Partie: Ingo Iwasaki vs. Fabian Krahe am 09. November 2019 auf dem 6. Shôgi Kyu Cup Hamburg

先手 (Schwarz): Ingo Iwasaki (7k)
後手 (Weiß): Fabian Krahe (6k)
Datum: 2019-11-09
Ergebnis: 0-1
Anzahl Züge: 76

Die Partie habe ich in der dritten Runde des 6. Shôgi Kyu Cup Hamburg gegen Ingo Iwasaki gespielt. Nachdem ich letztes Mal nicht teilnehmen konnte und Ingo zum zweiten Mal beim Kyu Cup mitgespielt hat, war dies unsere erste Partie.

Ingo hat zunächst defensiv gespielt und begonnen ein Yagura zu bauen, während ich mit einem Ibisha in Kombination mit einem Funagakoi recht eher offensiv gespielt habe. Mit (a) ☖5三銀☗5八飛 haben wir nach zwanzig Zügen recht einvernehmlich entschieden, dass wir um die Mitte kämpfen werden. (b) Hier wäre ☖6六歩 ☗6二銀成☖6七歩成☗5二成銀☖7八と☗同玉 wohl besser gewesen. (c) Der Zug war nicht gut. Hier steht Weiß auf gewinn. Schwarz hätte besser mit dem Bauern ☗5三歩成 angegriffen. Entweder schlägt Weiß mit dem Turm und es komm zum Abtausch mit ☖同飛☗同飛成☖同金 oder Weiß schlägt mit dem Gold ☖同金 und danach folgt ☗5四銀. (d) Dieser Zug war vlt. nicht der Bestmöglichste. Die Idee war offensichtlich eine Gabel, die den König und den Gold bedroht. Gleichzeitig sollte der Turm als Anker dienen um weiter Druck auf den König aufrecht zu erhalten. Der angebotene Turmtausch mit ☗6六飛 entweder für den Läufer oder halt den Turm war nicht gut. Ein Bauer ☗6六歩 wäre besser gewesen, um den Angriff zu blockieren und nach ☖4五飛☗5六銀 hätte Schwarz den weißen Turm erobert.

☗7六歩☖8四歩☗6八銀☖8五歩☗7七銀☖3四歩☗7八金☖4二玉☗6六歩☖3二玉☗2六歩☖5二金右☗5八金☖6二銀☗5六歩☖3三角☗6七金右☖5四歩☗7九角(a)☖5三銀☗5八飛
☖4四銀☗4八銀☖7四歩☗6九玉☖4二銀☗1六歩☖5三銀上☗4六角☖5五歩☗同歩☖6四銀☗5四歩☖5五銀右

☗6八角☖6四歩☗7九玉☖7三桂☗5七銀☖6五歩☗4六銀☖6二飛☗5五銀☖同銀☗5三銀 (b)

☖6三飛☗5二銀成☖同金☗4五金☖6六銀☗同金☖同歩☗5六銀 (c)

☖6七銀☗5七飛☖7八銀成☗同玉☖6七銀☗同銀☖同歩成☗同飛☖同飛成☗同玉☖6五飛 (d)

☗6六飛☖同角☗同銀☖4五飛☗4六歩☖5五歩☗4五歩☖5六銀☗7八玉☖6七金☗7九玉☖7八金打まで76手で後手の勝ち

Zum Nachspielen der Partie am Computer, stelle ich hier die Partie als kif-Datei zur Verfügung.

Alle Grafiken habe ich mit BCM Shogi von Bernard C. März erstellt. Die Analyse habe ich mit ShogiGUI und der GPSfish 検討用 Engine vorgenommen.

Und das sechste Pferd ging an: Chung Man Chan! Bericht vom Shôgi Kyu Cup Hamburg 2019

Er läuft und läuft … zum sechsten Mal nun schon wurde der Shôgi Kyu Cup am 9. November 2019 in Hamburg ausgespielt.
Ein Erfolgsgeheimnis dürfte die anregende Mischung aus vorwiegend lokalen Spielern und weiter Angereisten sein. Obgleich das Turnier sein Stammpublikum hat, tauchen beileibe nicht immer dieselben Teilnehmer auf. Trotzdem kamen wir auch dieses Jahr auf 14 Teilnehmer, davon im strengen Sinne 4 Jugendspieler. Die haben sich dieses Mal sogar ohne ihren angestammten Mentor, den Harburger Schachlehrer Jürgen Woscidlo, angemeldet, um ihre Spielkünste zu verbessern. Alle Achtung.
Was ist vom Gesamt-Turniergeschehen erwähnenswert?

