Shôgi-Gartenturnier in Schwarzenbek bei Hamburg

Von Fabian Krahe

Nachdem sich in den letzten zwei Jahren die Shôgiszene wegen Corona hauptsächlich online getroffen hat, kehrt dieses Jahr wieder etwas Normalität ein. Musste das Kurpfälzer Neujahrs-Open Anfang des Jahres zwar noch online stattfinden, wurde im Februar in Berlin zum 7. Mori Ogai-Turnier an den richtigen Brettern gespielt. Auch die ODM in Frankfurt konnte dieses Jahr wie geplant durchgeführt werden und einige weitere Turniere sind dieses Jahr noch in Planung.

Die Teilnehmer des ersten Shôgigartenturniers in Schwarzenbek sind bereit für die erste Runde.

Auch die Hamburg Shôgiszene erwacht langsam wieder aus dem Pandemiekoma. Uwe Frischmuth lud anlässlich seines Geburtstags die Hamburger Shôgispieler zu einem kleinen Turnier in den wunderschönen Garten seiner Wohnung in Schwarzenbek. Sieben Spieler folgten der Einladung, darunter einer aus Bremen und einer aus Wolfsburg, die beide gerne die etwas längere Anfahrt auf sich nahmen. Beim Shôgigartenturnier 2020 in Bremen wurde mit acht Spielern noch Round-Robin gespielt, doch da sieben Spiele an einem Tag ziemlich anstrengend sind, schlug Uwe als Turnierleiter ein etwas unorthodoxeres Turnierformat vor. Die Spieler wurden in zwei Gruppen á vier Spieler aufgeteilt, die im Round-Robin gegeneinander antraten. Anschließend spielte der erste aus Gruppe A gegen den zweiten aus Gruppe B und der dritte aus Gruppe A gegen den vierten aus Gruppen B und umgekehrt das Halbfinale und die Sieger dieser vierten Runde spielten dann um den ersten, dritten, fünften und siebten Platz in der Endauswertung.

Gruppe A: Vorne: Fabian Krahe (li.) gegen Anton Borysov. Hinten: Masanori Hosata gegen Ingo Köhler.

In der Gruppe A sorgte Fabian Krahe für eine klare Rangfolge in der Tabelle, indem er alle Partien eindeutig verlor – eine davon durch ein selten blödes Nifu. So konnte sich Ingo Köhler über einen leicht gewonnen Punkt freuen. Gruppensieger wurde ungeschlagen Anton Borysov, der damit auch einen Sieg über den sehr starken Turnierneuling Masanori Hosata verbuchen konnte.

Gruppe B: Vorne: Yuki Nagahori (li.) gegen Jürgen Woscidlo. Hinten: Konrad Dreier gegen Uwe Frischmuth (an der Kamera).

Gruppe B entschied sich, es dem Turnierleiter etwas schwieriger zu machen. Während Yuki Nagahori souverän drei von drei Punkten holte, besiegte Konrad Dreier in Runde eins Uwe Frischmuth, nur um in Runde zwei von Jürgen Woscidlo auf die Matte geschickt zu werden, der sich wiederum Uwe in Runde drei geschlagen geben musste. Konrad war nach dreijähriger coronabedingter Spielpause mit seinem einen Punkt vollauf zufrieden und ließ sich vom Turnierleiter auf Gruppenplatz vier setzen. Uwe und Jürgen entschieden dann in einer Blitzpartie, welcher von ihnen beiden den zweiten Gruppenplatz erhalten sollte, um die Chance zu haben, um Platz eins zu spielen.

Für das Halbfinale wurden die Tische in den Schatten gerückt. Das Turnier fand bei 27° und schönstem Sonnenschein statt. Vorne: Anton Borysov (li.) gegen Uwe Frischmuth.

Im Halbfinale musste sich der bisher unbesiegte Yuki Masanori geschlagen geben. Und da es Anton gelang, Uwe vom Brett zu putzen, kam es im Finalspiel um Platz eins zu einem Rematch: Anton gegen Masanori. Diesmal konnte Masanori die Partie für sich entscheiden und sicherte sich den ersten Platz im ersten Shôgi-Gartenturnier in Schwarzenbek. Den dritten Platz gewann Yuki mit einem souveränen Sieg über Uwe. Der fünfte Platz fiel an Konrad, der nach einigen verpatzten Angriffsversuchen von Fabian, in dessen Yagura einmarschierte. Platz sieben ging nach Wolfsburg, da Ingo in seinem letzten Spiel Jürgen niederringen konnte.

