Bericht: „Kyu Cup Hamburg 2014“

Supertalent Konrad-Leo überflügelte sogar den Sensei

Jugendsieger Konrad Leo Adler Foto von Dörte Adler
Jugendsieger Konrad-Leo Adler (l.), Turnierdirektor Uwe Frischmuth (r.) ist sichtlich begeistert.
Foto: Dörte Adler

Zum ersten Mal ein Shôgi-Turnier in der Elbmetropole: Bei der Premiere des „Kyu Cups Hamburg“ am 29. November 2014 haben 14 Titelaspiranten aus Berlin, Wolfsburg und der Hansestadt um Sieg und Platz sowie wertvolle Ratingpunkte gekämpft. Und das an einem Ort mit einem ganz besonderen Flair: Der Wettbewerb wurde ausgetragen im chinesischen Teehaus „Yu Garden“ gleich hinter dem Völkerkundemuseum.

Das hatte vor allem praktische Gründe: Das japanische Teehaus im zentralen Park Planten un Blomen ist von November bis April geschlossen. Und so nahm Turnierdirektor Uwe Frischmuth, der sich bereits in der deutschen Chinaschach-Szene einen Namen gemacht hat, sehr gerne die Einladung des örtlichen Konfuzius-Instituts an, dessen Räume im romantischen Yu Garden für die Veranstaltung zu nutzen.
Japan meets China, ein Tatbestand nicht ohne eine gewisse Brisanz, gerade eingedenk der jüngeren Vergangenheit, insbesondere während des Zweiten Weltkrieges. Und deswegen erst recht symbolkräftig: „Shôgi verbindet die Menschen“, sagte in seiner Begrüßungsansprache der Journalist René Gralla, der mit einer Shôgi-Präsentation im Rahmen des Japantages 2013 an der Universtität Hamburg das aktuelle Revival des Nipponschachs im hohen Norden auf den Weg gebracht hatte.

Gesamtsieger Daniel Többens Foto von Dörte Adler
Gesamtsieger Daniel Többens
Foto von Dörte Adler

Shôgi als Freundschaftsstifter, ein zukunftsweisendes Leitmotiv des Kräftemessens am Sonnabend vor dem ersten Advent. Entsprechend nahm sich auch Monika Mizuno Bereuter, prominente Promoterin des japanisch-deutschen Kulturaustausches in der Hansestadt, trotz gedrängten Terminkalenders die Zeit, an der Eröffnungsfeier teilzunehmen. Die den Startschuss gab für den Sturmlauf eines Mannes: Nach fünf Runden hatte Daniel Többens, 2 Kyu, der zusammen mit Oliver Richter angereist war aus der Hauptstadt der Republik, den Rest des Feldes klar distanziert.

Die makellose Bilanz des strahlenden Siegers (5 Punkte aus 5 Partien) ist um so bemerkenswerter, als Daniel Többens zugleich auch das Orga-Team um Uwe Frischmuth, Wolfgang Geise (vom Hausherr Konfuzius-Institut) und René Gralla fachkundig und tatkräftig am Rechner unterstützte.
Sensationell war die Leistung von Sebastian Mellert: Vorher hatte er noch nie das Turnierparkett betreten, und nun kämpfte er sich quasi aus dem Stand ganz nahe an den Topfavoriten Daniel Többens heran, holte 80 Prozent der möglichen Punkte. Das katapulierte den Shooting Star auf Platz 2 und machte Sebastian Mellert zum besten Hamburger beim Kyu Cup.
Der dritte Rang ging an den Vertreter der Autostadt Wolfsburg. Schließlich hatte Ingo Köhler das Shôgi direkt vor Ort im Mutterland studiert, immer nach Feierabend, als er eine Zeitlang im Kaiserreich unter dem Sonnenbanner arbeitete. Ein Erfahrungsschatz, der dem Japanheimkehrer jenes Plus an Routine verlieh, das in der Schlussabrechnung den Unterschied ausmachte zum undankbaren Platz 4, über den Hamburgs ambitionierter Leistungsträger Fabian Krahe an diesem Tag leider nicht hinauskam.
Die Jugendkonkurrenz entschied der erst neunjährige Konrad-Leo Adler für sich. Das Supertalent besiegte sogar den deutlich älteren 11-Kyu-Spieler Oliver Richter und eroberte damit in der Gesamttabelle einen sensationellen neunten Platz, noch vor dem Hamburger Sensei Masaomi Ishii.

Jetzt wird die zweite Auflage des Kyu Cups geplant, voraussichtlich als neuer Höhepunkt des Kirschblütenfestes im Mai 2015.

– René Gralla

Artikel geändert am: 10.12.2014.

Ein Bericht über den Kyu Cup Hamburg findet sich auch in „JAPAN auf einen BLICK“ Nr. 186 (S.22), dem monatlichen Informationsblatt des japanischen Konsulats in Hamburg.