René Gralla (li.) und Rolf Müller.
Rolf Müller (re.) und René Gralla.

Zum Einen die Anmeldung von Rolf Müller aus Lübeck. Hatte er doch in seinem Haus und Garten im Sommer 2019 ein eigenes Lübecker Turnier ins Leben gerufen, welches fabelhaft bei den Teilnehmern ankam. Rolf ließ sich von seinen – schon fast ‚konstant spärlich‘ zu nennenden Erfolgserlebnissen am Brett – nicht beirren und meldete sich wieder zum Shôgi Kyu Cup an! Selbst von einem Unfall, der die Autobahn stundenlang blockierte, ließ er sich nicht dauerhaft aufhalten, weshalb er zwei Runden verpasste. Ein wichtiger Zusatzgrund für diesen Einsatz wurde sogleich von ihm auf den Tisch gestellt – reichlich Kuchen für die Teilnehmer, welche sich nicht zweimal bitten ließen, … „Das Turnier“ belohnte ihn dafür auf seine Weise: er wurde nicht Letzter!
Wolfgang Reher, der sich nach seinem zweiten Platz beim Kyu Cup 2015 offensichtlich nach neuen Herausforderungen abseits des Shôgi-Bretts umschaut, flanierte wieder einmal als helfender Beobachter durch den Turniersaal.
Ingo Köhler, Vorjahressieger, wollte sich auf seinen Lorbeeren nicht ausruhen und suchte erneut die Herausforderung; die dieses Jahr härter ausfiel. Seinem Kyu Pferd zuhause war das sicherlich egal.

Ingo Köhler (re.) im Spiel vertieft gegen Uwe Frischmuth.
Ingo Köhler (re.) im Spiel vertieft gegen Uwe Frischmuth.

Besondere Freude musste Ingo Iwasaki empfunden haben. Hatte er letztes Jahr noch leicht geknickt den Spielsaal wegen seines persönlichen Turnierverlaufs verlassen– so lieferte er dieses Mal eine ihm entsprechende Leistung ab. Geht doch!

Ingo Iwasaki (re.) gegen Ian Meinköhn.
Ingo Iwasaki (re.) gegen Niels Meinköhn.

Die hohe Leistungsdichte zeigte sich dieses Jahr besonders deutlich. Neben den beiden ersten Turnierplätzen erreichten gleich 6 von 14 Teilnehmern 3 Punkte, welche sich auf die Plätze 3-8 verteilten. Anton Borysov, 14 Jahre alt, hatte bereits bei seinem Sieg gegen Yuki Nagahori eine besonders starke Duftmarke gesetzt, die er mit einem Sieg gegen Uwe Frischmuth noch verstärkte. Da ihm in sehr aussichtsreicher Stellung gegen René Gralla dann doch die Puste ausging, blieb ihm „nur“ der dritte Platz in der Abschlusswertung. Andernfalls hätte er um den Turniersieg mitgespielt. Trotzdem eine Riesenleistung, Anton!

Bester Hamburger Jugendspieler: Anton Borysov.
Bester Hamburger Jugendspieler: Anton Borysov.

Auch der viertplatzierte René Gralla schien mit seiner Leistung versöhnt, ist er doch Anton Borysov in letzter Sekunde trickreich von der Schippe gesprungen. Das Hamburger Urgestein Fabian Krahe landete als vorgewerteter 7ter auf dem 5ten Platz – welches für ihn zufriedenstellend sein dürfte.

Niels, Ian und Sven Meinköhn zusammen mit dem Turniersieger Chung Man Chan.
Niels, Ian und Sven Meinköhn zusammen mit dem Turniersieger Chung Man Chan.

Die hinteren Platzierungen sind allesamt mit einem zählbaren Punkt nach Hause gegangen. Darunter die drei Meinköhn-Brüder Niels, Ian und Sven, die sich weiterhin im Turniersaal blicken lassen.
Martin Wolff hatte mit 2 Punkten ein wohl durchwachsenes Ergebnis. Aber als Teilnehmer der gerade beendeten diesjährigen Janggi Weltmeisterschaft in China konnte er seine positiven Erinnerungen daran wohl beim Shôgi doch nicht ganz abschalten.

