Ein Shôgiturnier unter Coronabedingungen: Erstes Shôgi-Gartenturnier in Bremen

Von Fabian Krahe und René Gralla

Der Coronavirus hat unser Leben dieses Jahr ganz schön durcheinander gebracht. Auch der Schachsport hatte darunter zu leiden. Viele Turniere mussten abgesagt werden. Viele Aktivitäten haben sich ins Internet verlagert. Beim Shôgi, der japanischen Variante des königlichen Spiels, ist das nicht anders. Die Deutsche Meisterschaft, die eigentlich im April 2020 in Hamburg stattfinden sollte, musste abgesagt werden. Das Qualifikationsturnier für das Internationale Shôgi Forum in Japan wurde daher auch ins Internet verlegt und wurde auf der Plattform 81Dojo ausgespielt. Regelmäßige Spieletreffs mussten ebenfalls gecancelt werden.

Mit einem Einladungsturnier im kleinen Kreis und im heimischen Garten der Familie wollte der gebürtige Bremer Fabian Krahe am 29. August 2020 daher ein bisschen Normalität in die norddeutsche Shôgiszene zurückbringen. So machten neben dem Organisator an diesem spätsommerlichen Sonnabend sieben Shôgienthusiasten einen Ausflug an die Lesum. Sechs kamen aus Hamburg und Norderstedt, und einer reiste aus Wolfsburg an. Um das Infektionsrisiko möglichst niedrig zu halten, fand das Turnier komplett im Garten statt. Vor Regen schützten ein mobiler Carport und ein großer Regenschirm, doch alle Befürchtungen ob des Wetters stellten sich als obsolet heraus. Die Shôgigötter waren uns wohl gesonnen, und bei strahlendem Sonnenschein, gegen den versprengte Wanderwolken keine Chance hatten, wurden fleißig Steine geschoben über die Bretter, die die Welt bedeuten.

Das alles war nur möglich dank der großartigen Unterstützung von Uwe und Birgit Krahe, den Eltern des Organisators. Sie stellten nicht nur den wundervollen Garten bereit, in dem das Turnier ausgetragen wurde, sondern bewirteten auch als hervorragende Gastgeber die ambitionierten Mattkünstler.

Die Gastgeber Birgit und Uwe Krahe, die ihren wundervollen Garten für das Turnier bereitstellten.

Das kleine, aber feine Event war gewissermaßen die direkte Folgeveranstaltung jenes Open-Air-Wettkampfes, zu dem vor gut 14 Monaten das Shôgi-begeisterte Ehepaar Ritsuko und Rolf Müller in deren idyllische Grüne Oase in Lübecks südlichem Quartier Sankt Jürgen geladen hatte. Besagtes „Ôhashi Soyo Shôgi Memorial“ in der Trave-Metropole sollte am 22. Juni 2019 daran erinnern, dass vor 150 Jahren in Japan während der Edo-Restauration der Relaunch des professionellen Denksports mit Hausturnieren in den Anwesen seinerzeit dominierender Champions begonnen hatte. Einer der Frontleute damals war der ehrwürdige Meister Ôhashi Soyo (um 1835 – 1891), und der umtriebige Sensei dürfte sich auf seiner Wolke heuer garantiert himmlisch darüber gefreut haben, dass seine epochale Initiative von einst im fernen Europa des digitalen Millenniums nach der Lübecker Premiere 2019 nun bereits die zweite Neuauflage im Bremen dieser Tage erleben würde. 