Kyu Cup, Hamburg : 2014-11-29

Nr Name Nat Grade ELO 1 2 3 4 5 Pts +/-
1 Többens Daniel DE 2 Kyu 1525 13+ 12+ 5+ 2+ 4+ 5 +16
2 Mellert Sebastian DE 1343* 11+ 10+ 4+ 1- 8+ 4
3 Köhler Ingo DE 1066* 14+ 4- 8+ 13+ 5+ 4
4 Krahe Fabian DE 10 Kyu 961 9+ 3+ 2- 6+ 1- 3 +55
5 Dreier Konrad DE 849 6+ 8+ 1- 9+ 3- 3 +57
6 Wolff Martin DE 860* 5- 11+ 7+ 4- 12+ 3
7 Müller Maurice DE 823* 8- 14+ 6- 10+ 9+ 3
8 Gralla René DE 11 Kyu 850 7+ 5- 3- 12+ 2- 2 +19
9 Adler Konrad-Leo DE 715* 4- 13+ 10+ 5- 7- 2
10 Richter Oliver DE 793 12+ 2- 9- 7- 14+ 2 -5
11 Ishii Masaomi JP 538* 2- 6- 12- 14+ 13+ 2
12 Frischmuth Uwe DE 549* 10- 1- 11+ 8- 6- 1
13 van Voorhuis Jaac DE 407* 1- 9- 14+ 3- 11- 1
14 Meinköhn Ian DE 1* 3- 7- 13- 11- 10- 0

Promoting Konrad Dreier to 11 Kyu
Promoting René Gralla to 10 Kyu
Promoting Oliver Richter to 13 Kyu

Grumbrechtstraße vs. Halstenbek

Liebe Freunde des königlichen Spiels,

am Freitag, 28.11.2014, 10:00 Uhr war es endlich soweit. Nach drei Monaten intensiver Vorbereitung traf die Mannschaft der japanischen Schule Halstenbek in der Schule Grumbrechtstraße ein. Unter Leitung des Schulleiters der japanischen Schule: Herr Kanei, sowie der Lehrerin Fr. Miyakita und der Praktikantin Fr. Granse sollte der Rückkampf im Shôgi stattfinden. Am 18. November 2013 war die Shôgimannschaft der Schule Grumbrechtstraße zu Gast bei der japanischen Schule in Halstenbek und nun folgte der Gegenbesuch.

Alles im Griff: Halstenbeks Nanami Hirama (li.) lässt Caner Kurt (re.) aus Hamburg-Heimfeld auflaufen. Foto: Jumpei Tainaka
Alles im Griff: Halstenbeks Nanami Hirama (li.) lässt Caner Kurt (re.) aus Hamburg-Heimfeld auflaufen.
Foto: Jumpei Tanaka

Gespielt wurde im Schachraum der Schule Grumbrechtstraße und Dank der gemeinsamen Aktionen von Schulleitung, Kursleitung und Eltern wurde die Zeit von 10:00 bis 14:00 zu einer Sternstunde des Shôgi. Nebenbei wurde dabei auch Schachgeschichte geschrieben, denn es war das erste Shôgi Turnier überhaupt in der Harburger Geschichte und dies obwohl es auch in Harburg japanische Firmen und Einwohner gibt.
Das Match ging über drei Runden und gewertet wurde sowohl die Mannschaftsleistungen als auch die ersten drei Platzierten. Mit den Schiedsrichtern Fabian Krahe, Dr. Rene Gralla und Jürgen Woscidlo stand ein kompetentes Schiedsrichterteam zur Verfügung. Nach den Begrüßungsworten durch Herrn Kanei und Reiner Kühlke, den Schulleiter der Schule Grumbrechtstrasse ging es dann zur Sache.
Nach Runde 1 Stand es 4:5 zugunsten der japanischen Gäste. Dieser Rückstand wurde aber nach Abschluss der Runde 2 mit dem Ergebnis 8:1 korrigiert. Somit ging es in Runde 3. Diese endetet mit einem Stand von 4:5 für die Gäste. Am Ende gewann die Schule Grumbrechtsrasse in der Mannschaftswertung mit 16:11.

Das ist der Tag von Nanami Hirama (li.) - als Caner Kurt (re.) seine Niederlage eingesteht. Foto: Jumpei Tainaka
Das ist der Tag von Nanami Hirama (li.) – als Caner Kurt (re.) seine Niederlage eingesteht.
Foto: Jumpei Tanaka

Aus Heimfelder Sicht erwiesen sich als wahre Punktemaschinen: Konrad Leo Adler, Caner Kurt und Ian Meinköhn mit jeweils 3 Punkten aus drei Runden sowie Adriano Americo und Elefterius Petridis mit jeweils 2 Punkten aus drei Runden. Aus japanischer Sicht war es besonders Nanami Hirama, die mit 3 Punkten aus drei Runden in den Finalkampf eintreten konnte.
Die Partien des Finalkampfes wurden letztlich durch Blitzpartien (5 Minuten Bedenkzeit) entschieden.