Martin Wolff (re.) gegen Niels Meinköhn.
Martin Wolff (re.) gegen Niels Meinköhn.

Unser Gründervater Masaomi Ishii hatte diesmal etwas mehr Erfolg als beim letztmaligen Alster Cup im April 2019, auf den wir an dieser Stelle aufmerksam machen wollen.

Masaomi Ishii (dritte v. re.)
Masaomi Ishii (dritte v. re.)

Das wichtigste zuletzt: auch seine Anmeldung als erster Spieler – unmittelbar nach der Siegerehrung zum Kyu Cup 2018 – hat in Chung Man Chan wohl die Kräfte freigesetzt, die es zu einem Turniersieg braucht. Er wollte es wissen. Formell an zweiter Stelle der Teilnehmerliste gesetzt, wollte er den missglückten Versuch im letzten Jahr ungeschehen machen. Der Turnierverlauf machte es Chung Man Chan auch diese Jahr nicht einfach – verlor er doch ausgerechnet gegen Yuki Nagahori – Neu-Hamburger und Sieger von Lübeck 2019.

Chung Man Chan (li.) gegen Yuki Nagahori in der vierten Runde.
Chung Man Chan (li.) gegen Yuki Nagahori in der vierten Runde.

Da Yuki seine Partie gegen das Hamburger Shôgitalent Anton Borysov in den Sand setze, ergab sich nach der 5ten und letzten Runde die Notwendigkeit zu einem Tiebreak – gemäß der Tradition des Shôgi Kyu Cups Hamburg. Bei Punktegleichheit werden die direkten Ergebnisse nicht gezählt – es wird in einem Tiebreak ausgeblitzt. Hier konnte sich Chung Man gegen Yuki durchsetzen. Herzlichen Glückwunsch!

René Gralla wies auf einen interessanten Umstand hin: seit Jahren werden unsere Shôgi Aktivitäten vom „chinesischen“ Konfuzius Institut massiv unterstützt; so auch diesmal. Shôgi erfreut sich auch in China seit Jahren wachsender Beliebtheit und Spielstärke. Insofern hatte der diesjährige Gewinner chinesischer Herkunft gegen einen Zweitplatzierten aus Japan so eine Art Heimvorteil, den dieser zu nutzen verstand …

Nach dem Ende dieses wieder in sehr freundschaftlicher Atmosphäre durchgeführten Turniers freuen wir uns schon auf den 18. April 2020: Dann findet das „Shôgi Open Hamburg“ statt. Der vormalige „Alster Cup“ wurde in „Shôgi Open Hamburg“ umbenannt, um klarer zum Ausdruck zu bringen, dass dieses Turnier offen für alle Teilnehmer ist – im Gegensatz zum „Shôgi Kyu Cup Hamburg“.

Uwe Frischmuth & René Gralla
Shôgi Hamburg

Die Teilnehmer des 6. Shôgi Kyu Cup.
Die Teilnehmer des 6. Shôgi Kyu Cup, und die Verantwortlichen des Konfuzius-Instituts (2. R. li.)

6. Shôgi Kyu Cup Hamburg 2019, 2019-11-09, Ergebnisse

Nr Name Nat Grade ELO 1 2 3 4 5 Pts +/-
1 Chan Chung Man HK 2 Kyu 1596 7+ 4+ 3+ 2- 5+ 4 6
2 Nagahori Yuki JAP 1720* 5+ 3- 6+ 1+ 4+ 4
3 Borysov Anton UKR 5 Kyu 1257 10+ 2+ 1- 4- 6+ 3 99
4 Gralla René DE 5 Kyu 1261 11+ 1- 9+ 3+ 2- 3 36
5 Krahe Fabian DE 6 Kyu 1257 2- 13+ 7+ 8+ 1- 3 37
6 Frischmuth Uwe DE 3 Kyu 1340 14+ 8+ 2- 10+ 3- 3 0
7 Iwasaki Ingo DE 7 Kyu 1181 1- 11+ 5- 13+ 9+ 3 16
8 Köhler Ingo DE 5 Kyu 1292 9+ 6- 13+ 5- 10+ 3 -7
9 Wolff Martin DE 9 Kyu 991 8- 14+ 4- 11+ 7- 2 31
10 Ishii Masaomi JAP 11 Kyu 762 3- 0+ 14+ 6- 8- 2 71
11 Meinköhn Niels DE 11 Kyu 860 4- 7- 12+ 9- 14+ 2 45
12 Müller Rolf DE 14 Kyu 538 0- 0- 11- 14- 13+ 1 24
13 Meinköhn Sven DE 1* 0+ 5- 8- 7- 12- 1
14 Meinköhn Ian DE 8 Kyu 1070 6- 9- 10- 12+ 11- 1 -52