Die drei Turniersieger: 3. Platz: Yuki Nagahori (li.), 2. Platz: Anton Borysov (re.) und 1. Platz: Masanori Hosata.

Wie bei bisher jedem Turnier im Norden Deutschlands gingen alle Teilnehmer zufrieden nach Hause. Jeder konnte sich über mindestens ein gewonnenes Spiel und eine lehrreiche Niederlage freuen. Für reichlich Speis und Trank und einen wirklich wundervollen Spielort hatte der Gastgeber Uwe Frischmuth gesorgt, dem an dieser Stelle nochmals aller Dank gebührt.

Die Turnierteilnehmer: Uwe Frischmuth, Fabian Krahe, Konrad Dreier, Yuki Nagahori, Masanori Hosata, Anton Borysov, Ingo Köhler und Jürgen Woscidlo (v.l.n.r.).

Weitere Turniere sind in Planung und es bleibt zu hoffen, dass wieder mehr Schwung in die norddeutsche Shôgiszene kommt. Mit diesem kleinen und vorzüglichen Turnier ist auf jeden Fall ein hervorragender Auftakt gelungen.

PlaceNameLevel12345Points
1Hosakata, Masanori21 Kyu6-27324
2Borysov, Anton4 Kyu7164-14
3Nagahori, Yuki2 Kyu845-144
4Frischmuth, Uwe3 Kyu-5-38-2-31
5Dreier, Konrad5 Kyu4-8-3673
6Köhler, Ingo5 Kyu-17-2-582
7Krahe, Fabian5 Kyu-2-6-18-51
8Woscidlo, Jürgen8 Kyu-35-4-7-61
Endtabelle Shôgi-Gartenturnier in Schwarzenbeck bei Hamburg 2022

Artikel in The Japan Times über Shôgi außerhalb Japans

In der The Japan Times ist vor einigen Tagen ein sehr interessanter Artikel über Shôgi außerhalb Japans erschienen. Es geht um alte Bekannte wie Hidetchi und Karolina Styczynska, aber auch um die kleine Blüte des Shôgi Downunder besonders jetzt während der Pandemie. Absolute Leseempfehlung. Der Artikel ist auf Englisch. Japan Times verlangt manchmal, dass man sich zum Lesen einloggt. Mit dem Umschalten in die Leseansicht (F9) bei Firefox kann man den Artikel aber auch so lesen.

Joel Tansey: Amid a global chess boom, shogi eyes its own winning moves, The Japan Times, 09.02.2021.

Shôgiweihnachtsplätzchen selber machen!

Weihnachtszeit ist Plätzchenzeit. Was gibt es Schöneres in den dunklen und kalten Tagen des Jahres, als Plätzchen zu backen und diese danach genüsslich zu verzehren? Dazu einen guten Tee trinken und ein dickes Buch schmöckern. Mit Weihnachtsmarkt und Aprés-Ski wird es dieses Jahr sowieso nichts.

Für einen Shôgifan lässt sich das Ganze jetzt noch nur noch toppen durch Plätzchen in der Form von Shôgisteinen und beschriftet mit den dazugehörigen Kanji. Und genau das habe ich ausprobiert.

Dafür brauchte ich zunächst Plätzchenaustecher in Shôgsteinform. Da es die nicht zu kaufen gibt, musste ich selbst welche basteln. Das ist auch gar nicht schwierig. Entsprechende Anleitungen finden sich zuhauf im Netz. Ich habe meine folgendermaßen gebastelt:

Bauanleitung für Shôgiplätzchenausstecher

Materialliste:

  1. Aluminiumblech von 0,5 mm Dicke
  2. Holzbrett
  3. Nägel
  4. Hammer
  5. Cuttermesser
  6. Pfeile
  7. Linieal
  8. Kleber
  9. Vorlage

Das Aluminiumblech habe ich in 2 cm breite Streifen geschnitten. Dazu habe ich das Cuttermesser benutzt und habe es an einem Stahllinieal etwa 6-7 Mal über das Blech gefahren und es so eingeritzt. Nun konnte ich das Blech einfach auseinanderbrechen.