Durch die informelle und freundschaftliche Atmosphäre war es möglich, an einem einzigen Tag ein Round-Robin-Turnier mit acht Spielern durchzuziehen, das heißt, jeder spielte insgesamt sieben Partien mit 30 Minuten + 30 Sekunden Byôyômi Bedenkzeit. Eine starke Leistung aller Turnierteilnehmer. So wurde dann auch manch denkwürdige Partie ausgefochten. In der Begegnung René Gralla gegen Fabian Krahe wogte das Gefecht hin und her. Im Endspiel gelang es Fabian zunächst, René in die Ecke seines Minogakoi zu treiben, doch ein tödlicher Schlag blieb aus. Das nutzte René, um zu einer waghalsigen Mattkombination anzusetzen mit dem Plan, Fabians König aus dessen Hidariminogakoi zu treiben und auszuknocken. Fast gelang das dem René auch, doch im Eifer des Gefechts verwechselte er das Pferd mit dem Drachen und übersah den entscheidenden Zug. Diese unverhoffte Atempause wiederum reichte Fabian, das Match komplett zu drehen und nun seinerseits den René per Blitz-Matt auf die virtuelle Matte zu schicken.

Ein Partieausgang, der René zu Recht frustrierte. Schließlich hatte er sofort nach Ausführung eines albernen Dummie-Moves – der vermeintlich die Sackgasse, in die Fabians König geflüchtet war, endgültig abriegeln sollte, leider aber bei rollender Attacke das Tempo selbstmörderisch drosselte, so dass Gote dankbar ein flottes Tsume exekutieren durfte – den alternativ möglichen und zugleich alternativlosen Coup de grâce erkannt. Der wäre robust und trocken gewesen: Die schwarze Lanze 3c rückt schnöde auf 3b vor, promoviert schulmäßig und triggert im gleichen Atemzug ein krachendes Abzugsschach, und zwar im engen Gefechtsverbund mit dem schwarzen Horse, das aus dem äußersten Winkel des weißen Lagers dem zernierten Gyokusho aka „Juwelengeneral“ stante pede einen Hammer-Huftritt serviert. „Als ich das Malheur bemerkte, poppte in mir der wilde und wütende Impuls auf, blitzschnell und kackenfrech das Ding zurückzunehmen“, wie René hinterher gestand. Ein notorischer Taschenspielertrick, den der Co-Autor dieses Berichts gelernt haben will während Rauch- und Sliwowitz-geschwängerter nächtlicher Sessions im Kreis von Schachkumpels, die stolz sind auf ihre verwandtschaftlichen Beziehungen zur Balkanregion, wo harte Bandagen oft mehr Respekt verschaffen als wohlfeile Moralpredigten. Aber das internalisierte sportliche Über-Ich rief den René doch wieder streng zur Ordnung, abgesehen davon, dass dem Trottel der Saison ein verzweifelter Griff nach der (ohnehin verbotenen) Zocker-Notbremse unter Punktspielbedingungen nichts mehr genützt und auf die maximale Peinlichkeit des vergeigten Games höchstens noch anderthalbe draufgesetzt hätte.

Wer zu spät kommt, den bestraft bekanntlich das Leben. Wegen überraschender Terminprobleme am frühen Samstagmorgen schlug René erst eine gute Stunde nach Anpfiff der ersten Runde in Krahes Garten auf und musste per Aufholsprint den Anschluss an das Feld suchen. Das zerrte natürlich an den Nerven, mit dem Risiko derber Aussetzer – die René während seiner Spiele prompt auch gemein und beinahe regelmäßig aus der Bahn warfen.

Beim Kansôsen der Partie René gegen Fabian zeigte sich schnell, dass René nur die beförderte Lanze auf 3b hätte ziehen müssen, um zu gewinnen. Schade, denn es wäre tatsächlich ein ziemlich cooles 11-Zügiges Matt gewesen. Foto: Fabian Krahe.

Einen Überraschungssieg durfte Jürgen Woscidlo feiern, als Uwe Frischmuth im beiderseitigen wilden Handgemenge in eine Mattfalle stolperte. Damit ging unser Schachlehrer aus Harburg mit einem dicken Achtungspunkt nach Hause, war Uwe doch als 3 Kyu der nominell zweitstärkste Spieler des Turniers.