Promoting Nagahori Yuki to 2 Kyu
Promoting Krahe Fabian to 5 Kyu
Promoting Iwasaki Ingo to 6 Kyu
Promoting Wolff Martin to 8 Kyu
Promoting Meinköhn Niels to 10 Kyu

In eigener Sache: Shôgi Hamburg hat nun einen YouTube-Kanal

Liebe Shôgi-Enthusiasten,

ich habe heute einen YouTube-Kanal eingerichtet. Ich hoffe, dort auch in Zukunft Videos von Shôgi-Partien, -Turnieren und Veranstaltungen, sowie von Veranstaltungen anderer Schachvarianten in Hamburg zu veröffentlichen.

Das erste Video ist eine Aufnahme vom Blitz um Platz 1 beim gestrigen 6. Shôgi Kyu Cup Hamburg:

6. Shôgi Kyu Cup Hamburg, 9. November 2019
Blitzpartie um Platz 1
Schwarz: Yuki Nagahori (-/1698 Elo*) vs.
Weiß: Chung Man Chan (2 Kyu/1596 Elo)
Ergebnis: 0-1

Die kif-Datei zum Download und nachspielen der Partie.

*vorläufige Elo-Zahl

Fabian Krahe

Shôgi in Manga und Anime

Von Fabian Krahe

Manga und Anime sind derzeit wohl das wichtigste kulturelle Exportprodukt Japans. Seit den 90er Jahren sind sie auch bei uns in Deutschland wirklich heimisch geworden. Für den Erfolg ist sicherlich auch das „Erwachsen werden“ des Anime – besonders durch Hideaki Annos „Neon Genesis Evangelion“, wobei am Ende von Folge 14 auch kurz Shôgi geübt wird – in diesem Jahrzehnt mit verantwortlich. Wichtige Meilensteine sind auch einem breiteren Publikum bekannt, die sonst keine Anime schauen, wie z.B. Akira (1991), Ghost in the Shell (1997) oder die Produktionen von Studio Ghibli. Mit für den Erfolg waren auch Serien verantwortlich, die ab Anfang der 2000er Jahre im deutschen Fernsehen liefen, wie Sailor Moon, Dragonball und Pokémon. Anders sieht es bei Manga aus. Während viele Jugendliche und junge Erwachsene Mangas lesen, haben sie in der popkulturellen Rezeption in Deutschland bisher doch eher wenig Aufmerksamkeit erfahren. Aber immerhin kommen so mehr Menschen in der Bundesrepublik mit japanischer Literatur in Kontakt, wurden und werden doch in Deutschland kaum Bücher japanischer Schriftsteller verlegt. Abgesehen natürlich von Murakami Haruki (村上春樹), der vielen doch auch erst durch einen „Skandal“ beim Literarischen Quartett bekannt geworden ist. Wobei der Skandal vor allem die betrübliche Übersetzungspraxis japanischer Bücher beleuchtet hat. Murakami mag einem großen Leserkreis auch in Deutschland haben, doch schon bei Kawabata Yasunari (川端康成), Mishima Yukio (三島由紀夫), Natsume Sôseki (夏目漱石) oder gar Endô Shûsaku (遠藤周作) wird man doch nur fragendes Kopfschütteln ernten.