Nach Auslosung der Paarungen für die Finalrunde ging es dann zur Sache:
Nanami Hirama : Ian Meinköhn 1:0 durch Zeitüberschreitung
Konrad leo Adler : Caner Kurt 0:1 durch Zeitüberschreitung
Nanami Hirama : Caner Kurt 1:0 durch Zeitüberschreitung
Konrad Leo Adler : Ian Meinköhn 1:0 durch Zeitüberschreitung
Bleibt noch der Stichkampf um Platz 5.
Hier mussten die beiden Freunde Adriano Americo und Elefterios Petridis die Platzierung ausfechten
Ergebnis: 1:0 für Adriano nach Zeitüberschreitung

Somit lautete die Endplatzierung:
1. Nanami Hirama, die damit einen schönen Sieg für die japanische Schule einfuhr
2. Caner Kurt
3. Konrad Leo Adler
4. Ian Meinköhn
5. Adriani Americo
6. Elefterios Petridis

In der Abschlusszermonie überreichte Herr Kanei den Schülern der Grumbrechtstrasse und Herr Kühlke den japanischen Schülern Urkunden und Medaillen bzw. Pokale.

Fazit:
Es war ein lebendiges und spannendes Turnier. Es liefen spannende und humorvolle Partien ab, wie die zwischen Ian Meinköhn und Sora Fukushima. Bei diesen Partien hatte es den Anschein, als säßen alte Freunde zusammen: Beide lachten und hatten viel Spaß. Auch Herr Kanei, der Schulleiter der japanischen Schule musste an die Bretter und mit einigen Schülern kiebitzen. Wie er in seinem Schlusswort sagte, hätte er es sich nicht vorstellen können einmal Shôgi zu spielen, als er nach Deutschland kam. Nun ja, unverhofft kommt oft.
Dank gilt auch Fr. Adler, die den Kuchen- und Getränkestand managte und für Ordnung im Eingangsbereich sorgte. Dank gilt auch allen Müttern, die Kuchen und Getränke gespendet haben, so dass sich die Spielerinnen und Spieler zwischen den Partien erfrischen konnten.
2015, so bleibt zu wünschen, dürfen die Schüler der Grumbrechtstraße wieder zu Gast in der japanischen Schule sein.
Nach dem Turnier ist vor dem Turnier!

Jürgen Woscidlo
-Kursleiter-

Rene Gralla hat eine Presseschau zum Berichterstattung über das Turnier zusammengestellt.

Die Einzelpartien und Ergebnisse:
Runde 1:
Iori Abe : Melina Böhmer 1:0
Shunsei Inukai : Ghreesham Manjunath 1:0
Taiyo Gakuhari : Paul Geißler 1:0
Aoi Akimoto : Enrico Ruccia 1:0
Nanami Hirama : Elefterios Petridis 1:0
Daichi Nakamura : Caner Kurt 0:1
Michi Hatakeyama : Adriano Americo 0:1
Kanoa Kobayashi : Konrad-Leo Adler 0:1
Sora Fukushima : Ian Meinköhn 0:1

Runde 2:
Elefterios Petridis : Iori Abe 1:0
Caner Kurt : Shunsei Inukai 1:0
Taiyo Gakuhari : Adriano Americo 0:1
Konrad Leo Adler : Aoi Akimoto 1:0
Nanami Hirama : Atanas 1:0
Daichi Nakamura : Ghreesham Manjunath 0:1, nach Bewertung
Michi Hatakeyama : Paul Geißler 0:1
Enrico Ruccia : Kanoa Kobayashi 1:0, nach Bewertung
Ian Meinköhn : Sora Fukushima 1:0

Runde 3:
Iori Abe : Elefterios Petridis 0:1
Caner Kurt : Shunsei Inukai 1:0
Taiyo Gakuhari : Enrico Ruccia 1:0
Konrad Leo Adler : Aoi Akimoto 1:0
Paul Geißler : Nanami Hirama 0:1
Atanas Köhler : Daichi Nakamura: 0:1
Ian Meinköhn : Michi hatakeyama 1:0
Kanoa Kobayashi : Melina Böhmer 1:0
Adriano Americo : Sora Fukushima 0:1

Ausgesetzt haben:
Runde 1: Atanas Köhler
Runde 2: Melina Böhmer
Runde 3: Ghreesham Manjunath
Die Aussetzungen erfolgten, da die Mannschaft der Grumbrechtstraße einen Spieler mehr in der Mannschaftaufstellung hatte, als die Mannschaft der japanischen Gäste.