Martin Wolff gegn Jürgen Woscidlo. Im Hintergrund Ingo Köhler gegen Fabian Krahe. Foto: Alexandra Bumagina.

Auch Martin Wolff konnte sich einen Punkt erspielen, und zwar gegen Jürgen, sodass niemand ohne Sieg das Turnier beendete. Mit jeweils einem Punkt teilten sich beide dann allerdings auch die undankbare Rote Laterne. Schlanke zwei Zähler in der Schlussbilanz bedeuteten Rang sechs für René, der nicht nur im Treffen gegen Fabian quasi frei stehend vor dem Shôgi-Tor den Ball über die Latte semmelte, sondern auch mit einem ärgerlichen Nifu bei besserer Stellung gegen Ingo Köhler patzte. Es war definitiv nicht Renés Tag. Aber so ging immerhin der fünfte Platz an unseren Spieler aus Wolfsburg. Ingo errang drei Siege und fuhr – mit seiner Leistung zufrieden – total gechillt und lächelnd zurück in die Autostadt.

Uwe Frischmuth gegen Ingo Köhler. Ingo sicherte den fünften Platz für die Autostadt Wolfsburg. Foto: Fabian Krahe.

Den vierten Platz belegte der Gastgeber und Organisator Fabian Krahe mit insgesamt vier Punkten. Er war sichtlich zufrieden. Nicht nur mit seiner Spielleistung, sondern auch mit dem reibungslosen und erfolgreichen Ablauf des Turniers.

Der Turnierorganisator Fabian Krahe (re.) traf gleich in der ersten Partie auf Uwe Frischmuth und musst direkt eine deutliche Niederlage einstecken. Da half selbst angestrengtes Nachdenken nicht mehr. Foto: Alexandra Bumagina.

Ein großer Dank geht an dieser Stelle aber auch ausdrücklich an die selbstlos engagierte Alexandra Bumagina. Die Mutter unseres 15-jährigen Supertalents Anton Borysov schoss stimmungsvolle Fotos und bereicherte den Tag durch ihre freundliche und offene Art.

Uwe Frischmuth und das Nachwuchstalent Anton Borysov holten jeweils fünf Punkte und teilten sich den zweiten respektive dritten Rang. Da aber Anton im direkten Vergleich gegen Uwe eine Niederlage einkassierte, setzte der Organisator in der Endauswertung Uwe auf Platz zwei und Holsteins Rising Star Anton auf Platz drei. Eine Entscheidung bloß für die Stringenz der Tabelle, weil ansonsten beide eine derart herausragende Leistung bewiesen haben, dass sie eigentlich Silber im Doppelpack verdient hätten.

Anton Brysov im Spiel gegen den Turniersieger Yuki Nagahori. Foto: Alexandra Bumagina.

Beim bislang letzten Hamburger Kyu-Cup 2019 musste Yuki Nagahori, der in Chiba nahe Tokio aufgewachsen ist, noch einen Punkt an Anton abgeben. Diesmal blieb der 31-jährige jedoch ungeschlagen und durfte als souveräner Sieger den Pokal mit nach Hause nehmen. Damit kam der Gewinner des historisch ersten Shôgiturniers auf Bremer Boden aus der ewigen Konkurrenzstadt an der Elbe. Aber darüber konnten sich auch die Bremer Gastgeber freuen. Denn Yuki hat hervorragend gespielt und noch wichtiger: mit viel Spaß und Freude. Und genau das ist es, was Shôgi ausmacht.

Es bleibt zu wünschen, dass das erste Bremer Shôgi-Gartenturnier sich bald wiederholen möge. Aber vielleicht kann ja – selbstverständlich unter gewissenhafter Beachtung aller behördlichen Auflagen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie – in diesem Jahr trotzdem wieder in Hamburg das Kyu-Cup-Open ausgetragen werden. Insider munkeln, dass schon intensiv über einen entsprechenden Termin im Oktober 2020 nachgedacht wird. Dem Shôgisport und seinen Fans wäre das von Herzen zu wünschen.