Doch nun genug der deutschen Kulturignoranz. In Japan sind Manga allgegenwärtig. Hat ein Manga Erfolg, wird er fast immer auch schnell als Anime umgesetzt. Der Manga in seiner heutigen Form ist besonders durch Tezuka Ôsamu (手塚治虫), dem „Manga no Kami-sama“ (漫画の神様, Gott des Manga), geprägt worden, der in Deutschland allerdings kaum bekannt ist. Manga werden i.d.R. nach ihrer demographischen Zielgruppe kategorisiert, wobei die wohl wichtigste Kategorie der Shônen-Manga ist, der sich an junge, männliche Leser richtet. Zu dieser Kategorie zählen zum Beispiel die national und international bisher erfolgreichsten Manga One Piece und Dragon Ball. Auch wenn Fantasyformate am erfolgreichsten sind, erscheinen Manga zu allerlei möglichen Themen, von Kochen bis Sexualaufklärung.

Hikaru no Go

Auch Shôgi hat seinen großen auf Auftritt in kleinen Bildern, nur seinen Weg nach Deutschland haben sie bisher nicht gefunden. Immerhin hat der Manga „Hikaru no Gô“ (ヒカルの碁) seinen Weg in deutsche Buchhandlungen gefunden; was sicherlich auch daran liegt, dass Gô in Deutschland bekannter ist und mehr gespielt wird als Shôgi. Der Manga selbst ist auch eine Folge des langsamen Niedergangs des Gô in Japan in den 70er und 80er Jahren. Zu dieser Zeit galt Gô als das Spiel alter Männer und konnte daher nur wenige Kinder und Jugendliche begeistern. Es fehlte der Nachwuchs und Südkorea nahm Japan mittlerweile den Rang der führenden Gô-Nation ab. Mit dem Manga, einem Medium, dass der Nachwuchs kannte und liebte, sollten also neue Spieler gewonnen werden. So erhielt der Manga auch durch Umezawa Yukari 5-Dan (梅沢由香里) eine professionelle Unterstützung. Auch in Deutschland wurde der Manga zur Rekrutierung des Nachwuchses eingesetzt. Aus gleichem Grund sind auch Shôgimangas entstanden, um die Jugend für die schönste aller Schachvarianten zu begeistern. Die Geschichte von Hikaru no Gô dreht sich um den 12-jährigen Shinda Hikaru, der auf dem Dachboden seines Großvaters ein Gô-Brett findet, in dem der Geist Fujiwara no Sai wohnt. Mit dessen Hilfe taucht Hikaru immer  weiter in die Welt des Gôs ein. In Folge vier bzw. Sammelband 7 begegnen wir mit Kaga Tetsuo auch einem starken Shôgispieler und Präsident des Shôgiclubs der Haze Mittelschule. Er war früher Gô-Spieler, hat das Spiel jedoch aufgegeben, weil es ihm zu langeweilig wurde. Ab und zu spielt er noch Gô und schneidet bei Turnieren gut ab, da er immer noch ein guter Spieler ist. Die Serie erschien von 1999 bis 2003 in Shûkan Shônen Jump und ist mit 23 Sammelbänden abgeschlossen. Von 2001 bis 2003 strahlte TV Tokyo eine Anime Adaption mit insgesamt 75 folgen aus.

Die japanische Wikipedia hat eine eigene Kategorie mit Shôgi Manga, die immerhin 27 Einträge umfasst. Allerdings ist diese Liste weder vollständig, noch befassen sich alle dort aufgeführten Manga monothematisch mit Shôgi. Von diesen aufgezählten Manga sind lediglich eine Handvoll auch außerhalb Japans bekannt. Eine weitere gute Auflistung gibt es hier (japanisch). Im folgenden möchte ich nun auch international bekannte Manga vorstellen, in denen Shôgi vorkommt.

Sangatsu_no_Lion

Der bekannteste dürfte sicherlich „Sangatsu no Lion“ (3月のライオン‎) sein, der 2017 als Live-Action Film verfilmte wurde. Die Mangareihe von Umino Chika (羽海野チカ) erscheint seit 2007 im Magazin Young Animal und umfasst derzeit 15 Tankôbon Bände. Protagonist ist Kiriyama Rei, ein 17-jähriger Profispieler, dessen Familie bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist, als er noch klein war. Der Manga erzählt von seinen Problemen mit seiner Adoptivfamilie, seinen Freunden und dem täglichen Leben als Profispieler. Eine englisch-, oder gar deutschsprachige Veröffentlichung steht leider noch immer aus, nicht aber eine französischsprachige, die von 2017 bis 2019 im belgischen Verlag Kana erschienen ist.

