orga-Teams im Japanischen Teehaus gewesen: Hamburgs Sensei Masaomi Ishii (li.) und der Webmaster von Shogi Hamburg, Fabian Krahe (re.). Foto: Rolf Müller.
Sind auch in diesem Shogi-Sommer wieder die unverzichtbaren Stützen des Orga-Teams im Japanischen Teehaus gewesen: Hamburgs Sensei Masaomi Ishii (li.) und der Webmaster von Shogi Hamburg, Fabian Krahe (re.). Foto: Rolf Müller.