Shôgi-Gartenturnier Bremen 2020; Bremen, Germany, 2020-08-29

NrNameNatGradeELO1234567Pts+/-
1NagahoriYukiJP2 Kyu1720 5+3+7+8+4+6+2+7+15
2FrischmuthUweDE3 Kyu1340 4+7+6+3+8-5+1-5+28
3BorysovAntonUA5 Kyu1356 8+1-5+2-6+4+7+5+40
4KraheFabianDE5 Kyu1294 2-6+8+7+1-3-5+4+31
5KöhlerIngoDE5 Kyu1285 1-8+3-6+7+2-4-3+6
6GrallaRenéDE5 Kyu1297 7+4-2-5-3-1-8+2-19
7WolffMartinDE8 Kyu1022 6-2-1-4-5-8+3-1+21
8WoscidloJürgenDE10 Kyu1005 3-5-4-1-2+7-6-1+68

Promoting Borysov Anton to 4 Kyu
Promoting Woscidlo Jürgen to 8 Kyu

Mit ein wenig göttlichem Beistand ein besserer Shôgispieler werden

Von Fabian Krahe

Tabletopspieler wissen es schon lange: Nur wer die Würfelgötter nicht erzürnt, wird am Ende siegreich aus einer Schlacht hervorgehen. Aber an wen wenden sich wir Shôgispieler? Wir können natürlich die schöne Caïssa anrufen, die Göttin des Schachs und um ihre Gunst bitten. Oder wir erbitten uns direkt Beistand im Land der Götter.

Caïssa, die Göttin des Schachs in einem Gemälde von Domenico Maria Fratta (1696-1763)

Wer einmal zu Gast ist im Land der aufgehenden Sonne und sich in Tokyo aufhält, sollte unbedingt den in Sendagaya gelegenen Hatonomori-hachiman-jinja 鳩森八幡神社 besuchen. Der Schrein wurde 860 n.Chr. errichtet. In ihm werden der mythische Ôjin Tennô 応神天皇 (200-310; 15. Tennô 270-310) und dessen Mutter Jingû-kôgô 神功皇后 (ca. 169-269), die nach dem Tod ihres Mannes der Legende nach allein über Japan herrschte, verehrt. Der Schrein hat zahlreiche Zweigschreine im ganzen Land. 1976 wurde in der Nähe des Schreins das Shôgikaikan 将棋会館, der Sitz des Nihon Shôgi Renmei errichtet. In der Folge besuchten viele Shôgispieler regelmäßig den Schrein. 1986 wurde auf dem Schreingelände das Shôgi-do 将棋堂 erbaut, in dem ein großer Shôgistein mit einer Höhe von 1,20 m steht, der von Ôyama Yasuharu 大山康晴, dem 15. Meijin auf Lebenszeit und damaligen Vorsitzenden des Nihon Shôgi Renmei gestiftet wurde.

Shôgi-do 将棋堂 (Foto: Thirteen-fri via wikimedia)
Ôgoma 大駒 im Shôgi-do 将棋堂 via Twitter 鳩森八幡神社@hatonomori8man https://twitter.com/hatonomori8man/status/1252756345633169408

Der Ôgoma verbleibt traditionell hinter der geschlossenen Tür des Shôgi-do. Nur einmal im Jahr, am 5. Januar, wird er für drei Stunden der Öffentlichkeit präsentiert. Zu diesem jährlichen Gebetsfest 祈願祭 kommen hohe Repräsentanten des Shôgi, sowie ausgewählte Shôgispieler und beten für die Entwicklung des Shôgi. Anschließend wird in einem speziellen Raum Shôgi gespielt.