Neben Sangatsu no Lion sticht der Manga „81 Diver“ (ハチワンダイバー) von Shibata Yokusaru (柴田ヨクサル) heraus, der von 2006 bis 2014 im Magazin Shûkan Young Jump erschien. Die 33 Sammelbände das Manga sind in Zusammenarbeit mit Suzuki Daisuke 9-Dan (鈴木大介), der übrigens zu den wichtigsten Furibisha Experten gezählt wird, erschienen. Die Reihe folgt dem Protagonisten Sugata Kentarô, dem es nicht gelingt Profispieler zu werden und sich fortan als Shinkenshi über Wasser hält. 81diver_volume_1Nachdem er 183 Siege in Folge erspielen konnte, wird er von eine mysteriösen weiblichen Shinkenshi besiegt. Er wird Reinigungskraft in einem Maidcafé und Lehrling der Shôgspielerin, die ihn besiegt hat. 2008 wurde der Manga als Fernseh-Dorama mit insgesamt 11 Folgen von Fuji-TV adaptiert. Ein deutscher Release von Manga und Dorama ist bisher nicht erfolgt, und damit ist auch nicht mehr zu rechnen. Auch eine englischsprachige Ausgabe gibt es nicht, allerdings tauchen immer Mal wieder die Dorama Folgen mit Untertiteln, die von Dorama Fans erstellt wurden, im Internet auf.

Dontt cry Zeffiro totaal

Auf Englisch ist immerhin in zwei Bänden der Manga „Don’t Cry Zeffiro“ (笑え、ゼッフィーロ) von Yanagiha Akira (柳葉あきら) erschienen, den er ab 2008 für das mittlerweile eingestellte Magazin Shûkan Shôgi schrieb. Die Übersetzung erledigte der allseits bekannte Shôgipromoter Kawasaki „Hidetchi“ Tomohide und erschien bei Nekomado. Asukada ist das letzte verbliebene Mitglied seines Oberschuleshôgiclubs. Da er jedoch mindestens fünf Mitglieder braucht, um als Club an der Schule fortzubestehen, macht sich Asukada auf neue Mitglieder zu werben und schließlich mit dem Club an Wettkämpfen teilzunehmen. Der Manga erzählt damit eine klassische Clubgeschichte.

Shion_no_Ō_manga_volume_one

Leider auch nicht auf Deutsch oder Englisch, dafür aber auf Französisch (Kings of Shogi), ist der Manga „Shion no Ô“ (しおんの王) von Hayashiba Naoko (林葉直子), hier unter dem Namen Katori Masaru, und Andô Jirô (安藤慈朗) in 8 Sammelbänden erschienen. Die Reihe erschien von 2004 bis 2008 im Magazin Monthly Afternoon und ist mit 22 Folgen von 2007 bis 2008 von Fuji TV adaptiert worden. Der Manga fällt in das Genre Mysterie Thriller. Die Protagonistin Yasuoka Shion wird als Kind Zeuge des Mordes an ihren Eltern. Der Mörder nimmt den König aus dem Shôgiset ihres Vaters, daher glaubt sie, dass er ein Shôgispieler ist. Der Schock des Mordes führt dazu, dass Shion verstummt und fortan über ein Schreibpad kommuniziert. Aus Liebe zum Spiel und um den Mörder ihrer Eltern zu finden, beginnt sie selbst, das Shôgi zu meistern.

Ein wenig heraus fällt in dieser Auflistung „The Ryuo’s Work is Never Done!“ („りゅうおうのおしごと!“). The Ryuo’s Work is Never Done! ist eine Light Novel Reihe von Shiratori Shirô (白鳥士郎). Seit 2015 sind 11 Bände erschienen, außerdem ist die Serie mit vier Bänden als Manga und mit 12 Folgen als Anime adaptiert worden. Eine englische Übersetzung der Light Novel ist bei Book Walker als E-Book erschienen und nur über dessen Webseite erhältlich. Im Mittelpunkt der Handlung steht der 16 Jahre alte Kuzuryû Yaichi, der als Profispieler bereits den Titel des Ryû-ô gewonnen hat. Er nimmt die neun Jahre alte Hinatsuru Ai als seinen Lehrling an und die Romane folgen ihrem Weg in der Shôgi Welt. Die Reihe hat starke Lolicon und Yandere Elemente und ist daher mit Vorsicht zu genießen. Ich kann es nicht empfehlen.