Fünf Nägel habe in der Form eines Shôgisteins in ein Holzbrett geschlagen: Jeweils ein Nagel an jeder der fünf Ecken des Stein. Um die Nägel herum habe ich dann das Aluminiumblech gebogen. An einem einzelnem Nagel habe ich die Ecken der Form falls nötig noch etwas stärker akzentuiert. Für die Vorlage, also um zu wissen, wo ich die Nägel einzuschlagen habe, habe ich einfach einen Shôgistein auf ein Blatt Papier abgepaust und die Zeichnung dann einfach am Computer auf verschiedene Größen vergrößert, um mit der Größe der Plätzchen etwas zu variieren. Die für den Blechstreifen benötigte Länge habe ich einfach mit einem Papierstreifen, den ich um die Nägel herumgezoge habe, gemessen.

Zuletzt noch die Kanten des Blechs abfeilen und das Blech zusammenkleben. Im Internet habe gefunden, dass man das Blech einfach zusammentackern könne, aber das habe ich ausprobiert und das hat nicht funktioniert. Nachdem der Kleber trocken ist, sind die Ausstecher fertig zum Einsatz.

Plätzchenrezept

Nun geht es ans Plätzchenbacken. Jeder hat wahrscheinlich sein eigenen Rezept und mittlerweile gibt es auch Fertigmischungen im Supermarkt zu kaufen, aber ich habe das folgende Rezept benutzt:

Zutaten

  1. 250 g Mehl
  2. 1 Msp. Backpulver
  3. 150 g Butter
  4. 125 g Zucker
  5. 2 P. Vanillezucker
  6. 1 Ei
  7. 1 Prise Salz
    1. Zum Verzieren: Lebensmittelstift und evtl. Zuckerguss

Zubereitungszeit: ca. 2 Stunden inkl. 1/2 Stunde Ruhezeit für den Teig.

Das Mehl und das Backpulver in einer Rührschüssel vermischen. Dann die Butter in Flöckchen geschnitten darüber verteilen. Anschließend Zucker, Vanillezucker, das Ei und die Prise Salz hinzufügen. Alles zu einem glatten Teig kneten. Dafür benutze ich immer zuerst Knethaken und mache den Rest per Hand. Zuletzt den Teig in Alufolie wickeln und im Kühlschrank für eine halbe Stunde ruhen lassen.

Nach einer halben Stunde den Backofen auf 175°C vorheizen. Den Teig auf etwa 2mm Dicke ausrollen. Am besten in 2-3 Portionen, den Rest jeweils weiter im Kühlschrank aufbewahren.

Die ausgestochenen Shôgiplätzchen auf einem mit Backpapier ausgelegtem Backblech bei 175°C im Ofen für etwa 8-15 backen, je nachdem wie dick der Teig ausgerollt wurde.

Ich habe einige Plätzchen mit Zuckerguß (Puderzucker mit warmem Wasser vermischen) verziert und dann beschriftet. Viele habe ich auch direkt beschriftet. Dafür habe ich einen Lebensmittelstift bzw. „Zuckerschrift“ benutzt. Die gibt’s in jedem gut sortierten Supermarkt für etwa 1,50 Euro zu kaufen.

Für ein erstes Ausprobieren bin ich mit meinem Ergebnis schon super zu frieden. Es braucht immer ein bisschen Übung. Die macht bekanntlich den Meister, nicht nur im Shôgi, sondern auch beim Backen.

Die Plätzchen sind übrigens auch ein hervorragendes Weihnachtsgeschenk für jeden Shôgiliebhaber!

Fröhlichen Shôgitag euch allen!

Happy Shôgi-no-hi!

Der Shôgitag findet jedes Jahr am 17. November statt. Er geht zurück auf die Edo-Castle-Games der Edo-Zeit. Damals war es Brauch, einmal im Jahr in der Residenz des Shôguns Shôgispiele auszutragen. Dabei wurde auch den anwesenden Adligen Shôgiunterricht erteilt. Zwei Spieler wurden jedes Jahr ausgewählt, eine Shôgipartie dem Shôgun höchstpersönlich zu präsentieren. Die eigentliche Partie wurde meist schon ein, zwei Tage vorher gespielt und dann wurde sie vor dem Shôgun wiederholt. Mit dem Untergang des Tokugawa-Shôgunats wurden auch die Edo-Castle-Games eingestellt, aber in den 1970er Jahren belebte der Nihon Shôgi Renmei den Tag, an dem diese Spiele ausgetragen wurden, als Shôgi-no-hi, als Shôgitag, wieder, um ihn zur Förderung des Shôgi zu benutzen.