In den letzten Jahren hat das Interesse am Shôgi-do zugenommen, vor allem, weil dort Filme wie „Satoshi no Seishun“ und „Sangatsu no Lion“ gedreht wurden. Viele kommen auch, um am Schrein ein Shôgi-o-mamori 御守り zu erwerben. Diese Schutzzeichen sollen dabei helfen das Spiel zu verbessern. O-mamori wirken ein Jahr lang, dann müssen sie erneut gekauft werden und helfen so den Schreinen und Tempeln regelmäßige jährliche Einnahmen zu generieren.

Das Shôgi-dô in Sendagaya ist nur einer von mehreren Pilgerstätten in Japan für Shôgifans. So wird zum Beispiel jedes Jahr am Fuße des Tsûtenkaku in Ôsaka eine Shintôzeremonie zu Ehren Sakata Sankichis 阪田三吉 abgehalten und die Stadt Tendô 天童市 ist nicht nur für ihre Produktion von Shôgisteinen bekannt, sondern auch für ihr jährliches Ningen-Shôgi.

Shôgi-o-mamori 御守り via いつつ -Blog https://www.i-tsu-tsu.co.jp/blog/hatonomorihatimanshrine/
Ôyama Yasuharu (1923-1992), 15. Meijin auf Lebenszeit nachdem er seinen ersten Meijintitel 1952 gewann.

Der Schrein wird auch in diesem kleinen Video über die Profispielerin Kagawa Manao 香川愛生 gezeigt. Ab Min. 2:43, engl. Untertitel sind verfügbar. Kagawa Manaos YouTube-Channel.

Das Buch zum Blog!

Den Blog „Shôgi Hamburg“ gibt es jetzt auch analog. Das Buch mit allen Beiträgen zum Shôgi aus den Jahren 2013-2019 kann jetzt über den Buchhandel bestellt werden.

Shôgi hat in Hamburg eine interessante Entwicklung hinter sich und gezeigt, dass es ein großartiger Kulturvermittler sein kann. Mit diesem Buch wird dies dauerhaft und unabhängig vom Internet dokumentiert.

Shôgi ist die japanische Variante des Schachs. Seit 2013 besteht in Hamburg eine Gruppe von passionierten Japanschachspielern, die regelmäßig Aktionen und Turniere durchführen.
Dieser Sammelband vereint Turnier- und Veranstaltungsberichte dieser Hamburger Gruppe aus den Jahren 2013 bis 2019, die auf dem Blog „Shôgi Hamburg“ erschienen sind.
Dazu enthält der Band vier kurze Essays zur Geschichte und Kultur des Shôgi.

Mit Beiträgen von:
Uwe Frischmuth
René Gralla
Fabian Krahe
Jürgen Woscidlo

Fabian Krahe (Hrsg.): Shôgi Hamburg. Beiträge aus den Jahren 2013 bis 2019. Norderstedt: Books on Demand 2020. 108 Seiten. 15,00 Euro. ISBN-13: 9783751920216.

Das Buch habe ich über Books on Demand in Norderstedt veröffentlicht. D.h. es wird erst nach Bestelleingang gedruckt und die Lieferzeit beträgt dementsprechend vier bis zehn Tage. Das Buch kann direkt über den Buchshop von BoD oder über den stationären Buchhandel bestellt werden. Im BoD Buchshop können auch das Inhaltsverzeichnis und die ersten Seiten eingesehen werden. Bei anderen Internetbuchhändlern wie Amazon oder buecher.de ist das Buch ebenso erhältlich.

Tsume #006

Tsume #006

5手詰

Lösung

☗3六金 ☖3四玉 ☗4六桂 ☖3三玉 ☗4二銀 まで5手で詰み

Wichtig ist, den König nicht nach links entkommen zu lassen, indem man ihn z.B. direkt mit dem Turm auf 1五 angreift. Treibe den König direkt in die Falle.