NarutoCoverTankobon1

Als wichtiges japanisches Kulturgut taucht Shôgi auch in Mangas auf, die ein ganz anderes Thema haben. Am bekanntesten ist hier sicherlich der Manga Naruto (NARUTO -ナルト-), der zu den Erfolgreichsten überhaupt gehört. Der Manga spielt in einer Fantasywelt, in Ninja eine wichtige Rolle spielen. Der Protagonist Uzumaki Naruto hat sich als Ziel gesetzt der oberste Ninja seines Dorfes zu werden. Shôgi wird vor allem von dem Charakter Nara Shikamaru gespielt. Dieser ist äußerst intelligent, was durch das Shôgi spielen nochmals besonders betont werden soll. Durch seine Intelligenz kann er komplexe Situationen in kürzester Zeit durchdenken, dafür stellt er sie sich als Shôgipartien vor. Der Manga erschien von 1999 bis 2014 im Magazin Shônen Jump und umfasst als 72 Sammelbände. Die Anime Adaption erschien in zwei Serien mit insgesamt 720 Folgen. Siehe auch hier zu Shôgi bei Naruto. Durch Naruto hat auch Karolina Styczyńska, die erste nicht-japanische Profispielerin zum Shôgi gefunden.

Conan-Shogi web

Ein anderer in Deutschland wohl bekannter Manga, in dem Shôgi doch hin und wieder auftaucht ist Detektiv Conan (名探偵コナン). Die Krimireihe von Aoyama Gôshô (青山剛昌) läuft bereits seit 1994 im Magazin Shônen Sunday und bringt es damit auf bisher 96 Sammelbände. Die seit 1996 ununterbrochen auf Nippon TV laufende Anime Adaption hat mittlerweile auch mehr als 950 Folgen. In Fall 27, der aus den Kapiteln 99, 100 und 101 (Sammelband 10 & 11) besteht und im Anime in Folge 47 umgesetzt wurde, benutzt das Mordopfer Ôyama Masashi ein Feuerzeug und eine Tischdecke, um kurz vor seinem Tod eine Shôgibrett darzustellen und so auf seinen Mörder hinzuweisen. Der Hinweis funktioniert in der deutschen Übersetzung allerdings nicht, da er auf den Namenskanji der Verdächtigen und den Kanji der Shôgisteine basiert. Außerdem erfahren wir, dass man mit Shôgi auch andere Nachrichten übermitteln kann (s.l.). Ab Fall 244 (Kapitel 847, 848 und 849 in Sammelband 80; Folge 731 und 732 des Anime) wird der Shôgiprofi Haneda Shûkichi als (Ex-)Freund der Polizistin Miyamoto Yumi ein wiederkehrender Charakter. Shûkichi hat sich als Ziel gesetzt alle sieben Titel zu gewinnen. Als hervorragender Shôgispieler verfügt er über eine gute Kombinationsgabe und benutzt bei seinen Schlussfolgerungen Analogien zum Shôgi.

Wir sehen also bereits an diesen wenigen Beispielen, dass es eine ähnlich breite Verarbeitung des Shôgithemas in japanischen Manga und Anime, wie im japanischen Film gibt. Die Anzahl der Shôgithema Manga ist allerdings deutlich höher, als die von Anime oder gar von Filmen.

Gegenüber dem westlichen Kulturraum zeigt sich dann allerdings doch, wie stark bestimmend Manga in der japanischen Kultur ist, den vergleichbare Comicbücher mit Schachthematik gibt es in westlichen Kulturraum nicht. Es lassen sich einige Einzelwerke finden, wie eine Graphic Novel Adaption der Schachnovelle oder „The Incredible Adventures of Chessman“ von Großmeister John Watson, das 1975 bei The Chess House erschien. In amerikanischen Comicbüchern taucht Schach auch häufig in einzelnen Geschichten auf. Eine Übersicht findet sich hier. Daneben gibt es auch eine Vielzahl an Cartoons und Comicstrips. Große Comicbuchreihen mit Schachspielern als Protagonisten und von deren Liebe zum königlichen Spiel lassen sich allerdings nicht finden.