Ôhashi Sôkei I. 初代大橋宗桂 – Der erste Meijin

Ôhashi Sôkei I. 初代大橋宗桂 (1555-06.04.1636) gilt traditionell als erster Meijin im Shôgi und erster Leiter des Shôgi-Dokoro. Außerdem begründete er die Ôhashi-Familie, die wichtigste der drei Shôgi-Schulen der Edo-Zeit (1600-1868). Besondere Bekanntheit erlangte er für seine Komposition von Tsumeproblemen.

Ôhashi war der Sohn eines wohl relativ wohlhabenden Händlers aus Kyôtô, der den Namen Sôya oder Munenari 宗也 trug. Ältere Theorien, dass Sôkei ein Mönch war, gelten im Wesentlichen als widerlegt. Zur Feier des 200ten Todestags von Ôhashi Sôkei I. erstellte Ôhashi Sôkei XI. einen Stammbaum, der die Herkunft der Familie von den Sasaki-Genji 佐々木源氏 ableitete, womit die Familie von Kaiser Uda 宇多天皇 abstamme. Aber das kann getrost in das Reich der Familienmythen verwiesen werden.

宇多天皇 Uda-Tennô (867-931), von dem angeblich die Ôhashi-Familie abstammt.

In seiner Kindheit trug Ôhashi Sôkei I. den Namen Tatsumasa 龍政, änderte ihn dann zu Sôkin 宗金, dann zu Sôkei 宗慶 und schließlich zu Sôkei 宗桂. Es heißt, Sôkei hätte seine Namenskanji geändert, weil er von Oda Nobunaga 織田信長 (1534-1582) für seinen Gebrauch des Springers gelobt wurde. Möglicherweise erhielt er von Toyotomi Hideyoshi 豊臣秀吉 (1537-1598) bereits ein Stipendium als Shôgispieler und wurde von ihm eingeladen, an seinem Hof Shôgi zu spielen. Der bekannte Shôgihistoriker Masukawa Koichi 増川宏一 (1930-) bestreitet allerdings, dass Sôkei unter Nobunaga und unter Toyotomi Hideyoshi gedient habe, daher ist auch die Anekdote, wie Sôkei seine Namenskanji tauschte, als fraglich anzusehen.

1607 spielte Sôkei gegen Hon’inbô Sansa, der zu dieser Zeit wahrscheinlich die Leitung des Go- und Shôgi-Amts innehatte. Dies ist die älteste vollständige Aufzeichnung einer Shôgipartie, die uns überliefert ist. Laut dem Shôgishu sollen Hon’inbô und Sôkei insgesamt 124 Partien gegeneinander gespielt haben. Allein 70 davon sollen die beiden bis 1612 ausgetragen haben. In der Zeit zeigte sich, dass Sôkei der eindeutig bessere Spieler war. Ôhashi Sôkei erhielt 1612 den ersten Titel des Meijin in Shôgi. In diesem Jahr wurde auch das Shôgi-Amt vom Go-Amt unabhängig. Sôkei soll die Leitung übernommen und dafür 50 koku Reis und 5 Diener erhalten haben. Damit wäre das Shôgi-Amt ebenso gut finanziert gewesen, wie das deutlich prestigeträchtigere Go-Amt. Dieses Amt wurde weiterhin, bis zu seinem Tod, von Hon’inbô Sansa gehalten. Masukawa stellte auch hier die These auf, dass dies nicht den historischen Tatsachen entspräche und lediglich eine Konstruktion späterer Zeit auf Grundlage der Verleihung des Meijin-Titels an Sôkei in jenem Jahr gewesen sei.

Am bekanntesten ist Ôhashi Sôkei für seine Tsumesammlung Shôgizôbutsu 象戯造物 (dt. etwa Shôgikreationen). Diese Tsumesammlung gilt als die erste ihrer Art und wurde während der Keichô-Ära (1596-1615) das erste Mal veröffentlicht. 1616, als Ôhashi das Shôgidokoro bereits vier Jahre geleitet haben soll, soll er eine Kopie dieser Sammlung dem Shôgunat übergeben haben. Viele weitere Shôgimeister folgten diesem Beispiel, ihre Tsumesammlungen dem Shôgunat zu präsentieren und so gilt Ôhashi als Begründer dieser Praxis. Ôhashis Tsume wurden als kriegerisch und kraftvoll beschrieben, die sich mit ihren pragmatischen Zügen von den extravaganten Zügen der mittleren Edo-Zeit unterscheiden.