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Ein Shôgibrett selbst bauen

Von Fabian Krahe

Ich habe mir vor einiger Zeit ein Torishôgi Set gekauft. Die Box mit den Steinen beinhaltete neben den Regeln auch einen Spielplan auf Papier. Das ist ausreichend, aber nicht so schön wie ein eigenes Torishôgibrett. Nach kurzer Recherche musste ich feststellen, dass es so ohne Weiteres keine Torishôgibretter zu kaufen gibt. Also habe ich mir kurzerhand selber zwei gebaut. Ein Klappbrett und ein „Normales“. Dazu braucht es weder viel Zeit noch großes handwerkliches Können. Die Bauanleitung lässt sich natürlich auch auf andere Brettergrößen anwenden.

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Materialien:
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  1. Holz (3-10 Euro)
  2. Schleifpapier (80 Cent bzw. 1,60 Euro für 2 St.)
  3. Geodreieck und langes Lineal
  4. Bleistift
  5. Schwarzer Permanentmarker o.Ä.
  6. Klarlack in einer Sprühdose (5 Euro für den günstigsten auf Epoxidharzbasis, den darf man dann nicht mit bestimmten anderen Farben benutzen, reicht hier aber völlig)
  7. Stoff (ein paar Euro pro laufendem Meter; ich hatte noch Stoff von einem anderen Projekt übrig)
  8. Holzleim (3-5 Euro)
  9. Pinsel

Das Holz kann man im Baumarkt direkt in der richtigen Größe zuschneiden lassen. Ich habe einfaches Leimholz mit einer Stärke von 1,5 cm genommen. Das ist stabil und kostet nicht viel.
Ein Feld auf einem Shôgibrett sollte mindestens eine Größe von 3,3 x 3,5 cm (alternativ auch 3,5 x 3,7) haben. D.h. das Spielfeld eines Torishôgibretts ist 23,1 x 24,5 cm groß. Dazu noch einen Rand rechnen: Ich habe 0,5 cm pro Seite genommen. Im Nachhinein hätte ich doch eher 1 cm oder 1,5 cm genommen, denn auf den breiteren Rand hätte ich noch gut die Zahlen zur Notation schreiben können, aber mit den Maßen 24 x 25,5 cm bin ich absolut zufrieden. Soll ein Klappbrett gebaut werden, ist zu beachten, dass Shôgibretter längsseits gefalltet werden. Hierfür werden also zwei Bretter von 12 x 25,5 cm gebraucht (den einen Millimeter habe ich mir geschenkt).
Zuerst habe ich die Kanten mit einem Sandpapier mit einer 80er Körnung ein klein wenig abgerundet, dann die Oberfläche und Kanten mit einem Schleifpapier mit 240er Körnung abgeschliffen. Anschließend habe ich die Bretter mit Klarlack besprüht, um sie zu versiegeln. Das habe ich 24 Stunden trocknen lassen und dann mit der 240er Körnung vorsichtig geschliffen, um aufgerichtete Holzfasern loszuwerden. Anschließend habe es ein zweites Mal mit Klarlack besprüht. Die Versiegelung der Oberfläche verhindert, dass später die Farbe für die Linien ausfranst, weil sie in das Holz einzieht. Den Klarlack habe ich erneut 24 Stunden trocknen lassen. Der Klarlack sollte nur im Freien aufgetragen werden, außerdem empfehle ich einen Mundschutz zu tragen.
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Im nächsten Schritt habe ich die Linien mit Bleistift vorgezeichnet und mit dem Permanentmarker nachgezogen. Auf der Rückseite habe ich Stoff mit Hilfe von Holzleim angeklebt. Der Stoff fungiert beim Klappbrett als Scharnier, so liegt das Klappbrett plan auf dem Tisch auf, anders als wenn ich ein Metallscharnier auf die Rückseite geschraubt hätte ohne es zu versenken, wie dies bei billigen Shôgibrettern der Fall ist. Ich empfehle, den Holzleim mithilfe eines Pinsels und verdünnt mit etwas Wasser auf der Rückseite zu verteilen. Trocknen lassen. Fertig.
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